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Innenputz auf Kalkbasis

Denkmalschutz und Energieeffizienz verbunden

Sockel, Hauseingangstüre und ein paar Kleinigkeiten fehlen dem Haus 10 noch. Die Qualität der Fassade zeigt sich jedoch bereits.

Freising (ABZ). – Eine architektonische Gratwanderung war die Sanierung zweier Altstadthäuser in Freising. Wegen des Denkmalschutzes kam nur eine Innendämmung in Frage. Knapp 200 m lang ist die Luckengasse in Freising. Im Rücken der ein- bis zweigeschossigen Häuser erhebt sich der mächtige Domberg mit dem Dom St. Maria und St. Korbinian, dessen weithin sichtbare, markant rechteckige Zwillingstürme zum Wahrzeichen der Stadt Freising geworden sind. Die Lage hat auch Nachteile: In der Luckengasse sitzen die jahrhundertealten Ziegel der Häuser auf einem nassen, fast sumpfigen Grund. Diese Feuchte sowie der lange Schatten des Dombergs nagen tagtäglich an der Bausubstanz. Mit dem Erwerb zweier Altstadthäuser in dieser Straße wussten Architekt Volker und seine Frau Heidi Herzog, worauf sie sich einließen. Insbesondere Nummer 10 aus dem Jahr 1689 war in einem schlechten Zustand.

Der Dachstuhl des ehemaligen Domherrenhauses war nicht mehr tragfähig, es regnete hinein. Im Erdgeschoss war das 60 cm starke Außenmauerwerk aus Ziegeln stark durchfeuchtet. Und auch der Rest war stark renovierungsbedürftig. Den Dachstuhl abzureißen wäre die wirtschaftlichste Lösung gewesen, doch Haus Nummer 10 steht unter Denkmalschutz. Auch wenn es anders gewesen wäre, hätte der Architekt sich diese Lösung nicht vorstellen können. Stattdessen ließ er Verfaultes entfernen und tragfähiges Gebälk fachmännisch mit Gerberstoß sowie kräftigen Holznägeln verlängern. Seitlich der längslaufenden Stuhlrähme sitzen nun kräftige U-Profile aus Stahl, die das zusätzlich aufgebrachte Gewicht der neuen Aufsparrendämmung übernehmen.

Zusammen mit den großflächig eingesetzten Glasscheiben entstand so ein durchgängiges, großzügiges und lichtdurchflutetes Dachgeschoss, ein Neben- und Miteinander von alten und neuen Sparren, Kehlbalken oder Pfetten sowie Stahlträgern. Zwischen den Sparren wurden Fermacell-Platten eingesetzt, die raumseitig zweifach mit dem bereits gebrauchsfertig angesetzten pastösen "Kalkspachtel Hasit PF 870 Manteca" verspachtelt wurden. Dieser besteht vorwiegend aus Kalk und Marmormehl und entspricht in vieler Hinsicht den historischen Vorbildern sowie den Grundbestandteilen des neuen Innenputzes.

Das bis zu 60 cm dicke Außenmauerwerk ist an heißen Tagen ein Pufferspeicher, der die hohen Temperaturspitzen zuverlässig abfängt. Im Winter wird es zum Energiefresser. Ohne Dämmung sind diese Häuser nach heutigen Maßstäben nicht bewohnbar und als Sanierung auch nicht genehmigungsfähig – eine architektonische Gratwanderung zwischen Ästhetik, Denkmalschutz sowie energetischen Anforderungen. Legt man das bauphysikalische Risiko zu Grunde, tendiert ein Fachmann zur Außendämmung. Doch wegen des Denkmalschutzes bleibt nur die Innendämmung, und diese verdeckt zwangsläufig das liebgewonnene historische Mauerwerk. Mit vorgesetzter Dämmschale bzw. Wärmedämmputze stehen zwei Systeme zur Auswahl. Vorgesetzte Schalen begradigen und zerstören zwangsläufig jedes historische Mauerwerk in seiner Oberflächenhaptik, zudem basieren sie bauphysikalisch oft auf einer innenliegenden Dampfsperre als Kondensationsebene. Beides wollten weder Denkmalschutz noch Architekt, sie suchten statt dessen einen hochwärmedämmenden, diffusionsoffen Innenputz, der nach den Vorgaben des Denkmalsschutzes zudem auf Kalk basieren musste. Diese komplexen Anforderungen erfüllt Herstellerangaben zufolge derzeit nur der "Fixit 222 Aerogel" von Hasit. Als Dämmputz kombiniere er die positiven Eigenschaften von mineralischen Kalkputzen mit den Vorteilen eines leistungsstarken Dämmputzes, so das Unternehmen. Über eingearbeitete Aerogele erreiche er eine Mikrozellstruktur, die einen Wärmedämmwert von ? D 0,028 W/mK ermögliche. Stelle man diese Wärmeleitzahl den ?D 0,035 W/mK einer marktüblichen Wärmedämmplatte gegenüber, erkenne man die Leistungsfähigkeit dieses Putzes.

