Hünnebeck auf der bauma 2022

"Es ist viel Flexibilität gefragt"

Martin von Lom, Geschäftsführer der Hünnebeck Deutschland, im Interview mit ABZ-Chefredakteur Kai-Werner Fajga.
Hünnebeck Gerüstbautechnik
Martin von Lom ist Geschäftsführer der Hünnebeck Deutschland GmbH. Foto: Hünnebeck Deutschland

ABZ: Herr von Lom, wie hat sich der Markt für die Bereiche Schalung, Gerüst- und Sicherheitstechnik in den letzten ein, zwei Jahren für Hünnebeck entwickelt?

von Lom: In den letzten zwei Jahren war das bestimmende Thema die Corona-Pandemie. Zwar war der deutsche Baumarkt davon vergleichsweise wenig betroffen: Das Bauvolumen ist leicht gewachsen, Baustellen konnten weiterarbeiten, neue Projekte wurden ausgeschrieben. Dennoch mussten angesichts von Abstandsregeln und krankheitsbedingten Ausfällen bei allen Akteuren Prozesse flexibler und dynamischer werden. In dem Sinne hat uns die Pandemie einen Modernisierungsschub gebracht.

Gleichzeitig stehen wir in der Folge der Pandemie und dann noch einmal verstärkt durch den Ukraine-Krieg vor Herausforderungen wie unterbrochenen Lieferketten und damit verbundener Materialknappheit, erleben hohe Preissteigerungen bei Material und Energie. Das belastet natürlich den Markt. Hinzu kommt der Fachkräftemangel. Jüngste Schätzungen gehen davon aus, dass am Bau im Jahr 2030 – und das ist nicht mehr weit weg – 100.000 Kräfte fehlen werden. Das Marktvolumen ist also da, die Rahmenbedingungen haben sich verändert.

ABZ: Und was bedeutet das für Ihre Produkte und Lösungen?

von Lom: Wir haben im letzten Jahr eine breit angelegte Kundenbefragung durchgeführt. Sie hat gezeigt, dass die Schmerzpunkte unserer Kunden in eben diesem oben genannten Fachkräftemangel und in gestiegenen Sicherheitsanforderungen liegen. Demnach legen wir bei der Entwicklung unserer Lösungspakete den Fokus auf Produktivitätssteigerungen und die weitere Erhöhung der Arbeitssicherheit. Unsere Produkte und Dienstleistungen sind ganzheitlich darauf ausgelegt, selbst unter schwierigen Bedingungen effiziente, sichere und damit auch wirtschaftliche Bauabläufe zu generieren. Da leisten unsere Ingenieure mit ihren Planungsleistungen eine tolle Arbeit, was uns auch von Kunden immer wieder bestätigt wird.

ABZ: Wie haben sich Ihre Geschäftsfelder Infrastruktur- und Hochhausbau entwickelt?

von Lom: In beiden Bereichen liegen große Wachstumschancen, die wir in den letzten Jahren bereits nutzen konnten. Die Geschäftsfelder haben sich demnach gut entwickelt. Im Infrastruktur-Bereich haben wir eine strategische Partnerschaft mit dem norwegischen Brückenbau-Spezialisten Strukturas geschlossen. Ziel dieser Partnerschaft ist es, den Kunden ein umfassendes Portfolio für komplexe Brückenbauprojekte aus einer Hand anbieten zu können. Dabei bringt Strukturas vor allem seine langjährige Expertise bei Projekten im Taktschiebeverfahren sowie bei der Planung, Lieferung und Montage von Brückenschalwagen ein. Außerdem haben wir unser Produktportfolio erweitert: Mit unserem Modulbaukastensystems Infra-Kit sind nun auch Anwendungen wie Tunnelschalungen oder ein Gesimskappenwagen für das effiziente Schalen von Brückenrändern möglich. Über Schwestergesellschaften aus dem BrandSafway Verbund bieten wir in ausgewählten Ländern auch Dienstleistungen wie den Auf- und Abbau von Unterstützungssystemen an.

Ähnlich erfolgreich und stark wachsend zeigt sich auch der Geschäftsbereich Hochhausbau, für den wir ein Kompetenzzentrum eingerichtet haben. Wir verstärken uns im Bereich Selbstkletterschalung und optimieren das vorgehängte selbstkletternde Windscreen, um nur zwei Beispiele für Produktentwicklungen zu nennen. All dies hat dazu geführt, dass wir spannende Projekte gewinnen konnten, wie die Tiefenbachtalbrücke und den Estrel Tower in Berlin.

