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Im Münchener Süden

Mehrfamilienhaus in Passivhaus-Bauweise erstellt

Mauerwerksbau, Dämmstoffe

Passivhausstandard in monolithischer Ziegelbauweise: Möglich machen es eine entsprechende Planung, die Vermeidung von Wärmebrücken sowie der Passivhaus-zertifizierte Mauerziegel "Unipor W07 Coriso".

MÜNCHEN (ABZ). - Mehrfamilienobjekte nach Passivhaus-Standard errichten – und das ohne Wärmedämm-Verbundsystem: Möglich macht es der Hochwärmedämmende "Unipor W07 Coriso"-Planziegel. Das zeigt das Beispiel eines neu errichteten Mehrfamilienhauses im Münchener Süden. Hier trägt der vom Passivhaus-Institut in Darmstadt zertifizierte Coriso-Mauerziegel dank seiner integrierten Dämmstoff-Füllung entscheidend zum hohen baulichen Wärmeschutz der Gebäudehülle bei. Bauherren und Planer überzeugten zudem die weiteren bauphysikalischen Pluspunkte des gefüllten Mauerziegels, wie seine hohe Wärmespeicherung und die Fähigkeit, Raumfeuchte auszugleichen. Auch der gewährleistete Luftschallschutz ist hoch: Nach Fertigstellung durchgeführte Schallschutzmessungen zeigen, dass in allen Gebäudebereichen der erhöhte Luftschallschutz nach Beiblatt 2 der DIN 4109 (R'w >55 dB) realisiert wurde. Die Oppenrieder Straße im Münchener Stadtteil Fürstenried-Forstenried wird vorrangig durch Wohnhäuser des 20. Jahrhunderts geprägt. Architekt Wolfgang Blanke und Innenarchitekt Niels Hauch planten gemeinsam das dreigeschossige Mehrfamilienhaus mit jeweils einer Wohneinheit pro Geschoss. Dabei orientierten sie sich städtebaulich an den Gebäudeformen der Nachbarbebauung, ohne auf Stilmittel der modernen Architektur zu verzichten, wie die Fensteranordnung und Fassadengestaltung zeigen.

Die Bauherrengemeinschaft forderte ein Objekt nach Passivhausstandard. Deshalb wurde ein aus energetischer Sicht möglichst günstiges Verhältnis von Nutzfläche zur Fläche der Wärme übertragenden Gebäudehülle angestrebt. Daraus ergab sich ein kompakter Baukörper, der zudem die für ein Passivhaus typische Verteilung von Fensterflächen aufweist. Während der Entwurf zur Südseite große, bis zum Boden reichende Fenster vorsah, wurde der Fensterflächenanteil zum Norden bewusst klein gehalten, um den Wärmeverlust möglichst gering zu halten. Auch bei der Planung der Balkone wurden, neben optischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten, wärmeschutztechnische Aspekte bedacht. Die thermische Trennung der vorgestellten Balkonkonstruktion bewirkt eine wärmeschutztechnische Optimierung des Balkonanschlusses.

Die Maximierung von Wohn- und Nutzfläche stand bei der Entwicklung der Grundrisse im Vordergrund. In individueller Abstimmung mit den Bauherren wurde bei allen drei Wohnungen eine moderne offene Bauweise mit geringem Trennwandanteil verfolgt. Eine komplette Unterkellerung des Gebäudes vergrößert die Nutzfläche zusätzlich. Große Kellerfenster sorgen in Kombination mit Lichtschächten und -gräben für die geforderte hohe Tageslichtdurchflutung der Kellerräume.

Die Bauherren wünschten sich eine dauerhaft werterhaltende Passivhaus-Bauweise ohne ausführungsempfindliches Wärmedämm-Verbundsystem (WDVS). "Damit war praktisch eine massive monolithische Bauweise mit einem hochwärmedämmenden Wandbaustoff schon vorgegeben", erklärt Niels Hauch. Er war als zertifizierter Passivhausplaner neben dem Entwurf vor allem für die Passivhaus-Projektierung des zu errichtenden Gebäudes zuständig. Bei der Recherche nach einem geeigneten Wandbaustoff stieß Hauch auf den von der Unipor-Gruppe in Zusammenarbeit mit dem Passivhausinstitut in Darmstadt entwickelten Wärmebrückenkatalog und damit auf den zertifizierten "Unipor W07 Coriso"-Mauerziegel. Das 49 cm dicke Coriso Außenmauerwerk erzielt beidseitig verputzt einen Wärmedurchgangswert von nur 0,14 W/(m²K) und erfüllt damit den für ein Passivhaus geforderten baulichen Wärmeschutz von maximal 0,15 W/(m²K). Eine zulässige Druckspannung des Mauerziegels von 0,8 MN/m² gewährleistet aus statischer Sicht eine ausreichende Tragfähigkeit.

