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Jensendamm in Kiel

Schlauchlining unter enorm schwierigen Rahmenbedingungen ausgeführt

Kanal- und Verbautechnik

Ein technisch herausforderndes Schadensbild bot sich den Sanierungsexperten im Sammler Jensendamm.

Kanal- und Verbautechnik

Einzug eines GFK-Schlauchliners des Alpha-Liner-Systems.

Kiel (ABZ). – Der Regenwassersammler 800/1200 unter dem Jensendamm in der Kieler Innenstadt war 2015 aufgrund schwerer statischer Schäden ein akuter Sanierungsfall des höchsten Schwierigkeitsgrades. Die Rohrsanierung Jensen GmbH & Co. KG aus Bordesholm sanierte das Beton-Eiprofil durch Einbau eines mit UV-Licht ausgehärteten GFK-Schlauchliners in einem Projekt, das sowohl wegen des Schadensbildes als auch aufgrund der komplizierten Rahmenbedingungen extreme Anforderungen stellte.

Ein stark geschädigter, begehbarer Betonkanal tief im Grundwasser auf einer äußerst sensiblen Trasse im Kern einer Großstadt – das beschreibt eigentlich alles, was ein rundum "spannendes" Kanalsanierungsprojekt mitbringen muss. Vollständig gegeben waren diese Voraussetzungen 2015 im Falle des Regenwassersammlers unter dem Jensendamm in Kiel. Das ca. 100 Jahre alte Beton-Eiprofil 800/1200 entwässert große Teile der Kieler City. Da das Bauwerk dem Ufer des "Kleinen Kiel", einem Gewässer im größten innerstädtischen Naherholungsgebiet der Landeshauptstadt, unmittelbar folgt, steht dauerhaft Grundwasserdruck bis weit über Rohrscheitel auf dem Sammler. Hinzu kommt, dass der Kleine Kiel über den Bootshafen mit den wechselnden Wasserständen in der Kieler Förde kommuniziert. Massiver Fremdwassereintritt auf voller Länge des Sammlers und sehr hohe statische Dauerlasten gehörten zu den Anlässen bzw. Randbedingungen der Sanierungsplanung. Ein offenes Großbauvorhaben mitten in der City bzw. in der wichtigsten Innerstädtischen Grünzone galt es dabei unbedingt zu vermeiden.

Das Schadensbild in der Sanierungsstrecke am Kleinen Kiel war mit Deformationen bis zu 17 % der Nennweite "hart am Limit" und entsprach der Definition eines Altrohrzustands III nach DWA M 143-2: Als Gesamtsystem "Altrohr-Boden" eben noch tragfähig und damit also noch grabenlos sanierbar. An die Schlauchliner-Technologie, für die sich die Planer wegen der deformationsbedingten Nennweiten-Differenzen und der strikt grabenlosen Einbautechnik als Sanierungslösung entschieden, wurden entsprechend hohe Anforderungen in puncto Standsicherheit gestellt. In der Ausschreibung wurden angesichts dieser Vorgaben GFK-Liner gefordert, gleichwohl jedoch Nadelfilz-Systeme als Nebenangebot zugelassen waren. Die statische Auslegung der einzubauenden Liner wurde in der Ausschreibung, nach Materialgruppen differenziert, exakt vorgegeben.

Eine sehr schwierige Randbedingung beim Liner-Einbau war eine ausreichende Trockenlegung der Sanierungsabschnitte trotz des ständigen, nicht völlig einzudämmenden Grundwasserzuflusses auf der gesamten Strecke. Dieses erforderte eine flächendeckende leistungsstarke Wasserhaltung für den Trockenwetterfall im Bereich der gesamten Innenstadt; nur bei Trockenwetter konnte in diesem zentralen Niederschlagswasser-Sammler überhaupt saniert werden und dann auch nur in knapp definierten Zeitfenstern.

