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Hochhaussanierung in Berlin

Mehr Brandschutz für Verwaltungsgebäude

Baustellen, Dämmstoffe, Brandschutz, Hochhäuser, Modernisierung und Sanierung

Noch bis Frühjahr 2016 wird das Hochhaus der Deutschen Rentenversicherung am Hohenzollerndamm 47 in Berlin aufwändig saniert. In dem 1974 bis 1977 errichteten Gebäude sorgte einst Mineralfaserspritzputz K2 für den Schutz der Stahlkonstruktion im Brandfall. Im Zuge der Sanierungsarbeiten wurde dieser gegen moderne Brandschutzsysteme aus nichtbrennbarer Steinwolle ausgetauscht.

BERLIN (ABZ). - Der Wiedereinzug ist für das Frühjahr 2016 geplant. Bis dahin soll die Komplettsanierung der Arbeitsstätte von rund 1300 Beschäftigten der Deutschen Rentenversicherung abgeschlossen sein. Eine der wichtigsten Aufgaben im Rahmen der Sanierung des 23-geschossigen Hochhauses am Berliner Hohenzollerndamm betraf dessen brandschutztechnische Ertüchtigung: Mineralfaserspritzputz K2 musste entfernt, Geschossdecken und Tragwerk mussten mit neuen, leistungsfähigen Brandschutzsystemen ausgestattet werden. Das Material der Wahl: nichtbrennbare Steinwolle. Eine gute Wahl, wie Axel Fischbach, verantwortlicher Projektleiter der Kaefer Construction GmbH, bestätigt: "Die brandschutztechnisch zu bekleidenden Flächen und Geometrien waren von Etage zu Etage unterschiedlich. Entsprechend wichtig war es, mit einem Material zu arbeiten, das einfach und trotzdem sehr exakt vor Ort zugeschnitten und angepasst werden konnte."

Errichtet wurde das Hochhaus am Hohenzollerndamm 47 in den Jahren 1974 bis 1977 und wie in so vielen Gebäuden aus dieser Zeit vertraute man beim Brandschutz auf ein aus heutiger Sicht unzureichendes Material. Viele Stahlträger und-stützen waren mit Mineralfaserspritzputz K2 bekleidet. Wenn auch hermetisch von den Innenräumen abgeschottet (die Raumluft wies keinerlei Belastung auf), so war diese Art des Brandschutzes dennoch einfach nicht mehr zeitgemäß, vieles auch nicht ausreichend, und sollte im Rahmen einer umfassenden Gebäudesanierung gegen unbedenkliche Systeme ausgetauscht und ergänzt werden.

In Zahlen ausgedrückt bedeutete das für Axel Fischbach und sein Baustellenteam die Neubekleidung von rund 60 000 m² zu isolierender Fläche unter Geschossdecken und am Tragwerk. "Die Deckenkonstruktionen bestehen aus Trapezblechprofilen mit einer Schicht aus Aufbeton, in dem mittig zur Rissbewehrung eine Betonstahlmatte eingebracht ist, die aber nicht die notwendige Brandschutzqualität aufweist. Die Bekleidung musste so gewählt werden, dass diese Konstruktion sowohl bei einer Brandbeanspruchung von der Deckenunterseite als auch von der Deckenoberseite in die Feuerwiderstandsklasse F 90 nach DIN 4102-2: 1977-09 eingestuft werden kann", erläutert Axel Fischbach.

Zu berücksichtigen waren dabei Abweichungen im Konstruktionsaufbau der Decken: In 14 Geschossdecken finden sich Trapezblechdecken (Steghöhe = 70 mm) ohne brandschutztechnische Qualitäten, in den restlichen acht Decken sind Holoribdecken (Steghöhe ? 50 mm) mit brandschutztechnischer F 90-Qualität verbaut. Die Sicken aller Profile sind vollständig mit Beton verfüllt, der Aufbeton weist auf allen Flächen eine Dicke von mehr als 50 mm auf.

