Kiesel-Logistikzentrum

Mehr als nur ein Ersatzteillager

Im Baumaschinen-Handel geht es in der Regel um langsam drehende Investitionsgüter. Dass der Handel auch ganz anders aussehen kann, zeigt sich im zentralen Kiesel Logistikzentrum in Stockstadt. 35 000 Artikel werden hier gelagert. Von kleinen Schrauben bis zu ganzen Motorblöcken für Baumaschinen aller Art. Mit 1200 Lieferpositionen wird Tag für Tag ein hoher Takt geschlagen. 24 Stunden am Tag. Sieben Tage die Woche. Und das Ganze mit einer 99-prozentigen Ersatzteil-Verfügbarkeit. Für Kiesel ist der schnelle und zuverlässige Ersatzteilservice ein wesentlicher Baustein zur Festigung seiner Position als "Partner erster Wahl". Denn wenn Handel erfolgreich sein will, darf er sich nicht mehr nur als Verkäufer verstehen, sondern viel mehr als Dienstleister, der die Herausforderungen seiner Kunden löst – Tag für Tag. Minute für Minute.

Stockstadt (ABZ). – Moderne Logistikzentren müssen mehr können als nur Ware zu bevorraten und auszuliefern. Es sind hoch technisierte Zentren mit ebenso hoch spezialisierten Mitarbeitern, die gegen die Zeit spielen. Eigentlich eine Domäne, in der nur große Unternehmen zuhause sind, so denkt man sich. Doch der Mittelständler Kiesel hat den Schritt gewagt und ein Logistikzentrum für Ersatz- und Verschleißteile aufgebaut, das sich sehen lassen kann.

Samstag, 15.00 Uhr: Klaus S. sitzt im Büro. Sein Telefon klingelt. Es ist sein Vorabeiter, der ihn von der Baustelle aus anruft: "Chef. Die Hydraulikpumpe am Abrissbagger hat´s zerrissen. Nichts geht mehr." Das ist mehr als eine schlechte Nachricht. Denn der Abriss des Krankenhauses muss am Montag abgeschlossen sein, sonst droht eine saftige Vertragsstrafe. Kurzerhand ruft er die Notrufnummer seiner Kiesel-Niederlassung an und erreicht dort Armin Schreuer von der Kiesel-Niederlassung in Köln. Nach kurzer Rücksprache mit dem Baggerfahrer vor Ort und der Durchgabe des Fehlercodes ist das defekte Hydraulikteil identifiziert. Sofort gibt er die Information in das Logistiksystem von Kiesel ein und sieht, dass das Ersatzteil im Kiesel Zentrallager in Stockstadt verfügbar ist. Er platziert den Auftrag mit der höchsten Dringlichkeitsstufe im System.

Samstag, 15.30 Uhr: Voll automatisiert landet der Auftrag im Zentrallager. Wegen der engen Zeitschiene wird ein Kurierdienst beauftragt, das Bauteil abzuholen und noch am gleichen Tag direkt zur Baustelle zu bringen. Bereits eine halbe Stunde später erfolgt elektronisch gesteuert die Entnahme im Zentrallager. Das System lotst den Picker mit seinem Elektroschlepper zum Lagerplatz. Dort entnimmt er das Ersatzteil und fährt es direkt zur Packstation, wo es versandgerecht verpackt und anschließend an den Kurierdienst übergeben wird.

Samstag, 18.30 Uhr: Der Fahrer des Kurierdienstes übergibt das Ersatzteil direkt auf der Baustelle an den Vorarbeiter. Am nächsten Morgen trifft gegen 7.00 Uhr der Kiesel-Servicetechniker auf der Baustelle ein. Innerhalb von nur 50 Minuten ist das Ersatzteil eingebaut und die Maschine wieder betriebsbereit. Klaus S. atmet auf. Der Abriss kann nun wie vertraglich vereinbart zu Ende gebracht werden.

1200 Lieferpositionen verlassen täglich das Logistikzentrum von Kiesel, das 35 000 Artikel bevorratet.

Alles an seinem Platz. Eine Software sagt den Pickern, an welchem Lagerplatz sie die Produkte finden.

Fälle wie dieser sind gelebter Alltag im Kiesel Logistikzentrum in Stockstadt. Das Unternehmen – ein Mittelständler – hat hier vor vier Jahren, nach eigenen Angaben, eines der innovativsten und schnellsten Servicezentren Deutschlands geschaffen. 35 000 Artikel im Wert von 10 Mio. Euro liegen hier ständig auf Lager und werden viermal jährlich umgeschlagen. 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr, wird hier gearbeitet. Durchschnittlich 1200 Lieferpositionen verlassen das Lager pro Tag. Was bis 17.00 Uhr geordert wird, verlässt das Lager bei Bedarf noch am gleichen Tag und ist ab 7.00 Uhr beim Kunden, im Fahrzeug des Servicetechnikers oder sogar direkt auf der Baustelle.

