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Bauaussichten 2021

Hohes Maß an Entscheidungs- und Handlungsfreiheit

Von Andreas Böhm, Mitglied des Direktoriums der Liebherr-International AG, Bulle/Schweiz

Vor dem Hintergrund einer bereits leicht verringerten Wachstumsdynamik auf den Weltmärkten waren das Jahresende 2019 und große Teile des ersten Quartals 2020 für unsere Firmengruppe mit einer erfreulichen Auftragslage verbunden. Jedoch sorgte die Corona-Pandemie ab Ende des ersten Quartals zeitversetzt für Einschränkungen in vielen Märkten, so dass sich das Geschäft regional stark unterschiedlich entwickelte. Am deutlichsten verringerten sich die Umsätze in Mittel- und Südamerika, gefolgt von Europa und Nordamerika. In der Absatzregion Afrika und Naher und Mittlerer Osten konnten wir hingegen das Umsatzniveau halten, in Asien und Ozeanien sogar Zuwächse erzielen.

Der Corona-Panedmie zum Trotz wurde auch auf den Höhepunkten der Corona-Pandemie in den meisten Ländern weiter auf Baustellen gearbeitet. Mit speziellem Augenmerk auf Sicherheit und Gesundheit aller Beteiligter war es uns deshalb besonders wichtig, den intensiven Kontakt mit unseren Kunden weiter zu pflegen und einen gewohnt schnellen und zuverlässigen Service sicherzustellen. Auch haben wir die Arbeit an innovativen Produkten und Technologien fortgesetzt und etliche Neuheiten für die Bau- und Miningbranche vorgestellt. Dazu zählen etwa der Teleskopradlader L 509 Tele sowie die neuen Radladermodelle L 526, L 538, L 546. Mit demR 940 Abbruch hat die Sparte Erdbewegung Ende September einen neuen Raupenbagger in den Markt eingeführt, Ende Oktober folgte die Produkteinführung des knickgelenkten Muldenkippers TA 230 Litronic. Überdies gab die Sparte den Einstieg in eine strategische Partnerschaft mit Leica Geosystems bekannt und bietet nun ab Werk 2D- und 3D-Maschinensteuerungssysteme für ihre Mobil- und Raupenbagger der Generationen 6 und 8 an. Auf der Conexpo haben wir mit dem LTM 1120-4.1 einen neuen Mobilkran präsentiert, dessen Auslieferung im November begonnen hat. Mit dem LTM 1150-5.3 wird aktuell ein weiterer neuer Mobilkran für den Produktlaunch vorbereitet. Unsere Firmengruppe hat auch auf die durch Corona beschleunigte digitale Transformation der Arbeitswelt reagiert und die Aktivitäten im Bereich Remote Services weiter vorangetrieben sowie das Angebot an digitalen Trainingsformaten und Schulungen weiter ausgebaut.

Gegenwärtig geben sowohl der Auftragseingang als auch die Auftragsbestände der Firmengruppe Grund zur Zuversicht. Nachdem es bei Baumaschinen und Mining-Geräten auch im Frühjahr und Sommer keine Stornierungen in größerem Ausmaß gegeben hatte, ist die Auftragslage bei Baumaschinen derzeit in der Mehrzahl der Produktsegmente stabil. Zum Beispiel ist die Nachfrage nach Radladern konstant, nimmt im Segment der kleinen Radlader sogar weiter zu. Großes Interesse besteht an den Liebherr-Raupenbaggern der Generation 8. Dagegen zeichnet sich in einigen Produktsegmenten bei mittleren und großen Maschinen eine gewisse Zurückhaltung ab, darunter bei Planierraupen. Dies trifft auch auf die Materialumschlagtechnik zu. Vor allem im Segment Schrottumschlag ist der Absatz rückläufig. Während die Nachfrage im Bereich Betontechnik nicht das Niveau des Vorjahres erreicht, hat sich das Interesse der Kunden an Turmdrehkranen wieder stabilisiert. Im Bereich Mobilkrane sind derzeit vor allem Großgeräte stark nachgefragt. Etwas zurückhaltender sind die Kunden bei mittleren Teleskop-Mobilkranen. Bei Raupenkranen bis 300 Tonnen sind die Auftragseingänge stabil und erreichen das Vorjahresniveau. Gleiches gilt für Spezialtiefbaugeräte. Im Bereich Mining investieren Minenbetreiber aktuell weniger in neue Maschinen als noch im Vorjahr. Jedoch konnten wir unseren Marktanteil bei Mining-Baggern bei rückläufigem Gesamtmarkt erhöhen. Das Geschäft mit Ersatzteilen verläuft stabil.

Die Corona-Pandemie beschleunigt nicht nur Veränderungen in der Arbeitswelt. Sie wirkt vielmehr als Katalysator auf die Transformation beinahe aller Lebensbereiche und beeinflusst damit auch, wie wir bauen. Mittel- bis langfristig ergeben sich dadurch für uns gerade in Zeiten beschleunigten Wandels Marktchancen. Denn zu den Stärken unserer Firmengruppe zählen seit jeher ihre finanzielle Unabhängigkeit, die dezentrale Unternehmensstruktur und die breite Diversifikation nach Ländern und Märkten. Das sichert ein hohes Maß an Entscheidungs- und Handlungsfreiheit und macht uns unempfindlicher gegenüber konjunkturellen Schwankungen, sodass wir uns schnell an Veränderungen in der Nachfrage anpassen und Trends setzen können. Ob sich diese Marktchancen bereits im Jahr 2021 voll entfalten, bleibt abzuwarten. Entscheidend wird sein, in welcher Verfassung die Gesellschaftssysteme und die Weltwirtschaft ins Frühjahr starten. Hier sind verschiedene Szenarien denkbar. Noch zu Beginn der Pandemie rechneten viele Experten mit einem V-förmigen Verlauf des Wirtschaftswachstums. Einem steilen, aber kurzfristigen Einbruch der Wirtschaftsleistung, so die Prognosen, folge eine ebenso rasche Erholung. Mittlerweile spricht jedoch Vieles für andere Entwicklungsmodelle. Angesichts der weltweit zeitlich versetzten Verläufe des Infektionsgeschehens, dem wellenförmigen Auftreten der Pandemie und der unterschiedlichen Effekte und Wirksamkeit wirtschafts- und fiskalpolitischer Maßnahmen in den Märkten ist eher von einer mehrfach von kürzeren Rückgängen und Aufschwüngen gezeichneten Phase in den einzelnen Ländern auszugehen. Das bedeutet, dass sich voraussichtlich zwischen dem Rückgang und einem erneuten Aufschwung zunächst eine Phase der Stabilisierung auf niedrigerem Niveau einstellt, bevor es zu einer Rückkehr des Wachstums in Richtung Vorkrisen-Niveau kommt.

Wie lange diese Phase andauert, ist aktuell kaum vorherzusehen. Mitentscheidend wird natürlich sein, wann weltweit wirksame Impfstoffe zur Verfügung stehen. Viel hängt darüber hinaus davon ab, welche politischen, fiskalischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den verschiedenen Märkten geformt werden: Welche Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemiefolgen auf Wirtschaft und Gesellschaft können umgesetzt werden? Wie wirksam werden sie sich erweisen? Ebenso viel hängt aber auch von der Innovations- und Gestaltungskraft der Unternehmen ab. Denn mit unseren Ideen und kreativen Lösungen können wir einen Beitrag dazu leisten, die Pandemie zu überwinden.

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