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Innovative Technologie

Serielle Wandproduktion direkt auf der Baustelle

Von Natali Dilmann

Diplom-Bauingenieur Eckhard Struß, Geschäftsführer der Baufirma "nobis living" mit Firmensitz in Hemmingen bei Hannover.

Hemmingen. – Mit dem sogenannten "WandModulToaster" (WMT) hat das Unternehmen "nobis living" aus Hemmingen nach eigenen Angaben das erste mobile Fertigteilwerk für den europäischen und amerikanischen Markt entwickelt. Diese Methode des seriellen und integralen Bauens hilft Geschäftsführer Eckhard Struß zufolge dabei, mit wenigen Facharbeitern Wohnraum in kurzer Zeit herzustellen. Im Jahr 2016 aus der Not heraus entstanden, hat sich der WMT mittlerweile auf mehreren Baustellen bewährt – ein Blick auf die Entstehungsgeschichte dieser disruptiven Hochbautechnologie. Wir schreiben das Jahr 2015. Diplom-Bauingenieur Eckhard Struß hat sich mit seinem Ingenieurbüro "nobis living", welches sich auf den Bau von Einfamilien- und Mehrfamilienhäusern sowie Pflegeheimen und Hotels spezialisiert hat, dazu entschlossen, in Pattensen einen Wohnkomplex mit insgesamt 56 Einheiten zu realisieren. Der Plan: Die Wohnungen sollen mit Betonfertigteilen entstehen, um einen schnellen Baufortschritt gewährleisten zu können. Mitte 2016 sollen die Arbeiten beginnen – doch die Fertigteilwerke in ganz Deutschland machen dem ehrgeizigen Vorhaben des niedersächsischen Unternehmens einen Strich durch die Rechnung. "Kein einziges Fertigteilwerk konnte die benötigten Elemente rechtzeitig liefern", erinnert sich Struß. "Wir hätten bis zu zehn Monate Wartezeit in Kauf nehmen müssen." Für den Ingenieur und gelernten Maurer keine Option. Statt zu warten, wird er selbst aktiv und nimmt eigenes Geld in die Hand, um eine Lösung für das Dilemma zu finden.

Von Januar bis April 2016 setzt sich Struß deshalb mit unterschiedlichen Firmen zusammen und erarbeitet ein Konzept, dass es ermöglicht, Fertigteile direkt vor Ort auf der Baustelle zu produzieren. Als wichtigster Partner kristallisiert sich dabei schließlich das Magdeburger Unternehmen "B.T. innovation GmbH" heraus, mit dem in enger Kooperation eine mobile Wandproduktionsmaschine für den europäischen Markt entwickelt wird. Der "WandModulToaster" ist geboren – und mit ihm die Möglichkeit, den Zeitplan einzuhalten: Innerhalb eines Jahres zieht "nobis living" mit nur sieben Mitarbeitern und mithilfe des WMT 56 Wohnungen hoch.

Zurück in die Zukunft und das Jahr 2019. Mittlerweile hat "nobis living" vier weitere Projekte mithilfe des WMTs abgewickelt. Struß erklärt die Wirkweise seiner Maschine: "Wie der Name WandModulToaster schon sagt, kann man sich die Funktion der Maschine tatsächlich wie die eines Toasters vorstellen, nur dass statt Brotscheiben eben Wandmodule darin hergestellt werden."

Der WMT ist in der Lage, wöchentlich bis zu 450 m² Wandfläche in den benötigten Stärken und Größen direkt vor Ort zu produzieren. Bei den Wandlängen sind dabei laut Struß bis zu 7 m und bei den Wandhöhen bis zu 3 m möglich.

Der WMT belege auf einer Baustelle ca. 150 m², so der Entwickler. Rechnet man Lagerflächen, Büro- und Mannschaftscontainer, Materiallager und Kranaufstellplatz mit ein, seien es ca. 850 m², die benötigt werden – eine Fläche die laut Struß bei Bauvorhaben dieser Größenordnung meist ohne Probleme vorhanden ist. Der WMT kann direkt auf der Baustelle aufgebaut werden. "Der Aufbau als auch der Abbau dauert dabei jeweils drei Tage", so Struß. Wöchentlich könnten so bis zu 45 m² Wandfläche in den benötigten Stärken und Größen direkt vor Ort gleichzeitig produziert werden. "Bei den Wandlängen sind dabei bis zu 7 m und bei den Wandhöhen bis zu 3 m möglich", erläutert er. Die Wandstärken der beidseitig schalungsglatten Wände können flexibel gehalten werden. Sie variieren zwischen 6 und 31 cm.

