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Kabinen mit Mehrwert

Fritzmeier setzt auf neue Technologien

Von Robert Bachmann

Die Kabinensparte bildet den größten Geschäftsbereich der Fritzmeier Gruppe. Mehr als 50 000 Kabinen und Systeme liefert der Hersteller nach eigenen Angaben pro Jahr an seine Kunden.

München. – Trends erkennen und in zukunftsweisende Lösungen überführen – auf dieser Maxime fußt die fast 100-jährige Erfolgsgeschichte des Kabinenherstellers Fritzmeier. Auch zur bauma setzt das Unternehmen auf Innovationen mit Mehrwert. "Als mittelständisches Unternehmen müssen wir unseren Kunden regelmäßig Innovationen bieten, um auf dem Markt wettbewerbsfähig zu bleiben", erklärt Alexandra Herrmann im Gespräch mit der ABZ am Stammsitz von Fritzmeier in Großhelfendorf. Zusammen mit Produktmanagerin Kathrin Schnitzlbaumer verantwortet sie den Bereich Marketing und Kommunikation des mittelständischen Familienunternehmens. Die mittlerweile in vier verschiedenen Produktionssparten organisierte Unternehmensgruppe versteht sich als Systemanbieter, stets darauf bedacht, den Kunden intelligente Lösungen mit Mehrwert zu bieten.

Innovation im Blut

Wie sehr dieser Anspruch in der DNA des Herstellers verankert ist, zeigt auch der Blick auf die fast 100-jährige Geschichte des Unternehmens. Seinen Ursprung hat die heutige Fritzmeier Gruppe in einem Sattlereibetrieb, den Georg Fritzmeier 1926 in Großhelfendorf gründete. Schon früh machte er sich einen Namen in der Landtechnik, indem er Traktorensitze mit einer Lederpolsterung versah und dem Landwirt so zu mehr Bedienerkomfort verhalf. So wurde der Betrieb zum Erstausrüster für Schlüter-Traktoren mit Sitzen sowie Planen und Verdecke. Innovationen wie diese zeichnen den Weg des Unternehmens. Dazu gehörte 1967 auch die Entwicklung und Einführung eines Sicherheitsbügels für die Traktoren, der die Sicherheit bei der Feldarbeit erhöhte. Schon bald belieferte Fritzmeier als Erstausrüster große Land- und Baumaschinenhersteller. 1975 startete Fritzmeier schließlich mit der Fertigung von Sicherheitskabinen für Traktoren durch, was die letztendliche Grundlage für die heutige Kabinenfertigung für die Baumaschinenhersteller bildete.

Mittlerweile gehört Fritzmeier zu den weltweit führenden Kabinenherstellern. Als reiner OEM-Anbieter beliefert das Unternehmen über 30 namhafte Baumaschinen-, Flurförderzeug- und Landmaschinenhersteller.

Über die Jahre wurde das Geschäftsfeld sukzessive erweitert. Heute gehören zur Fritzmeier-Gruppe noch drei weitere Sparten. Eine ist die Umwelttechnik, die aus der Tradition bei der Unterstützung der Landwirtschaft hervorgegangen ist. Ein weiterer Bereich ist die Fritzmeier Technologie, die individuelle technische Komplettlösungen im Kundenauftrag entwickelt. Die Kunststoffsparte bei Fritzmeier ist ebenfalls ein selbständig arbeitender Bereich. Das Verarbeiten von hochfesten Kunststoffen in Leichtbauweise hat eine lange Tradition bei Fritzmeier und begann in den 1970er-Jahren mit der Fertigung von u. a. Surfbrettern und Skiern. Heute fertigen die Kunststoff-Spezialisten schwerpunktmäßig Dachsysteme, Aeropakete und lnterieurmodule für Nutzfahrzeuge, Automobilaufbauten sowie Leichtbaukomponenten auf Karbonfaserbasis. Dem Sport-Bereich ist Fritzmeier ebenfalls treu geblieben. So produziert das Unternehmen heute u. a. ultraleichte E-Bikes aus Karbon.

"Als mittelständisches Unternehmen müssen wir unseren Kunden regelmäßig Innovationen bieten, um auf dem Markt wettbewerbsfähig zu bleiben", erklärt Marketingleiterin Alexandra Herrmann im Gespräch mit der ABZ am Stammsitz von Fritzmeier in Großhelfendorf.

