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Kiesel-Roadshow mit neuem Muldenkipper

Einmal quer durch Deutschland und Österreich

Der erste Termin der Kiesel-Roadshow fand im Gips-Steinbruch der Casea in Ellrich statt. Hier musste sich der neue Muldenkipper im harten Einsatz neben herkömmlichen Muldenkippern beweisen.

... lautet die Devise der über vier Monate laufenden Roadshow "R-Evolution", auf der Kiesel bis September den neuen knickgelenkten Allrad-Zweiachser Bell B45E einem breiten Kreis von Interessenten und Kunden näher bringen will. ABZ-Chefredakteur Kai-Werner Fajga war bei der Premiere im Steinbruch in Ellrich dabei und fragte Uwe Herber, Kiesel-Branchenleiter Gewinnung, was ihn dazu brachte, mitten in der Pandemie eine Roadshow mit Kundenkontakten zu realisieren.

Ellrich – Nach der Premiere im Gips-Steinbruch Ellrich der Casea GmbH Ende April mit gut 30 Teilnehmern aus rund 20 Unternehmen stehen noch insgesamt sechs Stationen auf dem Programm. Jeweils zentral gelegene Betriebe in den einzelnen Kiesel-Regionen – die ihre Werke für zweitägige Praxis-Vorführungen unter realen Betriebsbedingungen zur Verfügung stellen. Passend zum neuen Steinbruch-Allrounder Bell B45E 4x4, handelt es sich durchweg um mittlere Hartsteinbetriebe mit repräsentativen Abbaustätten und einem aussagekräftigen Vergleichsbestand an Großbaggern und -Ladern sowie Starrkippern oder Großdumpern aus den Kiesel-Linien oder von anderen Anbietern.

ABZ: Herr Herber, Kiesel hat mitten in der Pandemie die "Steinbruch-Allrounder"-Roadshow gestartet. Was war der Grund dafür?

Herber: Ein Anlass für die Roadshow war die Absage der Frühjahrs-Messen wie der MAWEV und insbesondere der STEINEXPO. Wir hatten ein neues Modell angekündigt und uns wurde von Seiten der Kundschaft Interesse an den Bell-Produkten signalisiert. Es bestanden konkret Vorführwünsche von einzelnen Kunden. Wir standen also vor dem Problem, dass wegen der Pandemie Messen auf absehbare Zeit nicht stattfinden können und uns damit eine Plattform fehlt, mit mehreren Kunden in Verbindung zu treten. Unsere Kunden wollten aber eine neue Maschine nicht nur per Text beschrieben oder im bebilderten Prospekt kennenlernen, sie wollten sie sehen und testen. Nun schränken einerseits die Bedingungen der Pandemie die Zahl der Teilnehmer für die Vorstellung eines Produkts an einem Ort stark ein. Anderseits stellte es sich als großes Hindernis heraus, für viele Kunden einen gemeinsamen Termin für einen zentralen Austragungsort zu finden. Das war der eigentliche Grund oder die Idee für die Roadshow. Wir wollten eine geregelte Vorführung des Produkts ermöglichen, und das mündete in ein Roadshowkonzept. Es war für uns schlicht einfacher, mehrere Termine an verschiedenen Orten zu planen, wobei die Transportbedingungen letztlich einen Zeitrahmen setzten.

Uwe Herber, Kiesel-Branchenleiter Gewinnung, stellt den ersten Teilnehmern der Kiesel-Roadshow den neuen knickgelenkten Muldenkipper Bell B45E 4x4 vor.

ABZ: Was meinen Sie damit?

Herber: Es braucht derzeit rund sechs bis zehn Wochen, um Transportgenehmigungen einzuholen. Das Fahrzeug, das wir vorführen, muss per Straßentransport zu den jeweiligen Einsatzorten gebracht werden. Da wir die normalen Fahrzeugbreiten mit einem Muldenkipper überschreiten, ist eine Begleitung durch Polizei vorgeschrieben und eine Streckenfreigabe muss vorab erfolgen. Und dann muss man noch die aktuellen Baustellensituationen auf den Autobahnen und Nebenstrecken berücksichtigen. Es ist also schon ein hoher Planungsaufwand im Vorfeld notwendig. Und das bedingt ein zeitliches Korsett für eine solche Roadshow.

ABZ:Die Roadshow ist bereits gestartet, die ersten Termine haben stattgefunden. Wie ist das Feedback der Teilnehmer auf das Roadshow-Konzept?

