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In Fußgängerzone

Pflasterklinker setzen Akzente

Wienerberger, Wege, Pflasterverlegung

Die mit 71 mm besonders dicken Wienerberger Pflasterriegel wurden durch das Uelzener Straßenbauunternehmen Siebenbrodt im Fischgrätverband verlegt.

Hamburg (ABZ). – Im Jahr 2009, als ein großer schwedischer Konzern als Investor für sein bundesweit erstes innerstädtisches Möbelhaus in Hamburg-Altona in Erscheinung trat, mussten nicht nur alte unansehnliche Gebäude dem neuen Projekt weichen. Auch Infrastrukturen wie Straßen, Fußgängerunterführungen, Treppen und Wege wurden auf Eignung geprüft, rechneten doch Experten mit einer Verdoppelung der täglichen Passantenzahl auf etwa 50 000.

Der Bezirk Altona lobte daher 2011 einen Wettbewerb zur Umgestaltung der Unterführung am Paul-Nevermann-Platz aus, die vom Bahnhof Altona in die benachbarte Fußgängerzone an der Neuen Großen Bergstraße führt. Sie ist Hamburgs älteste Fußgängerzone. 1966 eröffnet, hatten die Zeichen der Zeit sichtbare Spuren hinterlassen. Zentrale Aufgaben waren deshalb die gestalterische und funktionale Aufwertung – u. a. mit neuen Rampen und breiteren Treppenanlagen – sowie die sichere Querung der Max-Brauer-Allee, einer vielbefahrenen Magistrale.

Das renommierte Hamburger Büro arbos Freiraumplanung entschied den zweistufigen Wettbewerb im Oktober 2011 für sich. Projektleiter Christian Wagner betont zwei Zielrichtungen im Entwurf: "Es ging darum, die Flächen aufzuwerten und sicherer zu gestalten. Ein wilder Wochenmarkt und der schlechte Zustand der Unterführung sowie der Beleuchtungssituation sorgten dafür, dass der Bereich bei Teilen der Bevölkerung als Angstraum wahrgenommen wurde. Da gebrannter Ton das prägende Material für Hamburg ist, setzten wir beim Bodenbelag bewusst auf Pflasterklinker." Um hier künftig mehr Sicherheit, Attraktivität und Orientierung zu gewährleisten, entschied sich das Hamburger Büro Renner Hainke Wirth Architekten (RHW) für eine messingfarbene hinterleuchtete Lamellenwand aus Stahlblechen. Sie symbolisiert den Verlauf von Hamburgs "Lebensader", der Elbe.

Beim Bodenbelag fällt sofort die ungewohnt farbenfrohe Gestaltung ins Auge. Auf mehr als 1400 m² kamen sechs Pflasterklinker von Wienerberger zum Einsatz. Verlegt wurden die Klinker Titan, Schwarzbraun Kohlebrand, Rotblaubunt Kohlebrand, Penter Blue, Köln sowie Penter Gelbbunt Kohlebrand. "Wir wollten bei der Pflasterung in allen Planungsstufen einen Farbverlauf von dunklen Tönen in der Unterführung zum hellen Belag am Ende der Fußgängerrampe erzeugen. Anfangs sollten nur Anthrazit und Hellgrau zum Einsatz kommen, doch das war uns zu wenig lebendig. In Übereinstimmung mit dem Bezirksamt entstand die Idee, mit fünf Farben zu arbeiten. Daraus wurden im späteren Planungsverlauf mit dem Titan in Braun-anthrazit sogar sechs Töne, resümiert Christan Wagner.

Neben den passenden Farben waren die Planer von arbos auf der Suche nach einem länglichen Klinkerformat, welches flach verlegt werden kann. In intensiven Gesprächen mit Rainer Barz, Verkaufsleiter Freiflächen und dem Produktmanagement von Wienerberger, wurde für diese Ansprüche ein Pflasterriegel im Format 240 x 78 x 71 mm als Sonderanfertigung entwickelt. Die Klinker wurden im Fischgrätverband verlegt. Neben der optisch überaus attraktiven Wirkung garantiert dies hohe Verschiebesicherheit, die für derart große Flächen besonders wichtig ist, vor allem wenn auch Steigungsstrecken wie die Fußgängerrampe zu überwinden sind.

Die Mischung der sechs farblich unterschiedlichen Pflasterklinkersorten erfolgte vor Ort durch die Verarbeiter des Straßenbauunternehmens Siebenbrodt. Prägendes Element ist gemäß der Planung von arbos der blauschwarze Penter Blue, der fast die Hälfte der Gesamtfläche einnimmt; die anderen fünf Farben wurden etwa in gleichen Anteilen verlegt. Klare Vorgabe war es, die Pflasterung so zu gestalten, dass ein deutlich sichtbarer Verlauf von dunklen Tönen in der Unterführung zu einem helleren Belag am Bahnhof bzw. der Fußgängerzone in der Neuen Großen Bergstraße entsteht. "Dafür haben wir bewusst eine 'freihändige Mischung' in Auftrag gegeben. Es gab planungsseitig keinen exakten Verlegeplan für die einzelnen Klinker. Die Verarbeiter haben sehr gut gearbeitet, das Ergebnis kann sich sehen lassen", meint Christian Wagner.

Fred Hilmer, Bauleiter der Firma Siebenbrodt und seine Kollegen, waren für die komplette Bauausführung aus einer Hand verantwortlich. Dazu gehörten neben der Pflasterung auch Abbrucharbeiten im Vorfeld sowie der Hochbau: "Dank termintreuer Lieferung und durchgehend hoher Qualität bei Produkten und Farben konnte das Projekt pünktlich und ohne Beanstandungen abgeschlossen werden."

Unterhalb des Paul-Nevermann-Platzes verläuft der Schellfischtunnel, der den Altonaer Bahnhof mit dem Fischereihafen an der Elbe verbindet. Durch diese unterirdische Anlage kommt es zu Höhenunterschieden, welche vor Ort deutlich wahrnehmbar sind. An dieser Stelle, auf dem Dach des alten, nicht mehr genutzten Tunnels, musste deshalb in gebundener Bauweise gepflastert werden.

Die Produktvorteile des lebenslang farbechten und nahezu unzerstörbaren Pflasterklinkers zeigten sich auch vor Ort. Bereits zur Eröffnung in den sechziger Jahren war die Unterführung mit klassisch roten Penter Klinkern, einer Marke von Wienerberger, gepflastert worden. Auch nach Jahrzehnten der Nutzung konnten sie auf Grund der ungebundenen Bauweise einfach aufgenommen und oberhalb der Unterführung neu verlegt werden. Statt unansehnlich gewordener Betonplatten tragen sie so ebenfalls zur Aufwertung des öffentlichen Raumes bei.

Dank der guten Zusammenarbeit von Planern, Verarbeitern und Kommune konnte das Projekt pünktlich im Juni 2014 übergeben werden. Für Rainer Barz sind individuelle Beratung und aktiver Dialog mit dem Kunden der Schlüssel zum Gelingen derart anspruchsvoller Gestaltungen: "Gerade hier geht es in besonderer Weise um Qualität und Identität. Wir haben uns sehr darüber gefreut, dass der Bezirk eine benachbarte Baumaßnahme in Altona ebenfalls in der farbenfrohen Verlegung in Auftrag gegeben hat. Fast 3000 weitere m² wurden mit den sechs Sorten gepflastert. Auch in anderen Städten hat das Projekt Max-Brauer-Allee bereits Folgeaufträge ausgelöst. Mit der Farbvielfalt haben wir anscheinend einen Nerv der Planer getroffen. Vielleicht wird das ein neuer Trend."

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