Kanalreinigung in neuer Dimension

Funke Gruppe stellt neuen Spülschacht vor

Von Jennifer Schüler

Blick auf das Werksgelände der Funke Gruppe in Hamm-Uentrop. Das Unternehmen ist erst vor einigen Jahren direkt an die A 2 gezogen, nachdem in Sendenhorst nicht ausreichend Platz zur Expansion gegeben war.

Hamm-Uentrop. – Bereits zum 17. Mal lud die nordrhein-westfälische Unternehmensgruppe Funke Anfang Juni die Fachpresse ins firmeneigene Werk in Hamm-Uentrop ein, um Produktneuheiten vorzustellen. Der Fokus der Kunststoff-Experten lag dabei auf den Themen Straßenentwässerung und Kanalreinigung. "Machen, nicht nachmachen" – das sei schon seit jeher das Motto der Funke Kunststoffe GmbH gewesen, betonte Thomas Martin, der für die Pressearbeit des Unternehmens verantwortlich ist, bei der Begrüßung der Fachpresse am Firmenstandpunkt der Unternehmensgruppe in Hamm-Uentrop. Und mit eben diesem Ansatz habe man auch in diesem Jahr wieder die Herausforderung angenommen, etwas Neues zu präsentieren. "Bislang haben wir es noch jedes Jahr, seit 17 Jahren, geschafft etwas im Köcher zu haben", sagte Dieter Jungmann, der den Geschäftsbereich Tiefbau bei Funke leitet, mit Stolz. Auch 2017 sei da keine Ausnahme.

Direkt an der A 2 gelegen, ist das erst vor wenigen Jahren erschlossene Firmengelände der Funke Gruppe, die mittlerweile mehr als 300 Mitarbeiter zählt und international aufgestellt ist, für Besucher nicht zu übersehen. Auf dem mehrere Hektar großen Areal stapeln sich Kunststoff-Rohre aller erdenklichen Längen, Stärken und Farben – allein diese lassen erahnen wie vielfältig die Produktsparte des Unternehmens angelegt ist. Zur Präsentation der Neuheiten wählte das Funke-Team das ebenfalls auf dem Werksgelände beheimatete Infozentrum samt Ausstellungsfläche aus, um dort im Detail die entsprechenden Mechanismen zu erklären und demonstrieren.

Spülvolumen erhöht

Der neue Fabekun-Spülschacht konnte dabei sogar "in Action" begutachtet werden, da Funke diesen tatsächlich auf dem eigenen Gelände in Betrieb hat. Im Juli dieses Jahres soll die nächste Generation – sozusagen der Spülschacht 2.0 – auf den Markt kommen. Neben einem um 20 % höheren Spülvolumen zum Vorgängermodell könne der Spülschacht v. a. mit einem "perfektionierten Spülmechanismus" überzeugen, der sofort nach Auslösung eine 100 %-ige Spülleistung sicherstelle, so Funke.

Das im Schacht aufgestaute Wasser schießt ab sofort nicht mehr in einem Vor- und Hauptschwall durch die Öffnung in der Auslaufschale, sondern in "einem Schuss". Das Fertigteil mit der Nennweite DN 1200 ist mit zwei Zuläufen DN /OD 160, einem Ablauf DN/OD 200 sowie einem Notüberlauf ausgestattet. Zudem verfügt es über eine einbetonierte Auslaufschale, auf deren Öffnung ein Führungsrohr befestigt ist. In diesem zylindrischen Rohr bewegt sich ein halbkugelförmiger Innenschwimmer, der nach dem Auslösen des Spülmechanismus im Führungsrohr aufsteigt und sich nach vollständiger Entleerung des Schachtes wieder auf die Dichtung des Auslaufes setzt.

Dirk Große Farwick (Mitte), zuständig für Technische Kundenbetreuung im Geschäftsbereich Tiefbau bei der Funke Kunststoffe GmbH, erklärt im Detail, wie der Mechanismus der Fabekun-Spülschachts funktioniert.