Herber: Wir hatten ein sehr hohes Interesse von Fachbesuchern, wobei es uns sehr gefreut hat, dass nur Entscheider vor Ort waren. Auf normalen Messen hat man viel Laufkundschaft und muss im Nachhinein aufwendig aufschlüsseln, welche Teilnehmer nur allgemeines Interesse zeigen, oder wo eventuell Kaufinteresse besteht. Das fällt bei diesem Konzept weg. Im Vorfeld der Roadshow hatten wir über unseren Vertrieb ein Profil von möglichen Interessenten angelegt. Hier waren nur Steinbruchbetreiber im Fokus, die bereits Muldenkipper in der Klasse von 40 bis 60 Tonnen im Betrieb haben. Die haben wir dann gezielt nachgefragt beziehungsweise eingeladen. Was letztlich dazu führte, dass wir 20 Kunden mit ungefähr 30 Personen für eine Teilnahme am ersten Event begeistern konnten, verteilt auf zwei Tage. Wir hatten dann verschiedene Timeslots verteilt, um auch Hygiene-bestimmungen einhalten zu können. Positiv war, dass die Chefs auch tatsächlich alle kamen. Was wir etwas unterschätzt haben, ist, dass weniger Fahrer als erwartet an den Events teilnehmen können, was von den jeweiligen Reisebestimmungen abhing. Manche Unternehmen hatten Reiseverbote erlassen. Wir hatten natürlich nicht so viele Kontakte, wie auf einer Messe, aber dafür war die Qualität der Kundenkontakte viel höher. Wir hatten letztlich nur Interessenten vor Ort, die in den kommenden 6 bis 18 Monaten Investitionen planen. Das Feedback der Kunden war bisher durchweg positiv.

ABZ: Was gefällt den Kunden/Teilnehmern besonders am Roadshow-Konzept?

Herber: Dass wir mit dem Muldenkipper ein Produkt vorführen konnten, das man eigentlich nur in einem Steinbruch präsentieren kann. Sie finden dort reale Einsatzbedingungen, die man auf keinem Testgelände simulieren kann. Wir haben zwar auch unser Coreum-Vorführgelände und hatten dort auch Termine der Roadshow geplant, allerdings eher für Fahrer. Aber beispielsweise Beladesituationen wie in einem Steinbruch kann man dort nicht realisieren. Oder anspruchsvolle Steigungsverhältnisse auf schwierigen Bodenverhältnissen. Deshalb haben wir die Coreum-Termine dann zugunsten von zwei Terminen in Österreich – wieder vor Ort in Steinbrüchen – umgelegt.

ABZ: Ihr Partner Bell hat zur Roadshow ein neues Modell vorgestellt. Was zeichnet dieses Modell aus?

Herber: Wir haben dort den Bell B45E 4x4 vorgestellt, also einen knickgelenkten Muldenkipper als Zweiachser mit einer Ladekapazität von 45 Tonnen. In unserem ersten Roadshow-Standort hat der Kunde dreiachsige Muldenkipper mit 40 Tonnen Ladekapazität im Einsatz. Und so konnten sich Kunden sehr gut von der Wendigkeit des Zweiachs-Konzepts überzeugen. Der Bell B45E konnte auf Plätzen wenden, wo andere Fahrzeuge mehrfach reversieren müssen. Das kostet Zeit und beansprucht das Reifenmaterial höher. Man konnte auch sehen, dass das Fahrzeug mit vier Reifen auf der Hinterachse auf nassen Untergründen genauso gut voran kommt, wie ein Dreiachser. Und das mit der typischen SKW-Zwillingsbereifung auf der Hinterachse, die für felsige Untergründe ausgelegt waren. Da konnte sich schon jeder ausmalen, dass die Einsparungen bei Reifenkosten erheblich sein werden.

Ein großer Vorteil der Knicklenker-Bauweise gegenüber Starrahmen ist ihre Wendigkeit. Gleichzeitig schont das die Reifen der Fahrzeuge.

ABZ: Warum unterscheiden Sie zwischen Dumpern und knickgelenkten Muldenkippern?

