Anzeige

Kick-Start in Dubai

Zeichen stehen erneut auf Wachstum

Von Christian Brensing

1200 Aussteller aus mehr als 50 Ländern und insgesamt 36 386 Besucher aus aller Welt wurden nach Angaben des Veranstalters gezählt.

Dubai/Vereinigte Arabische Emirate.. – BIG 5, die Expo 2020 Dubai und der Developer Nakheel beflügeln die Vereinigten Arabischen Emirate zu neuen Höhen. Bekanntlich wird die weltweite Corona-Pandemie auf höchst unterschiedliche Art und Weise von Nationen sowie deren Gesellschaften und der Wirtschaft bewältigt. Wie steht es dabei um die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) in deren Metropole Dubai am 1. Oktober die Weltausstellung Expo 2020 eröffnet wurde? Bedingt durch Covid-19 musste die Eröffnung dieses Massen-Events für avisierte 25 Millionen Besucher um genau ein Jahr verschoben werden.

Über den Sinn und Zweck von Weltausstellungen ist bereits viel geschrieben und gestritten worden. Allerdings als Marketinginstrument ersten Ranges für das post-Covid Paradies Dubai funktioniert die World Expo prächtig. Nachdem in letzten Jahren bereits Horden von Influencern an den persischen Golf gelockt wurden, paaren sich jetzt die realen Konsum- und Spaßwelten von Dubai mit denen auf Instagram und TikTok – ein perfektes in sich geschlossenes Geschäftsmodel.

Um diese Welt immer weiter am Laufen zu halten, muss auch weiterhin sehr viel gebaut werden. Nach einem einzigen, aber sehr harten-restriktiven Lockdown im Frühjahr 2020 stehen die Zeichen in Dubai und den VAE jetzt erneut auf Wachstum. Fast einen Monat vor der Weltausstellung begrüßte die größte Baumesse des Mittleren Ostens die BIG 5 Dubai, nach einem Jahr Zwangspause, wieder Aussteller und Besucher im World Trade Center. Als verlässlicher Indikator des wirtschaftlichen Pulses der VAE, einschließlich der MENA-Region von Marokko über die Arabische Halbinsel bis in den Iran, glich die vom 12. bis 15. September erfolgte Baumesse einem Aufbruchssignal für die gesamte Baubranche der Region. Josine Heijmans, Vice President der Messeorganisation dmg Events, berichtet von über 1200 Ausstellern aus mehr als 50 Ländern mit 20 individuellen Länderpavillons und insgesamt 36 386 Besuchern aus aller Welt. Damit war die BIG 5 fast einen Monat vor der Eröffnung der Expo 2020 die erste Großveranstaltung in Dubai nach der Corona-Krise.

Die BIG 5 Dubai begrüßte wieder Aussteller und Besucher im World Trade Center.

Für Josine Heijmans verzeichnete die BIG 5 dieses Jahr mehr als ein Silberstreifen am Horizont: "Es zeigt sich, dass die Wirtschaft, einschließlich der Bauaktivitäten in den VAE, wieder angesprungen ist. Jedoch hielten wir auf der BIG 5 dieses Jahr auch weiterhin Online-Kontakt mit vielen unserer Kunden, die noch nicht nach Dubai reisen konnten. Der Ausblick ins nächste Jahr stimmt mich positiv. Hoffentlich wieder in der alten Stärke wird die 23. BIG 5 dann vom 18. bis 21. September 2022 ihre Tore öffnen." Die fortwährende Aktualisierung und Anpassung der BIG 5 an die Bedürfnisse der Region und ihrer Kunden ist Programm. Mit dem neuen Thema "Everything Architecture" und einer engen Verzahnung mit Bauingenieuren und will die BIG 5 den Horizont ihres Einflusses noch weiter verstärken. Die Verbindung und Verlinkung unterschiedlichster Industrie- und Planungszweige, zum Beipiel unter dem Vorzeichen der Nachhaltigkeit, hat dabei oberste Priorität.