Ebenso wie bereits der Vorgänger des Fabekun-Spülschachtes bündelt er viele kleinere Regenereignisse und nutzt diese dann in einem wirksamen Spülschwall. Das Speichervolumen konnte dabei um rd. 100 l – von 500 auf 600 l – erhöht werden. Wenn dieses Fassungsvermögen erreicht ist, wird ein einfacher Mechanismus in Gang gesetzt. Dabei schießt die angestaute Wassermenge in den angeschlossenen Kanal und reinigt diesen. Diese Methode sei besonders schonend, da sie keine externe Energie zur Auslösung benötigt, erklärte Dirk Große Farwick, der bei Funke für die Technische Kundenbetreuung im Geschäftsbereich Tiefbau zuständig ist und die Wirkungsweise des Spülschachts vorführte. Dank dieses Mechanismus seien weniger turnusgemäße Wartungen im Jahr notwendig – teilweise könnten sie sogar komplett entfallen, was insbesondere für den Geldbeutel der Netzbetreiber interessant sein dürfte.

Zwei Varianten

Zusätzlich könne der neue Spülschacht noch einmal günstiger angeboten werden als sein Vorgänger – auch aus diesem Grund glaubt Dieter Jungmann, den Absatz von bislang rd. 150 Spülschächten pro Jahr erhöhen zu können. Erhältlich ist das Produkt in zwei Ausführungen. Der Aufsatzschacht Typ A wird wie ein herkömmlicher Schachtring auf ein bereits vorhandenes, nach DIN 4034 (DIN EN 1917) gefertigtes Schachunterteil gesetzt. Typ U eignet sich besonders für den Einbau in Endhaltungen in Neubaugebieten, die meist nur über eine geringe Einbautiefe sowie Gefälle verfügen. Beide Varianten könne bei geringen Einbautiefen mit Abdeckplatten oder, wenn ausreichend Einbautiefe gegeben ist, mit einem Konus eingebaut werden.

Passende Anschlüsse

Neben dem Fabekun-Spülschacht 2.0 präsentierte Funke der Fachpresse auch den Liner-Anschluss-System Connex sowie den HS-Klebesattel, die für Anschlüsse an gelinerte Rohre geeignet sind. Wie das Unternehmen betonte, interessiere sich insbesondere die französische Hauptstadt Paris für das System des nordrhein-westfälischen Unternehmens.

Der neue Fabekun-Spülschacht in Betrieb auf dem Gelände der Funke-Gruppe in Hamm-Uentrop.

Mit dem Liner-Anschluss System Connex und dem HS-Klebesattel für Inliner lassen sich Anschlüsse an mit Schlauchlinern (GFK-Liner oder Nadelfilzschlauch bzw. Synthesefaserliner) sanierten Hauptrohren zuverlässig, professionell und wirtschaftlich herstellen. Die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten und die Entscheidung, welches Formteil wann genutzt werden kann, hängen von verschiedenen Parametern ab. Hierzu zählen die Größe der Bohröffnung, die Nennweite der Rohre, die angeschlossen werden sollen, sowie die Nennweite der Hauptrohre. Den Liner-Anschluss System Connex gibt es in drei Varianten. In der Ausführung DN/OD 160 mit Bohrung 162 mm ist er in Hauptrohren ab DN 250 einsetzbar, als Liner-Anschluss DN/OD 200 mit Bohrung 200 mm in Hauptrohren ab DN 400 sowie in der Nennweite DN/OD 160 mit Bohrung 200 mm in Hauptrohren ab DN 400. Der Einbau erfolgt über ein in das Hauptrohr/Altrohr geschnittenes Arbeitsfenster, welches mit einem geeigneten Werkzeug wie einem Winkelschleifer herzustellen ist. Nach dem Freilegen des Inliners müssen die Trennfolien entfernt werden. Danach kann die für den Einbau des Liner-Anschlusses System Connex benötigte Bohrung hergestellt werden.

