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ICE-Schnellstrecke Stuttgart–Ulm

Schneller Grabenbau im Kalkgestein

Eine technische Besonderheit macht die Verwendung der Kettenfräsen seitlich vom Baggerlaufwerk möglich: Optional lassen sie sich verdrehen und winklig zur Auslegerflucht anstellen.

Stuttgart/Ulm (ABZ). – Kemroc-Kettenfräsen bewähren sich beim Öffnen von Kanalgräben entlang der künftigen ICE-Schnellstrecke zwischen Stuttgart und Ulm. Im harten Kalkgestein der Albhochfläche fräsen sie die Gräben präzise in der Sollbreite und -tiefe. Schon vor Beginn des Einsatzes half den ausführenden Bauunternehmen Stutz und Johann Bunte der Berater und Vermieter BS Baumaschinen Service GmbH mit genauen Angaben zur Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit des Vorhabens. Mit Geschwindigkeiten bis 250 km/h werden Züge auf der schwäbischen Albhochfläche unterwegs sein, wenn die Schnellbahnstrecke Wendlingen–Ulm voraussichtlich Ende 2022 fertiggestellt ist. Zur Erstellung von Untergrund, Unterbau und Nebenanlagen der zukünftigen Trasse auf einem rd.6,5 km langen Teilstück bei Scharenstetten haben die Bauunternehmen Stutz GmbH Tief- und Straßenbau (Kirchheim) und Johann Bunte Bauunternehmung GmbH & Co. KG (Papenburg) eine Arbeitsgemeinschaft (ARGE) gegründet. Dabei treffen sie auf schwierige geologische Bedingungen: Der Untergrund besteht überwiegend aus massivem, hartem Kalkgestein. Zum Erstellen der Kanalgräben für die Sammelleitungen seitlich der Trasse kam die übliche Verwendung einer Kanalfräse nicht infrage, weil dort Böschungsränder nahe des Trassenrandes es nicht erlauben, die Maschine wie üblich mittig über dem Kanalgraben aufzustellen.

Die Lösung des Problems bestand in zwei Kettenfräsen EK 140 des Herstellers Kemroc, die vom süddeutschen Kemroc-Händler BS Baumaschinen Service GmbH geliefert und an großen Hydraulikbaggern von Stutz und Bunte montiert wurden. Die einzigartigen Kettenfräsen der Serie EK (Erkator) gehören zu den innovativen Produkten des Spezialherstellers Kemroc. Ihre technische Besonderheit ist eine patentierte Mittelkette mit Fräsmeißeln zwischen den Schneidköpfen. Sie wurden speziell zum Abbau von weichen bis mittelharten Gesteinen sowie zum Herstellen von Gräben entwickelt. In mehreren Größen für Bagger von 10 bis 50 t verfügbar, öffnen sie schmale, tiefe Gräben in Gesteinen bis 100 MPa Druckfestigkeit. Bei einem üblichen Einsatz im Grabenbau positioniert der Maschinist seinen Bagger mit dem Laufwerk links und rechts vom Graben und fräst mittig in Fahrtrichtung. 

Die ARGE Stutz/Bunte verwendet Hydraulikbagger mit Kemroc-Kettenfräsen auf einem Teilstück der künftigen Schnellbahnstrecke Wendlingen-Ulm, um neben der Trasse einen Leitungsgraben im harten Kalkgestein aufzufahren.

Wegen der Böschungen am Trassenrand funktionierte dies jedoch auf der Bahnbaustelle bei Scharenstetten ebenso wenig wie der Einsatz einer Kanalfräse. Aber eine weitere Besonderheit der Kemroc-Kettenfräsen machte den Einsatz trotzdem möglich: Optional können die Anbaugeräte mit einer Dreheinrichtung in Sandwichbauweise ausgerüstet werden. Bei der ARGE Stutz/Bunte erwies sich die mechanische Variante als die richtige Lösung; dabei lässt sich das Anbaugerät in Schritten von 22,5° verdrehen und im passenden Anstellwinkel am Löffelstiel fixieren. So kann die Kettenfräse aus der Flucht des Baggerauslegers heraus arbeiten und sogar seitlich vom Raupenlaufwerk, also neben dem künftigen Graben, in der Arbeitsrichtung angesetzt und betrieben werden.

Nach dem Beginn des Fräseinsatzes im Dezember 2016 war die Arbeit im April 2018 etwa zur Hälfte fortgeschritten. Ein Zwischenresümee des Bauoberleiters Klaus Pretsch: "Das Auffahren des Leitungsgrabens per Kettenfräse hat sich gegenüber denkbaren Alternativen, nämlich Hammereinsatz oder Sprengung, eindeutig als die bessere Lösung gezeigt. Sie erzeugt eine saubere Grabenwandung bei schnellem Fräsfortschritt. Unter den gegebenen Umständen ist für uns der Grabenbau per Kettenfräse ein praktikables, wirtschaftliches Verfahren."

Ein Erfolgsfaktor bestand für den Bauoberleiter auch darin, die Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit eines Fräseinsatzes bereits vorher genau zu kennen, belastbare Kenngrößen in Kalkulation und Angebot einzurechnen sowie die Transportlogistik auf die Art und Menge des Abtragmaterials einzustellen. Dabei nahm der Lieferant und Betreuer BS Baumaschinen Service GmbH eine Schlüsselrolle ein.

Als langjähriger Spezialist für Anbaufräsen verfügt das Unternehmen aus Inzigkofen über Einsatzerfahrungen aus vielen verschiedenen Projekten. Daher kann BS Baumaschinen seinen Kunden auch mit individueller Beratung rund um Spezialfräsen weiterhelfen, wie der Vertriebsexperte Bertram Zebrowski betont: "Wir bieten unseren Kunden an, direkt am Einsatzort eine belastbare Machbarkeits- und Wirtschaftlichkeitsanalyse durchzuführen. Damit erhält der Kunde eine griffige Kenngröße für die Kalkulation und das Angebot sowie für die Planung und Ausführung."

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 21/2018.

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