Die Eröffnung der Expo 2020 Dubai am 1. Oktober 2021 (bis zum 31. März 2022) war der zweite Paukenschlag mit dem Dubai der Welt demonstrierte, dass Corona und viele damit verbundenen Schwierigkeiten in den VAE der Vergangenheit angehören. 192 Nationen sind mit ihren Länderpavillonen in einem der drei großen Expo-Distrikte vertreten. Die mit 358 Hektar extrem große Ausstellungsfläche (mehr als doppelt so groß als die der Weltausstellung in Mailand 2015) ist wie ein dreiblättriges Kleeblatt in drei Segmente gegliedert: Sustainability, Mobility und Opportunity. Im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie organisiert und betreibt die Koelnmesse GmbH den deutschen Pavillon. Die Planung und der Bau wurden einer Arbeitsgemeinschaft der beiden Firmen facts and fiction GmbH (inhaltliches Konzept) und Nüssli Adunic AG (bauliche Ausführung) überantwortet.

Die Architektur ist dabei drittrangig. Für diese Weltausstellung erhielt das Architekturbüro LAVA (Laboratory for Visionary Architecture) aus Stuttgart und Berlin den Zuschlag. Einer der Gründer, Dipl.-Ing. Professor Tobias Wallisser ist sich der Zwitterrolle der Architektur mehr als bewusst: "Der Deutsche Pavillon ging nicht aus einem Architekturwettbewerb, sondern aus einem Gesamtkonzept vieler Kräfte hervor, das heißt von Firmen, die den Inhalt und die Ausstellung konzipieren, Architekten, die das Gebäude Planen und Firmen, die den Pavillon errichten und dann auch wieder abbauen. Das Ganze funktioniert nach dem Prinzip eines Generalübernehmers. Letztendlich wird ein Gebäude immer so gut wie die Auftraggeberstruktur ist. Wir als Architekten müssen eine Strategie finden, wie wir damit am besten umgehen können."

Das Ergebnis ist ein fast 20 Meter hoher und 4800 Quadratmeter großer Pavillon mit einem Stahltragwerk (Tragwerksplanung: sbp-schlaich bergermann und partner, Stuttgart; Klimakonzept:Transsolar, Stuttgart) und Leichtbauelementen, die die grau-silbrig glänzende Fassade ergeben. Unmittelbar im Zentrum des Expo Geländes auf einem strategisch günstigen Eckgrundstück gelegen, ist der "Campus Germany" daher kaum zu übersehen. Markant stechen in der geschichteten Pavillonstruktur die drei als Boxen ausgebildeten Labs hervor. Dort wird den Besuchern deutsche Innovationen zu den Themen Biodiversität, Energie und der Zukunft der Städte erläutert.

Nachhaltigkeit und Klimabewusstsein rangieren ganz oben sowohl bei den Themen als auch der Bau- und Betriebsweise vom Campus Germany. Tobias Wallisser bezeichnet den Deutschen Pavillon auf Grund seiner etwa 90 Prozent Wiederverwertbarkeit der Baustoffe auch als ein "Materiallager". LAVA Projektarchitekt Dipl.-Ing. Christian Tschersich, der das Bauwerk vor Ort mit Nüssli Adunic realisierte, führt dazu weiter aus: "Der Pavillon ist damit eine Momentaufnahme im Lebenszyklus der Materialien. Die gesamte Stahlkonstruktion wird nach der Expo eingeschmolzen, die Medientechnik ist gemietet und die Kühlaggregate einschließlich des Mobiliars werden vor Ort weiterverwendet. Die Zurückführung der Rohstoffe in den Stoffkreislauf und die Rückgabe vieler Geräte und Objekte an den lokalen Markt sind feste Bestandteile dieser Logik."

Der lokale Projektentwickler Nakheel ist das dritte Momentum in dieser dynamischen Kette, die Aufbruchsstimmung und Wachstum verheißen will. Nakheel machte sich international mit dem Bau der ersten künstlichen Inselgruppe Palm Jumeirah vor der Küste Dubai bereits ab 2001 einen Namen. Seitdem ist das Unternehmen vorrangig auf die Schaffung von Landgewinnungsprojekten spezialisiert. Insgesamt wurden bisher von Nakheel über 300 Kilometer an zusätzlichen Küstenabschnitten erschaffen. Rekorde und Superlative gehören selbstverständlich zur Konzerngeschichte, so sind zum Beispiel die künstlichen Inseln Jumeirah Palm, The World oder Deira Islands mit bloßem Auge aus dem Weltall zu sehen. Aber nicht nur bombastische Bauprojekte gehören zum Firmenimage. Nakheel Malls, zum Beispiel, vereint so ziemlich alles, was man sich unter einem Einkaufs- und Leisure-Tempel vorstellen kann, von der Einkaufspassage über einen traditionellen arabischen Souk bis hin zur Life-Style Destination "The Point", die die höchste Wasserfontäne der Welt aufweist.