Durch den 250er-Renovierputz zeichnet sich die Struktur der Schilfmatten ab.

Als Alternative hätte der Bauherr sich zwischen 16 bis 18 cm Dämmplatte bzw. einem Hochleistungsdämmputz der Stärke 6 bis 10 cm entscheiden können. Der geringere Verlust an Wohnfläche gegenüber der anderen Variante zeigt, dass sich solch ein Hochleistungsdämmputz rechnet – zumindest für München und Umgebung. Rechnet man die Kosten für den bei einer herkömmlichen Dämmung erforderlichen Ausgleich des Untergrundes hinzu, ist der Wärmedämmputz die wirtschaftlichere Lösung.

Wärmeleitzahlen, Diffusionsoffenheit sowie Bauphysik sind wichtige Argumente, doch für Volker Herzog gibt es noch weitere. Mit Putz kann man die Architektur der Innenwände nachzeichnen, Löcher, Ecken oder einen Mauerversatz ausgleichen oder belassen. Er bietet viel mehr gestalterische Möglichkeiten als vorgesetzte Dämmsysteme. Durch die geringe Schichtstärke bleibt die Charakteristik des Gebäudes erhalten. Zudem kann der Fixit 222 mit jedem Sanierungsputz, Kalkputz und sehr vielen Endputzen kombiniert werden. Damit ergibt sich die Möglichkeit, historische Gebäude auf einen aktuellen energetischen Energiestandard zu bringen, ohne ihre Optik zu verändern. Bei Haus Nummer 10 wurden alle Außenwände einschließlich der Fensterlaibungen innen mit dem Aerogel-Dämmputz versehen. Da der Untergrund nur teilweise ausreichend putzanhaftend war, aber dem Bestandsschutz unterlag, wurden vor dem Verputzen allen Außenwänden Stroh- bzw. Schilfmatten als Trägermaterial aufgesetzt. Als Abschluss folgten zwei Spachtelungen mit dem Kalkspachtel Manteca, wobei in die erste Spachtelung auf Anraten von Hasit ein Gewebe eingearbeitet wurde. In seiner Gesamtheit zeichnet sich das knapp unter 80 cm starke Außenmauerwerk so durch eine hohe Dampfdiffusionsoffenheit aus, das durch seine hocheffiziente Feuchteaufnahme und -abgabe zuverlässig die Entstehung von Kondensationsfeuchte auf den Innenwänden verhindert.

Den Fenstern setzte der Architekt innen schlichte Holzfenster mit Treibriegelverschluss vor. So entstanden traditionelle Kastenfenster, die sich mit ihren Sprossen harmonisch in die historische Fassade einfügen.

Für das Verputzen der restlichen Innenwände blieb man im System von Hasit, das mit "Reno-Putze" ein komplettes mineralisches kalkgebundenes Sortiment an Renovierungsputzen aufgebaut hat. Der verwendete "250 Renoplus" schließt nahtlos an die Außenwände an. Durch Putzstärken von 3 bis 30 mm können Arbeiter mit ihm Unebenheiten einfach ausgleichen und verbliebene denkmalgeschützte Restputzflächen überdecken. Zwei Spachtelungen Manteca mit Gewebeeinlage bilden den Abschluss.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 27/2019.

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