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Holz und Lehm

Natürliche Baustoffe ergänzen sich

Von Sven Eulenstein

Durch den Einsatz von Lehmplatten im Innenbereich von Häusern werden Holz und andere organische Stoffe trocken gehalten und nicht von Schimmelpilzen oder Insekten befallen.

Schirnding. – Die Kombination aus Holz und Lehm erfreut sich am Bau steigender Beliebtheit – nicht nur aus ökologischen Gesichtspunkten. Die beiden natürlichen Baustoffe ergänzen sich auch in bauphysikalischer Hinsicht besonders gut, weil Lehm im Innenbereich von Gebäuden seine seit Jahrtausenden bewährten Materialvorteile entfaltet, die gerade bei Holzhäusern besonders relevant sind: Er besitzt nämlich eine sehr geringe Gleichgewichtsfeuchte von nur 0,4–0,6 Gewichtsprozenten. Durch den Einsatz von Lehmplatten im Innenbereich von Häusern werden daher Holz und andere organische Stoffe trocken gehalten und nicht von Schimmelpilzen oder Insekten befallen. Der Zusammenhang ist unter Fachleuten lange bekannt, doch fehlten lange Zeit konkrete Möglichkeiten der technischen Anwendung im modernen Bauwesen.

Das änderte sich, als vor einigen Jahren der oberpfälzische Baustoffhersteller Hart Keramik als Produktinnovation Lehmplatten mit der Bezeichnung "Lemix" entwickelte, die seit zwei Jahren auch mit industrieller Präzision gefertigt werden können. Lehm erlebt seitdem im Holzbau und Innenausbau eine Renaissance als Alternative zu den bisher marktbeherrschenden Baustoffen. Nicht nur Architekten und Bauplaner, sondern auch Zimmerleute zeigen ein steigendes Interesse an der Lehmplatte, die auch bei den heutigen (leichten) Bauweisen, wie z. B. Holz-Rahmenbauten, die bauphysikalischen Eigenschaften erheblich verbessert. Das gilt für Neubau und Altbausanierung, bspw. Fachwerkhäuser, gleichermaßen.

Technisch gesehen steht die Lehmplatte inzwischen "auf sicheren Füßen". Seit Dezember letzten Jahres existiert eine eigene neue DIN für Lehmplatten. Sie sorgt dafür, dass Anwender mit einem bis ins Detail geregelten Produkt arbeiten, dessen Eigenschaften geprüft und deklariert sind. Die DIN 18948 baut auf dem Technischen Merkblatt 07 des Dachverband Lehm e. V. auf und beinhaltet sämtliche Anforderungen, Einsatzbereiche, Leistungsmerkmale, Prüfungen und Kennzeichnung von Lehmplatten. Dies bedeutet, dass nun exakt definiert ist, welche Bestandteile eine Lehmplatte haben darf, um sich so nennen zu dürfen.

Bei den Reinbeckhallen wurden Lemix-Platten eingesetzt.

Was für Holzbauten besonders angenehm ist und auf das besondere Interesse vieler Architekten stößt: Die Platten bewirken in den Wohnräumen einen spürbaren klimatischen Effekt. Denn sie sind in der Lage Luftfeuchtigkeit relativ schnell aufzunehmen und wieder abzugeben. Dadurch regulieren sie die Feuchtigkeit der Raumluft und tragen maßgeblich zu einem gesunden Raumklima bei. Die hohe Speichermasse von Lehmplatten ermöglicht einen für das Wohnklima und das Wohlbefinden der Bewohner willkommenen sommerlichen Wärmeschutz. In der Folge herrscht im Haus im Winter wohlige Wärme und selbst in heißen Sommern wie etwa 2018 angenehme Kühle.

Lehmplatten bieten den Hausbewohnern noch einen weiteren Vorteil: Ihre hohe Rohdichte führt laut Hersteller nämlich zu einem sehr guten Schallschutzwert. Dabei kommt es vor allem auf den Lehmanteil der Platten an. Verschiedene Prüfungen belegen, dass sich eine Holzständerkonstruktion mit Jutedämmung und Lehmplatten-Beplankung gegenüber einer verputzten, 11,5 cm starken Ziegelwand nicht verstecken muss. Je nach Konstruktion wurden Schalldämm-Werte bis zu 56 dB nachgewiesen. Wissenschaftlich getestet wurde zudem auch das Brandverhalten von Lehmplatten, das am Beispiel der Marke Lemix nach DIN EN 13823 geprüft wurde. Die Platten erreichten am Ende die für Fachleute und Brandschutzexperten wichtige Klasse A1 (nicht brennbar).

Im Bereich Altbausanierung vermag die Lehmplatte darüber hinaus auf dem Gebiet der Statik gute Dienste zu leisten: Denn gegen die zusätzliche Errichtung von Massivwänden im Innenbereich älterer Bauwerke spricht häufig der hohe bauliche Aufwand und ihre sensible Statik. Deren Gewicht könnte für die Tragfähigkeit von Decken/Wänden/Fundamenten problematisch werden. Will man also räumliche Flexibilität und geringe statische Belastung miteinander verbinden, so bieten sich als Alternative zu Massivwänden Holzkonstruktionen mit einer Lehmplatten-Beplankung an. Trockenbauwände mit Lehmplatten sind zwar schwerer als Wände mit Gipskartonplatten, bieten jedoch hinsichtlich bauphysikalischer Eigenschaften ähnliche Spitzenwerte wie Massivwände – dies bei deutlich geringerem Gewicht. Aufgrund dieser Eigenschaften entwickelt die Lehmplatte speziell im Bereich der Denkmalsanierung zunehmende Bedeutung.


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Der Autor ist als Produktmanager bei der Hart Keramik AG, Waldsassen/Schirnding tätig. Er arbeitet u. a. im Arbeitskreis Normung des Dachverband Lehm e. V. mit.

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