Fast einen Monat vor der Eröffnung der Expo 2020 war die BIG 5 die erste Großveranstaltung in Dubai nach der Corona-Krise.

Nachverdichtung der Flächen

Allerdings, das Gebaute und Geschaffene muss erhalten und bestenfalls noch weiterentwickelt werden. Einige Bereiche und Aspekte 560 Hektar großen The Palm bedürfen dringend der Auffrischung, Entstaubung und baulichen Nachverdichtung: den Anfang machte im Mai 2021 der Bezug des 52 Geschosse und 240 Meter hohen Palm Towers direkt neben der Nakheel Mall mit Anschluss zur Monorail, die das Festland unter anderem mit dem Hotel Atlantis auf dem 11 Kilometer langen äußeren Ring der Palme verbindet. Die ersten 18 Geschosse werden von 290 Zimmern des Luxushotels The St. Regis Dubai, The Palm eingenommen, darauf folgen 423 sogenannte "Residences", sprich Eigentumswohnungen, die ihren krönenden Abschluss in 360 Grad Infiniti-Pool, Restaurant sowie der Aussichtsplattform The View finden. Dort "where the island meets the sky" liegt zugleich das Problem der Palme. Nicht nur herausgeputzte Villen säumen die unendlich langen Strände der Palme. Teils durch die Conorana Pandemie aber auch bedingt durch Vermietungs- und Investitionsspekulation liegen nicht wenige Anwesen vernachlässigt und verlassen dar – buchstäblich Wohlstandsmüll, angeschwemmt an eine der reichsten und teuersten Küsten der Welt!

Die Schönheit und den Flair der Fünf- bis Sechssternewelt von The Palm zu pflegen und auszubauen, ist nicht die einzige Herausforderung für Nakheel. Vor einigen Jahren wurden vor der Einfahrt zu Dubais historischem Creek die vier 15,3 Quadratkilometer großen über Brücken miteinander verbundenen Deira Islands aufgeschüttet. Sie addieren nochmals 40 Kilometer, davon 21 Kilometer reine Sandstrände, zu Dubais bereits kräftig erweiterten Küstenlandschaft. Die spanische Hotelkette RIU im Joint-Venture mit Nakheel hatte auf den Deira Islands die Nase vorn. Als erste Budget-Ferienanlage Dubais eröffnete im Dezember 2020 das 800 Zimmer "all-inclusive" Vier-Sterne Haus. Es handelt sich dabei um die erste RIU Hotelanlage im Mittleren Osten. In direkter Nachbarschaft eröffnete fast zeitgleich mit der Expo 2020 der thailändische Hotelkonzern Centara Hotels & Resorts, sein erstes Centara Mirage Beach Resort. 607 familiengerechte Zimmer, mit einem zwischen Hotel und Strand gelagerten Wasser-Park, versinnbildlichen ein neues Tourismuskonzept für Dubai. Fernab der hochpreisigen Angebote und den luxuriösen Bettenburgen kreiert sich Dubai zu einer internationalen Destination für Tourismus der mittleren Preisklasse.

Blick in die Zukunft

Souk Al Marfa, ein riesiger arabischer Markt mit Kaianlage, die sich sage und schreibe über 1,9 Kilometern Länge auf Deira Island erstreckt, erweckt neue Phantasien von touristischer Vielfalt. Phase Eins mit 400 Geschäften wurde soeben eröffnet. Clou der riesigen Anlage ist, dass Geschäfte, Restaurants und Waren aus der ganzen Welt dort länderspezifisch angeboten werden.

Wo liegt die Zukunft von Dubai und den VAE? Der Dubai 2040 Urban Masterplan weist in eine Zeitdimension in der, laut Sheikh Mohammed bin Rashid Al Maktoum, dem Machthaber von Dubai und der Vize Präsident und Premierminister der VAE, Dubai zur "best city for life in the world" ausgebaut werden soll. Jedoch auf dem Weg dahin, muss sich Dubai sputen, denn die arabischen Nachbarn, allen voran Saudi-Arabien, schlafen nicht, auch dort sind Milliardenschwere Investitionsprogramme aufgelegt und in der Realisierung. Kenner der Region sprechen von gewaltigen Investitionsvorhaben, die ihre Wirkung bis nach Afrika entfalten.

Ausgewählte Unternehmen

Die Anbieterprofile sind ein Angebot von llvz.de
Anzeige

Weitere Artikel