Bei der fachgerechten Montage der einzelnen Bauteile wird durch das Einbringen der 2-Komponenten Dichtmasse von Funke – dieser Arbeitsschritt ist unbedingt mit der Funke-Kartusche (Kraftübertragung 25:1) auszuführen – eine kraftschlüssige Verbindung zum Liner geschaffen, bei der bauartbedingte Unebenheiten des Liners ausgeglichen werden.

Der braune HS-Klebesattel stelle ebenfalls eine hervorragende Lösung für das Einbinden von Hausanschlussleitungen in mit Schlauchlinern ausgekleidete Hauptrohre dar, so Funke. Diese Variante komme häufig dann zum Einsatz, wenn Löcher zu groß gebohrt wurden. Das Produkt ist in den Nennweiten DN/OD 160/200 erhältlich und für den Einsatz in Hauptrohren von DN 200 bis 500 und Anschlussöffnungen ? 200 mm geeignet. Die fest in das Bauteil integrierte HS-VarioMuffe sorgt für große Flexibilität an der Einbaustelle.

Der Seitenablauf ist so konstruiert, dass es sich einfach in diese Bereiche integrieren lässt. Hieraus ergeben sich Vorteile: U. a. sind Wartungs- und Reinigungsarbeiten nicht mit Verkehrsbeeinträchtigungen verbunden. Außerdem unterliegt das Material nicht mehr den starken Beanspruchungen, die von den darüber fahrenden Fahrzeugen ausgehen.

Im ersten Arbeitsschritt wird ein Arbeitsfenster in der Größe der gewölbten Grundplatte des Klebesattels in das Hauptrohr gefräst und der Schlauchliner freigelegt. Danach kann das Bauteil aufgeklebt werden. Mit dem Klebesattel lassen sich auch leichte Unebenheiten oder Falten im Liner ausgleichen. Im Lieferumfang ist ein 2-Komponenten-Kleber enthalten, der entsprechend der Verlegeanleitung mit dem Spachtel aufzutragen ist. Auf Anfrage seien auch Ausführungen für größere Nennweitenbereiche lieferbar.

Als dritte Neuheit im Bunde stellte Funke auch ein Produkt zur Straßenentwässerung vor: ein seitlicher Straßenablauf der in Rad- oder Gehwege intergiert werden kann.

Insbesondere bei geringen Kanaltiefen sei der Einsatz dieses Bauteils geeignet, referierte Jungmann. Aus dieser Verlagerung ergäben sich Vorteile: U. a. unterliege das Material nicht mehr den starken Beanspruchungen, die von darüber fahrenden Fahrzeugen ausgehen; auch das Gefährdungspotenzial für Fahrradfahrer werde deutlich reduziert. Hinzu komme, dass herabfallende Blätter den Seitenablauf mit seiner bauartbedingten seitlichen Öffnung nicht so verstopfen können, wie Gussabdeckungen von herkömmlichen Straßenabläufen. Zudem könne bei einer Erneuerung die Schwarzdecke in einem Zug hergestellt werden.

Der Aufsatz aus Guss entspricht der DIN EN 124/DIN 1229 und verfügt über einen seitlichen Ablauf mit einem Einlaufquerschnitt von 482 cm². Er entspricht der Belastungsklasse B 125 und ist mit einem integrierten Lastausgleichsring ausgestattet. Das korrosionsbeständige Kunststoffunterteil besitzt einen seitlichen Ablauf. Eine HS-VarioMuffe DN/OD 160, die im Bereich von 0° bis 11° schwenkbar ist, sorgt für Flexibilität beim Einbinden der Rohre.

Das Unterteil hat eine Bauhöhe von 800 mm und einen Innendurchmesser von mindestens 450 mm. Die Gesamthöhe des Seitenablaufes beträgt 990 mm. Der Seitenablauf kann sowohl mit einem stahlverzinkten Schlammeimer (Form A) ausgerüstet oder, bei Bedarf, mit einem IInnolet-Filter für Trockenablauf geliefert werden. Diese Ausführung ist für eine Anschlussfläche von 400 m² geeignet.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 25/2017.

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