Insgesamt beschäftigt Fritzmeier heute mehr als 2300 Mitarbeiter an 16 Standorten in sieben Ländern. Mehr als 120 davon arbeiten als Technische Ingenieure im engen Schulterschluss mit den Kunden an der Entwicklung neuer Systemlösungen. Auf diesem Weg bringt das Unternehmen nach eigener Aussage Jahr für Jahr über 9000 neue Komponenten auf den Weg. Im Geschäftsjahr 2018 konnte so in der gesamten Gruppe ein Umsatz von 400 Mio. Euro erzielt werden.

Das Ohr am Markt

Die Kabinensparte bildet den größten Geschäftsbereich der Fritzmeier Gruppe mit ca. 1500 Mitarbeitern. Ein Großteil der Fritzmeier-Ingenieure arbeiten in diesem Bereich. Mehr als 50 000 Kabinen und Systemen liefert der Hersteller nach eigenen Angaben pro Jahr an seine Kunden. Dabei ist es der Anspruch des Unternehmens, nicht nur auf eine vorhandene Nachfrage zu reagieren, sondern eigenständig Trends zu erkennen und den Kunden so neue Möglichkeiten aufzuzeigen, erklärt Alexandra Herrmann. Schon lange arbeitet Fritzmeier daher nicht nur mit den Kunden selbst eng zusammen, sondern auch mit Verbänden, Universitäten sowie anderen Fertigungsspezialisten.

Ein besonderes Engagement bildet die sog. Cab-Alliance. Dabei handelt es sich um ein weltweites Netzwerk von OEM-Lieferanten aus dem Bereich der Kabinenfertigung. Die Kooperation mit internationalen Fertigungsspezialisten bietet den Mitgliedern die Möglichkeit, wertvolle Synergieeffekte zu generieren und den Kunden Kontinente-übergreifend Produkte und Services auf gleich hohem Niveau anzubieten. Darüber hinaus ist Fritzmeier Teil der sog. Market Intelligence Group. Dieser Verbund bietet Unternehmen aus der Fertigungsindustrie eine Plattform, auf der sie sich über aktuelle Marktentwicklungen austauschen und so gezielt auf die realen Bedürfnisse des Marktes einstellen können.

Wie wichtig eine derart genaue Beobachtung des Marktes ist, hat die jüngste Vergangenheit deutlich gezeigt, wie Alexandra Herrmann erklärt. Bedingt durch die wiedererstarkte Weltwirtschaft und die starke Baukonjunktur der letzten Jahre konnte auch Fritzmeier eine stark steigende Auftragslage verbuchen. Um dieser gerecht zu werden, investiert das Unternehmen kontinuierlich sowohl in Personal als auch in die Automatisierung des Fertigungsprozesses. Aktuell verfügt allein die Kabinenfertigung bei Fritzmeier über 30 Industrieroboter. Dennoch stehe in der hochspezialisierten Fertigung bei Fritzmeier nach wie vor der Mensch im Vordergrund, so Herrmann.

Kabinen mit Weitblick

Auch auf der diesjährigen bauma wird sich bei Fritzmeier vieles um eine Innovation drehen, die sich aus einer Marktanforderung ergab und die dabei einen sehr aktuellen Trend aufgreift. Konkret geht es um die Einbindung von Augmented Reality in der Baumaschine. Hintergrund war der Wunsch eines namhaften Bauunternehmens, digitale Gebäude- und Baustelleninformationen auf der Baustelle greifbar bzw. sichtbar zu machen. Ziel sollte es sein, Vorgänge auf der Baustelle transparent und nachvollziehbar zu machen und so die Baustellenlogistik zu verbessern. Zugleich könnte eine solche Technologie dazu genutzt werden, neue Mitarbeiter schneller in Baustellenvorgänge einzuarbeiten, indem entsprechende Daten Dritten bereitgestellt werden können, die den neuen Mitarbeiter auf dieser Grundlage beraten bzw. korrigieren können.