Möglich wird dies durch ein intelligentes und ausgefeiltes Gesamtkonzept, von dem sich selbst größere Logistikunternehmen laut Wilhelm Houben, Leiter des Logistikzentrums, eine Scheibe abschneiden können: "Als wir das Logistikzentrum konzipiert haben, haben wir uns bewusst gefragt: Was will und braucht unser Kunde wirklich? Im Grunde nur Eines: dass seine Maschine so schnell es geht wieder läuft – egal, ob er sie gerade warten lässt, oder ob sie, wie im Fall "Klaus S.", zum ungünstigsten Zeitpunkt ausfällt." Um das zu realisieren, basiert das Kiesel-Logistik-Konzept auf vier Säulen: Ein hoher, zentral geführter Lagerbestand. Eine Software, die Standardbestellungen automatisiert abwickelt. Eine professionelle Lagerlogistik. Und nicht zuletzt ein schlagkräftiges Team, das direkt vor Ort arbeitet und sich um alle Sonderfälle kümmern kann.

"Mit der Inbetriebnahme des Logistikzentrums hat Kiesel vor vier Jahren seine dezentralen Läger weitgehend aufgelöst und alles im neuen Logistikzentrum in Stockstadt zentralisiert. Egal, wo in Deutschland oder Österreich, unsere Kunden haben dadurch einen Lagerbestand im Wert von ca. 10 Mio. Euro im stündlichen Zugriff. Das ist gleichbedeutend mit einer 99 %igen Ersatzteil-Verfügbarkeit", so Wilhelm Houben. "Und was nicht vorrätig ist, beschaffen wir aus allen uns verfügbaren Quellen so schnell es geht."

Die gesamte Kiesel-Organisation ist mit dem Logistikzentrum vernetzt. Jeder kann direkt einsehen, ob ein Ersatzteil vorrätig und damit sofort lieferbar ist und es direkt ordern. Das intelligente System erkennt Standardaufträge und schleust sie ins Lager, wo der Auftrag mit Barcode-Unterstützung teilautomatisiert gepickt und für den Versand gerichtet wird. "Sobald der Auftrag ankommt, übernimmt das Logistikteam", so Houben. Der Clou dieses Logistikzentrums liege in der Aufteilung der Kompetenzen: Kiesel selbst hat das Zentrum vor vier Jahren konzipiert und gebaut. Betrieben wird es von einem externen Logistikunternehmen, das aktuell 34 Mitarbeiter beschäftigt. "Neben uns bedient unser Logistiker derzeit noch vier weitere Unternehmen, die hier ihre Ware eingelagert haben und über das Zentrum verteilen", berichtet Wilhelm Houben. "Unser Credo lautet: Logistik funktioniert immer perfekter, je größer sie wird. Heute haben wir in Bezug auf die Auslastung einen Schwellenwert überschritten, der uns als Mittelständler eine Schlagkraft verleiht, die man sonst nur von Großkonzernen kennt."

Was nicht vorrätig ist, wird schnellstens besorgt. "Unser eigenes 14-köpfiges Kiesel-Logistik-Team versteht sich als Problemlöser für den Kunden", so Houben. "Wir haben den großen Vorteil, dass wir direkt im Bürotrakt des Logistikzentrums sitzen und so nur wenige Schritte zu allen Beteiligten und allen Ersatzteilen haben."

Das sei auch notwendig, denn sein Team kümmere sich nur um die wirklich harten Nüsse. Da komme es schon mal vor, dass Ersatzteile, die nicht vorrätig sind, aus einer Bestandsmaschine oder einer kompletten Baugruppe ausgebaut werden müssten. Da sei neben Leistungsfähigkeit und hoher technischer Kompetenz auch die Kreativität der Mitarbeiter gefragt. Und damit dann auch das letzte Glied der Kette, der Versand, reibungslos und mitunter auch unkonventionell funktioniert, verlässt sich Kiesel dabei auf einen äußerst flexiblen Lieferdienst vor Ort. "Auf diese Fahrer ist absolut Verlass. Die finden auch noch nachts um 3.00 Uhr den unbeleuchteten Feldweg zur Baustelle, wenn es sein muss", bringt Wilhelm Houben die gute Zusammenarbeit auf den Punkt.

Service wird bei Kiesel in allen Bereichen großgeschrieben. So kosten Ersatzteile immer das Gleiche – egal ob sie zur regulären Geschäftszeit oder über einen nächtlichen Notruf geordert werden. Darüber hinaus werden die Transportkosten dem Kunden 1:1 durchgereicht. "Wir wollen nicht an den Problemen unserer Kunden verdienen, sondern ihnen als fairer Partner auf Augenhöhe zur Seite stehen", fasst Houben die Philosophie zusammen.

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