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Im Flüssigbodenverfahren

Versorgungsleitungen schwimmend verlegt

Bei der Erschließung des Baugebietes "Pfaffeneger West" in Kehl-Bodersweier wird RSS-Flüssigboden eingesetzt.

Kehl-Bodersweier (ABZ). – Im "Pfaffeneger West" in Kehl-Bodersweier entstehen neue Wohngebäude. Das Baugebiet wird momentan weiter erschlossen. Laut dem Forschungsinstitut für Flüssigboden Leipzig (FiFB) sollen die Bauarbeiten im Mai 2021 abgeschlossen sein. Zuletzt wurde die unterirdische Infrastruktur, also Wasser- und Abwasser- sowie weitere Versorgungsleitungen, umgesetzt. Allerdings sei der hohe Grundwasserpegel auf dem Bebauungsareal problematisch, so das FiFB. Zwei Spatenstiche würden ausreichen, um Wasser schöpfen zu können. Traditionell setzen Bauarbeiter in solchen Fällen wasserdichte Spundwände ein. Diese halten das von der Seite nachlaufende Grundwasser zurück, nicht jedoch das von unten kommende. Zumindest, wenn es keine dichten Bodenschichten gibt, in welche die Spundwände einbinden können. Sind die Wände in den Boden gerammt, muss das Wasser im Graben bis etwa einen halben Meter unter der Grabensohle abgepumpt werden. Die Leitungen können so im Trockenen verlegt und das Verfüll-Material verdichtet werden. Risikoreich bei dieser traditionellen Bauweise sei das Absaugen der Feinkornbestandteile im Baugrund. Dadurch könnten spätere Setzungen passieren. Im Extremfall würden dann Gebäude gänzlich absacken – so wie es beim Kölner Museum passiert ist. Alternativ könnten Verantwortliche wasserdichte Bodenplatten aus Beton herstellen. Dabei müssten die Spundwände dann allerdings größtenteils mit dem Schweißbrenner abgebrannt werden. Reste würden im Boden zurückbleiben. Beide Bauweisen seien dem FiFB zufolge vergleichsweise teuer und würden außerdem lange Arbeitszeiten bedeuten. Als Lösungsmöglichkeit bietet sich das RSS-Flüssigbodenverfahren an. Die Lorenz Burgert GmbH setzte es in "Pfaffeneger West" um.

Das Bauunternehmen arbeitete mit der "Schwimmenden Verlegung" und der "Holländischen Bauweise". Beides sind ingenieurtechnische Lösungen, die vom FiFB entwickelt und zusammen mit dem Fachplanungsbüro für Flüssigbodenanwendungen LOGIC Logistic Engineering GmbH aus Leipzig erprobt wurden. Das Verfahren ist praxistauglich und für Ingenieure gut planbar, so die verantwortlichen Institutionen. Für die Umsetzung des Bauvorhabens bekam die Firma Burgert Unterstützung von den ingenieurtechnischen Projektplanern der Zink Ingenieure GmbH und des Ingenieurbüros Logic. Um Flüssigboden herstellen und einbauen zu können, war es nötig, dass sich Burgert über die zwei oben genannten Bauweisen informiert. Basiswissen war dabei die Gütesicherung, genauer eine Zertifizierung gemäß RAL Gütezeichen 507.

Auch ein Informationstag zum Flüssigbodenverfahren richtete das Bauunternehmen auf der Baustelle in Kehl-Bodersweier aus. Dabei ging es hauptsächlich um die "Schwimmende Verlegung". Der ausgehobene Rohrgraben war vollgelaufen mit Grundwasser. Zuerst senkten die Arbeiter ein geeignetes Rohr ab. Dann bauten sie den RSS-Flüssigboden im Kontraktor-Verfahren unter Wasser ein. Die verwendeten Rohre haben die Umsetzer im Vorhinein im Graben mithilfe von RSS-Rohrverlegehilfen aufgehängt. Dadurch konnte der Flüssigboden die Rohre vollumfänglich und schwindungsfrei umhüllen. Die Beteiligten verlegten in diesem Verfahren ein 180-Grad-Auflager ohne Zwickel- und Setzungsprobleme. Es sei für die Umsetzter vorteilhaft gewesen, dass die RSS-Rohrverlegehilfen auch als Messmittel fungierten. Damit konnte die "Schwimmende Verlegung" präzise und schnell ausgeführt werden, so das FiFB.

Dem Institut zufolge habe der RSS-Flüssigboden bei genauer Planung weitere Vorteile. Er wird aus dem Grabenaushub vor Ort hergestellt und ist selbstverdichtend. So müssten keine Rüttelplatten eingesetzt werden, die Risse in Häusern verursachen könnten, da RSS-Flüssigboden selbstverdichtend ist. Ebenso sei es ein großer und auch umweltfreundlicher Vorteil, dass das Kreislaufwirtschaftsgesetz vollständig erfüllt werde, wenn Bauunternehmen das Flüssigbodenverfahren einsetzen. Dem Gesetz zufolge müssen mineralische Abfälle seit dem 1. Januar diesen Jahres zu mindestens 70 % wiederverwendet werden.

Zudem werde durch diese Variante schadhafter CO2-Ausstoß auf drei Ebenen vermieden. Denn bereits die Entsorgung der Aushubmassen entfällt, ebenso wie Transport- oder Deponiekosten und -aufwand. Außerdem muss kein Aushubmaterial neu gewonnen werden. Diese Faktoren würden den CO2-Ausstoß laut FiFB schon deutlich reduzieren. Mit der Flüssigboden-Bauweise ließe sich eine deutlich längere ausfallfreie Nutzungsdauer für Straßen realisieren. Deutlich weniger Reparaturen würden anfallen, wenn mehr Projekte in Flüssigbodenbauweise umgesetzt werden würden.

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