Die knapp bemessen Ausführungszeiten für das Schlauchlining setzten in der Abwicklung schnelle und im Equipment flexible Schlauchliner-Verfahrensvarianten voraus und waren mit den statischen Leistungsdaten maßgeblich ausschlaggebend dafür, dass sich mit dem auf dem "Alphaliner 1800" basierenden Gebot der Rohrsanierung Jensen, Bordesholm, tatsächlich ein lichthärtendes GFK-Schlauchliner-System im Vergabewettbewerb durchsetzte.

Abgeleitet aus den vorgegeben statischen Sollwerten ergaben sich für die letztlich installierten Alphaliner (Materialgruppe 22) im Bereich der Eiprofile DN 800/1200 Wandstärken von bis zu 16 mm bei einem Langzeit E-Modul von 12 445 N/mm². Wichtig angesichts des am Sammler Jensendamm hoch anstehenden Grundwassers war, dass der Alphaliner 1800 durch seinen integrierten Preliner bei Einbau und Aushärtung durchgängig zuverlässig vor dem Kontakt mit Grundwasser geschützt war. Das realisierte Sanierungskonzept der Rohrsanierung Jensen sah vor, die schweren Liner für das Eiprofil in drei Teilstrecken zwischen 53 und 75 m Länge einzuziehen, sie dann mit Luftdruck formschlüssig aufzustellen und schließlich durch Beaufschlagung mit exakt dosierter UV-Strahlung auszuhärten. Hierzu wurde ein zentrisch im Sammler ausgerichteter Kern von 12 UV-Lampen-Modulen von je 1000 W Leistung durch den Kanal gezogen. Äußerst anspruchsvoll war in diesem Falle, dass der Kern aufgrund der erkennbaren geometrischen Unregelmäßigkeiten im Altrohr planmäßig variiert werden bzw. an die maximale Verformung angepasst werden musste, um zu einer durchgängig einheitlichen und überall ausreichenden Aushärtung zu führen. Letztlich gelang dies in allen Sanierungsabschnitten, wie die Ergebnisse der labortechnischen Fremdüberwachung zeigten. Besonders bemerkenswert ist, dass dies sogar für das Kriterium "Faltenbildung" galt; die ausgehärteten Liner waren praktisch vollständig faltenfrei – durchaus keine Selbstverständlichkeit angesichts der teilweise erheblichen schadenbedingten Störungen der Profil-Geometrie.

Besonders stolz ist der Unternehmensinhaber Stefan Jensen auf das Verhältnis zwischen Umfang und Schwierigkeitsgrad des gesamten Projektes und der Zeit, in der es zur vollsten Zufriedenheit des Auftraggebers ausgeführt wurde. So brauchte man für alle Linereinbauten einschließlich sämtlicher Tiefbau-, Vor- und Nebenarbeiten nicht länger als zwei Arbeitswochen – und das bei einer Auftragserfüllung in anerkannt höchster Qualität.

Die Sanierung von sechs Sanierungsabschnitten mit UV-Licht-härtenden Schlauchlinern, die Erneuerung und der Abbruch von zwei Schachtbauwerken sowie die Sanierung mehrerer Hausanschlüsse und sämtlicher Schachtbauwerke mit GFK Auskleidung wurden einschließlich der Abnahmebefahrung in lediglich zehn Arbeitstagen zur vollsten Zufriedenheit des Auftraggebers mangelfrei ausgeführt. Besonders hervor zu heben ist die sehr gute Zusammenarbeit zwischen dem baubegleitenden Ingenieurbüro TSM GbR, Kiel, vertreten durch Olav Meins und dem Tiefbauamt der Stadt Kiel, vertreten durch Klaus Peter Bäzner. Und, so merkt Stefan Jensen im Rückblick augenzwinkernd an: Der Straßenname "Jensendamm" war für ihn und sein Team natürlich ein zusätzlicher Ansporn, in diesem besonderen Kanalsanierungsprojekt rundum eine Top-Leistung abzuliefern.

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Prüfingenieur/-in (m/w/d), Region Ostwestfalen-Lippe, Unna-Herford-Detmold-Paderborn-Olpe  ansehen
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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 27/2016.

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