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IFAT-Absage

"Der Großteil wollte pausieren"

Stefan Rummel ist Geschäftsführer der Messe München.

Zunächst wurde die IFAT vom Mai auf den September verschoben – kürzlich hat die Messe München auch den neuen Termin abgesagt. Die Corona-Krise habe die Branche schnell und hart getroffen, sagt Stefan Rummel, Geschäftsführer der Messe München. Er rechnet im schlimmsten Fall mit einem Totalausfall beim Umsatz im Jahr 2020.

ABZ: Welche Rückmeldungen erhalten Sie von Ausstellern und Besuchern auf die Absage der IFAT?

Rummel: Wir stoßen auf viel Verständnis. Der Großteil begrüßt die Entscheidung angesichts der Umstände und ist dankbar für die Planbarkeit, die damit gewährleistet ist.

ABZ: Wie hoch war der Anmeldestand vor der Absage?

Rummel: Wir standen mit rund 3300 Ausstellern vor einer Rekordzahl und hatten nur wenige Absagen. In den Gesprächen wurde aber klar, dass die Unsicherheit laufend gewachsen ist. Deshalb haben wir eine Umfrage unter allen Ausstellern gemacht, wie sie die Perspektiven für eine IFAT 2020 bewerten. Das Meinungsbild war deutlich: Der Großteil wollte pausieren. Also haben wir die Entscheidung zu einem Zeitpunkt gefällt, der für alle Beteiligten unternehmerisch sinnvoll ist.

ABZ: Wie viele der ursprünglich für Mai angemeldeten Aussteller sind bei dem Termin im September dabeigeblieben?

Rummel: Es sind offiziell so gut wie alle dabeigeblieben, unsere Kunden waren zunächst froh über die Alternative. Die Verschiebung war zu dem Zeitpunkt im Mai die beste Option.

ABZ: Wie ist die rechtliche Situation, müssen angemeldete Aussteller ihre Standflächen trotz der Absage bezahlen?

Rummel: Nein, die Messe München erstattet den Rechnungsbetrag der Zulassung vollständig zurück.

ABZ: Wie wirkt sich dieses „verlorene Jahr“ insgesamt auf ihr Geschäft aus?

Rummel: Die Corona-Krise hat unsere Branche als erste schnell und hart getroffen, so wie auch alle anderen Veranstaltungen, wo viele Menschen persönlich zusammenkommen. Wir müssen im schlimmsten Fall mit einem Totalausfall beim Umsatz im Jahr 2020 rechnen. Aktuell suchen wir aber Wege, wie wir Veranstaltungen wieder sicher für alle Teilnehmer durchführen können. Wir sind in der aktuellen Diskussion insgesamt der Ansicht, dass wir eine stärkere Differenzierung beim Thema Veranstaltungen brauchen. Fachmessen im B2B Bereich unterscheiden sich bei den Möglichkeiten, eine Veranstaltung infektionssicher auf den Weg zu bringen, deutlich von einem Rockkonzert oder dem Oktoberfest.

ABZ: Sie wollen die Plattform IFAT weiterentwickeln und digital ergänzen, um der Umweltbranche wieder neuen Schwung zu geben – am Heimatstandort München und auch international – Was ist damit konkret gemeint?

Rummel: Die IFAT besteht zunächst einmal aus einem einmaligen Messenetzwerk mit zahlreichen Spin-offs in China, Indien, der Türkei und Südafrika, so dass wir neben Europa zu jedem dieser Märkte Inhalte über die jeweilige Situation im Umwelttechnologie-Bereich haben. Diesen Vorteil wollen wir nutzen. Unser Ziel ist es, ein digitales Angebot zu schaffen, das von München aus relevante Inhalte der Branche in der ganzen Welt zur Verfügung stellt. Wie das genau aussehen wird, daran arbeiten wird gerade.

ABZ: Welche Sicherheitsvorkehrungen sind denkbar, damit Messen künftig weiter stattfinden können?

Rummel: Deutsche Messestandorte zeichnen sich bereits heute über eine hervorragende Infrastruktur aus, die höchste Hygienestandards gewährleistet und speziell auf die aktuelle Situation weiter verbessert ausgebaut werden kann. Um Messen sicher durchführen zu können, denken wir über veränderte Aufplanungen und die Steuerung der Besucher innerhalb der Hallen nach. Ziel ist es, die notwendigen Abstände zu gewährleisten und so die Sicherheit zu erhöhen. Auch die Bereitstellung von Masken bzw. Maskenpflicht, die Vermeidung von Barzahlung auf dem Messegelände durch Einsatz von Kartenterminals oder andere Maßnahmen zur Sicherung der Hygienestandards sind Maßnahmen, die wir angehen würden.

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