Hongkong-Zhuhai-Macao Bridge

Mit Know-how zu bester Sichtbetonqualität

Peri plante und lieferte die Schalungslösungen für die umlaufenden Wellenbrecher als auch für die mehrgeschossigen Betriebsgebäude auf den künstlichen Inseln. Höchste Sichtbetonqualität war die maßgebliche Anforderung für die Bauausführung.

Hongkong/China (ABZ). – Den Bau des 6 km messenden Unterwassertunnels der Verbindung zwischen Hongkong und Macao/Zhuhai seit 2010 unterstützte Peri mit zwei Schalungsmaschinen. Die hervorragende Zusammenarbeit führte zu weiteren Aufträgen: Für die Tunnelportale sowie zwei Betriebsgebäude sorg-te Peri mit professionellem Engineering und projektspezifischen Schalungslösungen für beste Sichtbetonergebnisse und Zeiteinsparungen bei der Bauausführung. Bereits vor einigen Jahren startete in China das Megaprojekt, eine 35 km lange Straßenverbindung zwischen Hongkong und dem chinesischen Festland zu schaffen. Im Bereich der Einflugschneise des Hongkong International Airports Check Lap Kok verläuft diese Verbindung in einem Unterwassertunnel. Peri entwickelte bereits zwei hydraulisch bedienbare Schalungsmaschinen zur Herstellung der Einzelsegmente für diesen 6 km langen Tunnel, der im Mai 2017 fertiggestellt wurde. Die äußerst positive, erfolgreiche Zusammenarbeit führte dazu, dass die China Communications Construction Company Ltd. (CCCC) das Weißenhorner Unternehmen mit weiteren Engineering-Aufgaben und Materiallieferungen beauftragte. Seit Ende 2014 erarbeitete Peri daher umfassende Schalungslösungen für die Tunnelzufahrten; ein gutes Jahr später erhielt das Unternehmen den Auftrag für die Schalungslösungen für die Betriebsgebäude auf zwei künstlichen Inseln im südchinesischen Perlflussdelta. Die wichtigste Anforderung des Kunden war es, eine erstklassige Sichtbetonqualität zu erzielen.

Am Übergang von der Brücke führen sechs Fahrspuren mit 3 % Längsgefälle in den Tunnel, für diesen Übergang wurden zwei Inseln künstlich aufgeschüttet. Bei den Übergangsbauwerken galt es, die bis zu 15,5 m hohen Wände der Zufahrten mit einem klar strukturierten Fugen- und Ankerraster sowie dauerhaft wasserundurchlässig herzustellen. Weiterhin entstanden umlaufend um die Inseln massive Wellenbrecher.

Seit Herbst 2015 entstehen nun mehrgeschossige Betriebsgebäude auf den beiden, je knapp 100 000 m² großen künstlichen Inseln. In dem Gebäude am Westende des Tunnels mit rd. 19 000 m² Nutzfläche werden später Maschinenräume, Löscheinrichtungen und Büroräume für die Verwaltung untergebracht; mit einem Untergeschoss und drei oberirdischen Etagen erreicht dieses Bauwerk rd. 20 m Höhe. An der östlichen Ausfahrt des Tunnels entsteht ein 4-geschossiger Bau mit rd. 23,6 m Höhe über Grund. Neben Betriebsräumen des Tunnelbetreibers werden hier auch zwei Geschosse mit Verkaufsflächen untergebracht. In der obersten Etage ist außerdem die Installation einer Ausstellung über die Entwicklung und Entstehung des Megaprojekts geplant.

Da die chinesischen Auftraggeber kaum Erfahrung mit der Herstellung von Sichtbetonbauwerken hatten, stand zu Beginn der Planung die Definition des gewünschten Sichtbetonergebnisses. Die Vertragspartner bestimmten die Sichtbetonklasse SB 4 gemäß Sichtbetonmerkblatt der deutschen Vereine DBV und VDZ als maßgebliches Qualitätsmerkmal. Im Nachgang analysierten die Projektbeteiligten notwendige Anpassungen der üblichen Baumethoden vor Ort. Die Peri Experten erarbeiteten zahlreiche Verbesserungsvorschläge, um das zuvor definierte Sichtbetonergebnis wirtschaftlich und effizient erreichen zu können.