ABZ: Inwieweit ist Ihr Unternehmen von Rohstoffengpässen oder Lieferkettenproblemen betroffen?

von Lom: Selbstverständlich gehen die rasanten, teils unberechenbaren Entwicklungen der letzten Monate auch an uns nicht spurlos vorüber. Jeder Akteur am Markt ist von der Preisentwicklung und von Störungen der Lieferketten betroffen. Planungen werden komplexer, und es ist viel Flexibilität gefragt. Dennoch gelingt es uns, dank unseres großen Mietparks und einer Produktion, die nicht nur auf einer Schulter lastet, die Effekte abzufedern. Unser Anspruch ist und bleibt es, unsere Kunden bei all ihren Bauvorhaben zuverlässig zu beliefern und zu unterstützen.

ABZ: Zu Beginn des Jahres fokussierten Sie die Themen Arbeitssicherheit, Produktivität, Digitalisierung sowie Nachhaltigkeit als die Zukunftsaufgaben. Hat sich daran nach Beginn des Ukrainekriegs und möglicher Gasknappheit etwas geändert?

von Lom: Nein, daran hat sich überhaupt nichts geändert. Im Gegenteil. Je effizienter und sicherer unsere Lösungen sind, umso mehr schonen sie Ressourcen. Unser Fokus lag und liegt darauf, unseren Kunden durch qualitativ hochwertige, arbeitssichere und langlebige Produkte zu mehr Produktivität und Effizienz auf der Baustelle zu verhelfen. Das steigert ihre und damit auch unsere Wettbewerbsfähigkeit. Gemeinsam mit unseren Kunden müssen wir Ressourcen so effizient wie möglich nutzen. Das beginnt beim Materialverbrauch und zieht sich durch bis hin zur Manpower, mit der wir ebenfalls sorgfältig umgehen müssen, wie uns der Fachkräftemangel lehrt. Auch im Bereich der Digitalisierung fokussieren wir uns auf die Lösungen, die für Kunden einen effektiven Mehrwert haben. Sehen wir es positiv: Die derzeitigen Rahmenbedingungen bestätigen all jene, die sich frühzeitig den oben genannten Themen in all ihren Facetten gewidmet haben.

ABZ: Wie beurteilen Sie die aktuelle konjunkturelle Entwicklung in der Bauwirtschaft?

von Lom: Die Situation ist paradox. Es gibt eine hohe Nachfrage am Bau, die Auftragsbücher sind voll. Gleichzeitig verhindern Materialengpässe, Preissteigerungen und Fachkräftemangel, dass dieser Nachfrage begegnet werden kann. Die Unsicherheiten führen bei Investoren zu einer größeren Zurückhaltung. Deshalb wird schon für 2022 und mehr noch für 2023 mit einem Rückgang der Bauleistung gerechnet, trotz der hohen Nachfrage. Ein deutlicher Rückgang wird im privaten Wohnungsbau erwartet; dort sind auch die Baugenehmigungen am stärksten rückläufig.

Wir gehen aber davon aus, auch in dieser Zeit gut aufgestellt zu sein. Im privaten Wohnungsbau sind wir wenig aktiv, vielmehr liegt unser Kerngeschäft in den Segmenten, in denen noch Wachstumsmöglichkeiten bestehen. Wir stellen uns aufgrund der Rahmenbedingungen auf turbulente Zeiten ein, sehen und nutzen aber gleichzeitig die Modernisierungs-chancen, die darin liegen.

ABZ: Welche Erwartungen hat Hünnebeck an die diesjährige bauma?

von Lom: Die diesjährige bauma wird sicher sehr besonders. Die Messe München erwartet aufgrund der Pandemie circa 20 bis 30 Prozent weniger Besucher – auch wir werden also vermutlich weniger Betrieb am Stand haben. Das gibt uns die Chance für noch intensivere Gespräche mit den Kunden, die in München sind.