Die für einen Wandbaustoff sehr geringe Wärmeleitfähigkeit (?=0,07 W/(mK)) erzielt der Passivhausziegel durch ein ausgefeiltes Lochbild und seine integrierte hochwärmedämmende Coriso-Dämmstoff-Füllung (?=0,04 W/(mK)). Der Einsatz des Ziegels ist seit November 2008 durch die bauaufsichtliche Zulassung Z-17.1-935 baurechtlich abgesichert. Seitdem hat er sich in der Praxis schon bei zahlreichen Passivhäusern bewährt.

Die mit dem Rohbau beauftragte Bauunternehmung Hans Greimel GmbH & Co. KG (Herrsching/ Breitbrunn) nutzte bei der deckelnden Vermörtelung in Dünnbettmörtel das vom Ziegelhersteller Hörl & Hartmann Ziegeltechnik (Dachau) zur Verfügung gestellte Unipor-Mauertec-System. Das optimal aufeinander abgestimmte System aus Mörtelschlitten, Rührgerät und systemgerechten Dünnbettmörtel sorgt gegenüber herkömmlich erstellten Mauerwerk für eine Reduzierung der Verlegezeit um rund 30 %. Der Coriso-Ziegel im 16-DF-Format (247/490/249) unterscheidet sich ansonsten in der Verarbeitung nicht von herkömmlichen Unipor-Planziegeln. Dank seiner Verzahnung kann auf eine Stoßfugenvermörtelung verzichtet werden. Zudem lässt er sich trotz der integrierten Dämmstoff-Füllung problemlos zuschneiden, dübeln oder mit Schlitzen versehen. Innenarchitekt Hauch ist mit der Qualität des Mauerwerks sehr zufrieden. Aufgrund der homogenen Oberfläche konnte das Mauerwerk außen ohne weitere Ausgleichsarbeiten zügig mit einem Faserleichtputz versehen werden. Die beidseitige Verputzung der Gebäudehülle gewährleistet die erforderliche hohe Luftdichte.

Eine besondere Herausforderung stellte angesichts des hohen baulichen Wärmeschutzes die Minimierung von Heizenergie zehrenden Wärmebrücken dar. "Sorgfalt in der Detailplanung war hier oberstes Gebot. Die im mitgelieferten Unipor-Wärmebrückenkatalog empfohlenen Lösungen wurden in enger Absprache mit der Bauberatung der Ziegelwerke Hörl und Hartmann an die objektspezifischen Anforderungen angepasst. Aus der Zusammenarbeit mit Dr. Wolfgang Rath, dem zuständigen Bauberater, entstanden auch zahlreiche Detail-Lösungen, die den Wärmeschutz weiter optimieren", so Hauch. Unter anderem wurden Coriso-Außenwandziegel als Anschlagziegel zurechtgeschnitten, um als Fensterlaibung zu fungieren. Zudem kamen verschiedene Rohbaukomponenten aus dem Hörl & Hartmann-Liefersortiment zum Einsatz, darunter Ziegelblenden, U-Schalen sowie zusätzliche Dämmstoffeinlagen. Mithilfe dieser Sonderprodukte konnten trotz geschosshoher Balkontüren die konstruktiven und wärmetechnischen Anforderungen an die Deckenstirndämmung erfüllt werden.

Gerade im Mehrfamilienhausbau ist Schallschutz ein zentrales Thema. Um entspanntes, ruhiges Wohnen zu garantieren, wurde für das Objekt der erhöhte Luftschallschutz nach Beiblatt 2 der DIN 4109 angestrebt (R'w >55 dB). Da jede Etage nur über eine Wohneinheit verfügt, reichte eine vertikale Bewertung über die trennenden Decken und flankierende Wände aus.

Die durchgeführten rechnerischen Prognosen zum Luftschallschutz erfolgten gemäß der bauaufsichtlichen Zulassung Z-23.22-1787, die für wärmedämmende, einschalige Außenwände aus Hochlochziegeln gilt. Das in der Zulassung beschriebene Rechenverfahren basiert dabei auf dem vereinfachten Rechenmodell der DIN EN 12354-1 und ist Grundlage der neuen DIN 4109. Sie berücksichtigt differenziert alle Schallnebenwege im Gebäude und ermöglichte so eine zuverlässige Ermittlung der Luftschalldämmung schon während der Planungsphase. Nach Fertigstellung des Gebäudes wurden Schallschutzmessungen durchgeführt. Diese bestätigen die rechnerischen Prognosen, wonach das bewertete Schalldämm-Maß R'w über den geforderten 55 dB lag.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 08/2015.

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