Auf Basis einer gutachterlichen Stellungnahme des beteiligten Brandschutzsachverständigenbüros IBB GmbH wurde für die brandschutztechnische Ertüchtigung der Geschossdecken (Trapezblechdecken) eine unterseitige Bekleidung mit 30 mm dicken "Conlit Steelprotect Boards" von Rockwool gewählt. Diese druckfesten Steinwolleplatten sind nichtbrennbar (Baustoffklasse A1 nach DIN 4102 Teil 1) und mit einem Flächengewicht von nur ca. 4,8 kg/m² (bei der verarbeiteten Dicke von 30 mm) äußerst leicht, was das Handling auf der Baustelle verglichen mit anderen Plattenbaustoffen erheblich vereinfacht. Darüber hinaus wurde mit den "Conlit Steelprotect Boards" relativ wenig Masse neu in das Hochhaus eingebracht, was gerade bei der Filigranbauweise mit Trapezblechdecken von großer statischer Bedeutung ist. "Die Stoßfugen der 2000x1200 mm großen Platten haben wir mit dem ,Conlit Fix' Systemkleber vollflächig miteinander verklebt. Die Be-festigung an den Trapezblechdecken erfolgte mit Setzbolzen in einem Raster von 450x500 mm, wobei ein Randabstand zum Plattenlängsrand von ca. 100 mm eingehalten wurde. Die Festigkeit der Setzbolzen wurde vor Ort durch Auszugsversuche bestätigt", so Axel Fischbach. Ein weiterer Vorteil dieser Brandschutzlösung: Durch die in Relation zur ertüchtigten Fläche nur geringen Kleberanteile blieb die in der Bauphase eingebrachte Menge an zusätzlicher Feuchtigkeit extrem niedrig und damit ohne Auswirkungen auf den weiteren Baufortschritt. Die Anbindung von Abhängern für Installationen und die Unterdecken erfolgt nach dem Sachverständigengutachten direkt an den Trägerprofilen. Eine Aufdopplung der Bekleidung an den Abhängebereichen und das Auftragen einer Brandschutzbeschichtung sorgen im Brandfall für zusätzlichen Schutz vor einer übermäßigen Wärmeeinleitung.

Auch die brandschutztechnische Bekleidung der tragenden und aussteifenden Stahlbauteile wurde gemäß ABP P-SAC-02 III-664 mit den "Conlit Steelprotect Boards" realisiert. Die Dimensionierung der kastenförmigen Bekleidung richtete sich nach den U/A-Werten der Stahlträger und -stützen. "Bei den großen Unterzügen mit Profilhöhen ab 400 mm etwa wurden die als erstes eingebrachten Knaggen durch eine Hinterlegung mit ,Conlit Steelprotect Board' Streifen zusätzlich verstärkt. Die flächigen Bekleidungen wurden anschließend wieder mit den Knaggen und Stößen mit ,Conlit Fix' verklebt und mit Stahlklammern fixiert. Auch die Kreuzungspunkte der Träger wurden auf diese Weise kastenförmig bekleidet. Insbesondere die Flexibilität der Platten und ihr leichter Zuschnitt mit einem einfachen Cutter-Messer halfen uns dabei, selbst kleine Anschlussdetails in einer angemessenen Zeit herstellen zu können", erklärt Axel Fischbach. Um die Wärmeeinleitung über nicht klassifizierte Stahlbauteile zu reduzieren, wurden diese auf einer Länge von 30 cm ebenfalls mit den Rockwool Brandschutzplatten bekleidet.

Wenn im Frühjahr 2016 die ersten Mitarbeiter der Deutschen Rentenversicherung ihre neuen/alten Büros am Hohenzollerndamm beziehen, werden sie von den Arbeiten der Kaefer Construction GmbH nichts mehr sehen können – der fachgerecht ausgeführte und wichtige bauliche Brandschutz wirkt dann im Verborgenen.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 20/2015.

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