Um auch die Kunden zu erreichen, die nicht nach München kommen können oder wollen, ergänzen wir unseren Messestand um digitale Events; unser bauma-Auftritt wird also eine hybride Veranstaltung. Der große Vorteil: So treten wir nicht nur mit den Kunden in Kontakt, die wir üblicherweise in München begrüßen können, sondern auch mit denen, für die der Besuch der Messe generell keine Option ist. Wir freuen uns sehr darauf, endlich wieder viele unserer nationalen wie auch internationalen Geschäftspartner persönlich treffen zu können. Die Erwartungen sind also: viele persönliche, intensive Gespräche und gleichzeitig eine große, internationale Reichweite.

ABZ: Welche neuen Produkte präsentiert Hünnebeck zur bauma?

von Lom: Ich habe ja schon die Kundenbefragungen angesprochen, die wir im letzten Jahr durchgeführt haben. Sie zeigen, dass Kunden produktive und sichere Produkte fordern. Wir werden auf der Messe zeigen, dass unsere Systeme hoch produktiv und gleichzeitig extrem sicher sind. Refa-Zeitstudien belegen, dass wir mit dem Stützturm ST 60 sowie mit den Wandschalungssystemen Manto G3 und Rasto G2 extrem schnelle Systeme am Markt haben. In der Deckenschalung zählen wir seit langem zu den Marktführern. Wir werden die Messe nutzen, um den Kunden zu zeigen, was unsere Systeme so produktiv und sicher macht.

Im Infrastrukturbereich haben wir unser Baukastensystems Infra-Kit um weitere Anwendungen erweitert. Unser neues Protecto G2 Schutzgitter ist als Universalgitter einsetzbar und damit extrem flexibel.

Außerdem demonstrieren wir auf unserem Messestand den fortlaufenden Ausbau unserer digitalen Services. Zum Beispiel anhand unserer digitalen Kundenplattform "myHünnebeck". Hier genügen wenige Klicks, um dem Anwender einen transparenten, aktuellen Überblick über das gesamte Bauvorhaben mit allen wesentlichen Projektinformationen zu geben.

ABZ: Hat sich das Engagement ihres Unternehmens auf der bauma in diesem Jahr gegenüber 2019 verändert?

von Lom: Ja, unser Engagement hat sich verändert, man kann sagen, dass es sogar noch größer geworden ist. Ich habe weiter oben schon den hybriden Charakter unseres Messestandes angesprochen. Konkret bedeutet das, dass wir in nationalen und internationalen Standorten und teilweise auch beim Kunden selbst parallele Events organisieren. Vom Messestand in München wird es Live-Schaltungen in die Standorte geben.

So können wir potenzielle Kunden überall auf der Welt digital zuschalten und in unsere bauma-Präsenz einbeziehen. Wer also auf lange Flugreisen verzichten möchte, kann in Gespräche, Beratungen, Vorführungen und so weiter live eingebunden werden. Darüber hinaus steht in unserer Hauptverwaltung in Ratingen ein Expertenteam zur Verfügung, das detaillierter als auf einer Messe möglich individuelle Fragen beantworten wird. Wir nutzen also die digitale Kompetenz, die wir alle uns während der Pandemie aneignen mussten, um Kunden und Interessenten noch besser zu erreichen.

ABZ: Zero Emission/CO2-Footprint und Nachhaltigkeit sind Leitthemen der Messe. Wie stellt sich Hünnebeck diesbezüglich auf?

von Lom: Nachhaltigkeit hat ja eine soziale, eine ökonomische und eine ökologische Dimension. Diese Dimensionen beschäftigen uns schon lange – nicht umsonst sind wir der erste Schalungsanbieter, der sich dem Nachhaltigkeitskodex des DNK verpflichtet hat, bereits seit 2018.

Ich kann hier nicht auf alle Facetten eingehen, aber hohe Bewertungen und Weiterempfehlungsraten auf der Plattform Kununu zeigen, dass unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen uns als guten und sozialen Arbeitgeber wahrnehmen. Wir haben immer schon in allen unseren Kundenbeziehungen, Investitionen, Planungen auf den langfristigen und damit nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg gesetzt. Und unsere Produkte sind langlebig und ergonomisch. Derzeit realisieren wir zahlreiche Projekte, die uns helfen, unseren CO2-Fußabdruck deutlich nach unten zu bringen mit dem Ziel, in den nächsten Jahren klimaneutral zu werden. Nur nachhaltige Unternehmen sind langfristig zukunftsfähig, und wir sehen uns auch in der Zukunft als Unternehmen, das an der Seite der Kunden alle Herausforderungen meistert.

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