Bei der Wahl der Baustoffe sind dem WMT-Nutzer mehrere unterschiedliche Möglichkeiten gegeben. So können Wände aus den Materialien Beton C20/25, Leichtbeton C3 und Schaummörtel gefertigt werden. "Dank der Kooperation mit dem Baustoffexperten Hasit können wir mit dem WMT auch bereits erste Schaumbeton- und Hybridwände auf der Baustelle fertigstellen. Der besondere Vorteil von Schaumbeton ist, dass er mit einem Gewicht von 150 kg bis 400 kg/m³ die herkömmliche Styropordämmung als nicht brennbare und recycelbare Außenwanddämmung ersetzt", so Struß. "Wir haben es uns zum Ziel gemacht, ein Bauprojekt in möglichst kurzer Planungszeit und unter Einsatz weniger Arbeitskräfte im Rohbau zu realisieren – mit dem WMT ist uns das gelungen."

Für Struß stellt seine Entwicklung eine attraktive Lösung dar, um möglichst einfach und schnell Wohnraum bereitzustellen. Denn die Situation auf dem deutschen Wohnungsmarkt ist angespannt. Bis zum Jahr 2021 sollen rd. 1,5 Mio. neue Wohnungen entstehen. Derzeit werden aber fast jedes Jahr bis zu 100 000 zu wenig gebaut, um dieses Ziel zu erreichen. Besonders in den Großstädten ist die Nachfrage nach Wohnraum groß.

Der WMT kann direkt auf der Baustelle aufgebaut werden. Das spare nicht nur Transportkosten, sondern auch Zeit, so Struß. Bauplanänderungen können sofort vor Ort umgesetzt werden.

Hier sieht Struß das Bauen in Serie als großen Vorteil, insbesondere wenn die Fertigteile – wie mit dem WMT – zeitnah und flexibel direkt auf der Baustelle hergestellt werden können. Kurzfristige Bauplanänderungen könnten bspw. sofort vor Ort umgesetzt werden, so der Geschäftsführer von "nobis living". "Wir können bis einen Tag vor der Betonage gezielt entscheiden, welche Wände für den nächsten Bereich gebraucht werden, und sie entsprechend herstellen – dazu gehören auch Fenster- und Türschalungen. Alle Aussparungen für Türen und Fenster können flexibel positioniert werden. Hohe Kosten für eine nachträgliche Anpassung entfallen dadurch. Die Fenster- und Türschalungen werden mit Magnettechnik montiert. Abgesehen davon könne mit dem WMT quasi das ganze Jahr über produziert werden. "Wir sind nicht auf die Gut-Wetter-Periode angewiesen", sagt Struß. Denn: der WMT ist mit einer Heizung ausgestattet, so lassen sich Wände auch bei niedrigen Temperaturen (bis -5 °C) gießen – der Bau kann somit nahtlos fortgesetzt werden, Ausfallzeiten werden minimiert. Der WMT hat sich mittlerweile amortisiert, denn in den vergangenen Jahren kam der WMT bei fünf Projekten zum Einsatz. Und mehr noch, mittlerweile arbeitet Struß an "WMT 2.0" – die Weiterentwicklung der ersten Maschine, die noch in diesem Jahr fertig werden soll. Unabhängig davon soll in diesem Frühjahr noch ein zweiter WMT seinen Betrieb aufnehmen um auch die Stahlbetondecken vor Ort flexibel zu produzieren. Für den Bau des WMTs werden etwa acht Wochen benötigt. "Der Einsatz des WMTs auf der Baustelle lohnt sich bei Bauten mit 20 Wohneinheiten aufwärts", so der Experte.

ABZ-Stellenmarkt

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 11/2019.

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