Was unter dem Stichwort BIM (Building Information Modeling) bei der Errichtung von Gebäuden heute schon vielfach zum Einsatz kommt, ist bezogen auf komplette Baustellen, inkl. der Baulogistik, noch weitestgehend unausgereift. Ein gängiges Problem ist aktuell die fehlende Kommunikation der Maschinen untereinander, die trotz einer Vielzahl an technischen Möglichkeiten, nahezu alles digital abbilden zu können, am Markt nicht gegeben ist.

Auf der bauma präsentiert Fritzmeier u. a., wie das Unternehmen mittels Augmented-Reality-Technologie zur Optimierung von Bauprozessen beitragen möchte.

Zusammen mit der TU München, dem AR-Spezialisten Holo-Light aus Österreich, Vemcon, einem Spezialisten für Maschinensteuerungen, sowie dem Automatisierungsprofi MTS Maschinentechnik Schrode hat Fritzmeier an der Nutzung von BIM-Daten gearbeitet. "Auf der bauma zeigen wir, wie AR sich als Schulungs- und Demonstrations-Instrument für Maschinenführer auf Baustelle nutzen lässt." Die Lösung basiert auf der von Microsoft entwickelten Mixed-Reality-Brille HoloLens. Ein in die Brille integrierter transparenter Bildschirm ermöglicht es, digitale Modelldaten in das ansonsten freie Sichtfeld des Trägers zu projizieren. Das System soll dem Bediener in der Kabine auf diese Weise ermöglichen, Bauprozesse anhand von Gebäude- und Baustelleninformationen vorab zu simulieren und dabei wertvolle Erkenntnisse über mögliche Kollisionen, den Zeitaufwand u.v.m. zu erhalten.

Die potenziellen Anwendungsfelder für diese Technologie gehen jedoch weit über diesen Ansatz hinaus, wie Alexandra Herrmann ausführt. So könne die Brille u. a. auch im Servicebereich zum Einsatz kommen, bspw. bei der Identifikation von Ersatzteilen oder indem sie dem Bediener einer Maschine Informationen zu Reparatur und Wartung anzeigt. Ein weiteres Anwendungsbeispiel ist die Visualisierung von Produkten im frühen Entwicklungsstadium der Kabinenkonstruktion. Mittels AR-Technologie können bspw. verschiedene Varianten, Farbkombinationen oder technische Optionen visualisiert werden, lange bevor eine Entwicklung in Serie geht. "Auf der bauma zeigen wir das am Beispiel einer realen Kabine", so Hermann. Wie das Zusammenspiel aus Kabine und Hololens konkret aussehen kann, darüber können sich die Messebesucher in München genauer informieren. Eventuell kann sich Fritzmeier zusammen mit seinen Partnern dann erneut über den bauma Innovationspreis freuen, für den das Unternehmen auch in diesem Jahr nominiert ist. Im Rahmen des CAB Concept Clusters hat Fritzmeier bereits 2017 die sog. Smart CAB auf der Agritechnica präsentiert. Dabei handelt es sich um eine kundenneutrale Serienkabine für Selbstfahrer, die zusätzlich mit verschiedenen Innovationen unterschiedlicher Hersteller ausgestattet wurde und den Kunden somit eine Vielzahl an Möglichkeiten im Kabinenbau veranschaulicht. Um auch der Baubranche eine kundenneutrale Kabine zu präsentieren, wird Fritzmeier auf der bauma 2019 nun erstmals die sog. Global CAB präsentieren. Dabei handelt es sich um ein herstellerunabhängiges Kabinenmodell aus Aluminium. Das bei dieser Bauweise angewandte Herstellungsverfahren der Extrusion ermöglicht gänzlich andere Profilquerschnitte, die trotz des leichteren Materials eine sehr hohe Belastbarkeit aufweisen, erklärt Herrmann. Die neue Kabine hält ROPS Lasten bis 20 t stand, eröffne dabei jedoch mehr Freiheiten im Design, ohne dass dadurch höhere Kosten entstehen werden. Die Global CAB ist in der Länge und Breite variabel. Auf diese Weise soll den Kunden eine frei verwendbare Kabine zur Verfügung stehen, die sie mit geringen Entwicklungs- und Werkzeugkosten auf ihre Maschine adaptieren lässt – eine Lösung, die sich v. a. an kleinere Hersteller bzw. für die Produktion kleinerer Maschinenserien anbietet.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 12/2019.

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