Auf zwei künstlichen Inseln an den beiden Ausfahrten des HZMB Tunnels entstehen derzeit markante Sichtbetonbauwerke. R. im Bild ist die Ausfahrt am Westende des Tunnels zu sehen.

Die gewohnten Baumethoden für verschiedenste Bereiche sollten verändert werden, u. a. für die Knotenpunkte von Haupt- und Nebenunterzügen. Vor Ort üblich ist es, Unterzüge und Decken in einem Guss zu betonieren. Im Gegensatz dazu entschied man während der Planung, alle Bauteile separat zu betonieren und zudem vorgefertigte Bewehrungskörbe einzusetzen. Ziel dieser Maßnahmen war, den effizienten Einsatz von Systemschalungen zu ermöglichen und eine deutliche Beschleunigung der Bauzeit zu erreichen. Nach der Festlegung dieser Grundlagen erfolgte die Schalungs- und Traggerüstplanung für die Wände, Stützen, Haupt- und Nebenunterzüge, Decken, Balkone und Brüstungen. Soweit möglich, griff das Planungsteam auf Peri Systemschalungen zurück, um die Wirtschaftlichkeit der Bauausführung zu optimieren. Aufgrund der teilweise geschwungenen Formen planten die Peri Ingenieure auch Sonderschalungen für zahlreiche Bauteile.

Die Herstellung der bis zu 15,5 m hohen Seiten- und Mittelwände, die die beiden Fahrspuren in der Tunneleinfahrt trennen, erfolgt mithilfe verfahrbarer Portalschalwagen. Die fahrbare Lösung umfasst eine projektspezifisch geplante Vario GT 24 Träger-Wandschalung, mit der sich das gewünschte, klar strukturierte Fugen- und Ankerraster für die Wände umsetzen ließ.

Zudem sorgte der Einsatz der SK Ankertechnik für die geforderte Wasserundurchlässigkeit. Auch zur Herstellung der umlaufenden Wellenbrecher setzte das Baustellenteam eine fahrbare Peri Wandschalungslösung ein. Für die großformatigen Stützen, die Decken, die auskragenden Balkone und Brüstungen erarbeitete Peri Schalungs- und Gerüstlösungen auf Basis von Standardbauteilen verschiedener Peri Systeme. Für komplexer geformte Bereiche oder auch Bauteile plante, produzierte und lieferte das Weißenhorner Unternehmen darüber hinaus projektspezifische Lösungen mit Knaggen und diversen Plattenzuschnitten. Alle eingesetzten Systembauteile und Plattenzuschnitte wurden just-in-time zur Baustelle geliefert und vor Ort entsprechend des Baufortschritts montiert.

Durch die Kombination von kompetentem Peri Engineering, effizienter Systemschalung, passgenauer Sonderschalung und stetiger Begleitung und Qualitätskontrolle aller Arbeiten durch Peri Supervisor konnte das ausführende Bauunternehmen im Vergleich zur ursprünglichen Planung eine Bauzeitverkürzung von etwa sechs Monaten erreichen.

Wesentlicher Erfolgsfaktor für die erweiterten Baumaßnahmen im Zuge des gigantischen HZMB Projekts war die enge und konstruktive Zusammenarbeit der chinesischen Bauunternehmung mit Peri.

Die positive Erfahrung beider Seiten aus dem Tunnelprojekt konnte für die angrenzenden Bauwerke genutzt werden: Die Auftraggeber vertrauten der Expertise und Kompetenz aus Deutschland, sie ließen sich auf Verbesserungsvorschläge und gänzlich neue Methoden ein. Die Fertigstellung der Bauwerke auf den Inseln ist für Oktober 2017 geplant.

https://jobs-in-gruen-und-bau.de/index.php?id=123&tx_patzerboerse_paboeplugin[unterthemen]=180&no_cache=1

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 45/2017.

Weitere Artikel