Herber: Im allgemeinen Sprachgebrauch sprechen wir bei Knicklenkern immer von einem Dumper, was ja auch Muldenkipper bedeutet. Kunden assoziieren hier aber meist den dreiachsigen, allradgetriebenen Muldenkipper, der hauptsächlich im Erdbau eingesetzt wird und maximale Traktion bieten soll. Wir nennen unsere Muldenkipper knickgelenkte Muldenkipper, um auf die veränderte Lenkung und das Einsatzgebiet der Muldenkipper in Hartsteinbetrieben hinzuweisen. Sie sind vergleichbar mit den SKW, also zweiachsigen Schwerkraftwagen, wie sie in Tagebauen oder Steinbrüchen eingesetzt werden.

ABZ:Was sind die wesentlichen Neuerungen oder Verbesserungen gegenüber den Vorgängermodellen?

Herber: Die klassischen Dreiachser haben auf festen Untergründen höhere Rollwiderstände als Zweiachser. Sprich, der Kraftstoffverbrauch ist bei Zweiachsern geringer als bei einem Dreiachser gleicher Ladekapazität. Das heißt auch, die Betriebskosten sinken vergleichsweise. Zudem kann der Bell B45E schneller beladen werden, da er über eine breitere Mulde verfügt. Bei längeren Mulden dauert der Be- und Entladevorgang länger. Das bedeutet, die Produktivität ist bei einem Zweiachser ebenfalls höher. Dass der Reifenverschleiß geringer ist und die Betriebskosten ebenfalls niedriger ausfallen hatte ich ja schon erwähnt. Zudem tritt der B45E 4x4 heute so auf, wie der B60E, den wir vor zwei Jahren neu vorgestellt haben. Das heißt, der Fahrkomfort wurde durch den Einbau einer Federung deutlich verbessert. Das Fahrzeug verhält sich letztlich so, wie ein voll gefederter Dreiachser und kann beispielsweise Bodenwellen ebenso gut ausgleichen. Das schont vorbereitete Fahrtrassen und zudem kann der B45E 4x4 aufgrund seiner Leistungsdaten in vorhandenen Flotten der Betreiber problemlos eingesetzt werden. Das war auch ein Punkt, der von Kunden eingefordert wurde, und den sie in den Praxiseinsätzen vorgeführt haben wollten. Zudem haben wir die Muldenform beim B45E 4x4 noch verändert. Sie wurde jetzt mit einer rechtwinklig zur geraden Stirnwand stehenden, verlängerten Seitenwand versehen, damit Radladerfahrer die Beladung der Mulde besser einschätzen können. Sie können jetzt die gesamte Muldenlänge einsehen und das Felsgestein genau in der Mulde platzieren. Und das wurde uns auch in der Praxis von den Fahrern bestätigt.

ABZ:Hat das Roadshow-Konzept bis jetzt funktioniert?

Herber: Ja, und zwar sehr gut. Wir waren in Ellrich insgesamt zwei Wochen vor Ort. Das heißt für zwei Tage laden wir mehrere Teilnehmer ein und den Rest der Zeit kann der Betreiber das Fahrzeug testen. Ich sehe mich da auch bestätigt in dem Konzept, denn die Kundenwünsche hätten wir letztlich anders nicht umsetzen können. Wir wurden ja quasi von Kunden angeleitet, so vorzugehen. Denn viele hatte im Vorfeld gesagt, dass Präsentionen in Bild und Text schön seien, man das aber nicht vor Ort überprüfen könne. Dazu muss man wissen, dass die Branche seit 50 Jahren Starrahmen-Muldenkipper im Einsatz hat und diese Fahrzeuge in – und auswendig kennt. Über das neue Konzept eines knickgelenkten Muldenkippers hätte ich viel erzählen können, aber der Einsatz beim Kunden hat diese dann letztlich überzeugt. Man darf auch nicht vergessen, dass wir bei diesem Fahrzeug dieselben Erwartungen an die Lebensdauer stellen, also die Einsatzzeit im Betrieb, wie bei den klassischen Fahrzeugen. Und da sprechen wir von mindestens 20 000 Stunden bei entsprechender Wartung. Bei einem Dumper geht man in der Regel von der Hälfte der Lebensdauer aus, also nur 10 000 Stunden. Einer unsere Kunden in Österreich, bei dem der letzte Roadshow-Termin stattfindet, hat uns jetzt schon signalisiert, dass wenn das Fahrzeug den vor Ort gestellten Anforderungen gerecht wird, er es am liebsten gleich dort behalten würde. Und das will bei den schwierigen Gegebenheiten von Boden und Gelände in dem Steinbruch schon etwas heißen. Insofern war die Roadshow schon jetzt ein voller Erfolg.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 21/2021.

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