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Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit in Einklang bringen

Von Roland Meißner, Geschäftsführer des Bundesverbandes Kalksandsteinindustrie e. V., Hannover

Die wissenschaftlichen Tatsachen, aber auch die aktuellen politischen Beschlüsse führen uns zunehmend die Dringlichkeit eines effektiven Klimaschutzes und einer nachhaltigen Verminderung der CO2-Emissionen vor Augen. Die erforderliche Reduzierung des CO2-Ausstoßes wird die gesamte Gesellschaft in den nächsten Jahren vor erhebliche Herausforderungen stellen. Wir nehmen diese Herausforderungen an und werden mit der Kalksandsteinindustrie unseren Beitrag zur Verringerung der Emissionen und damit zu einem zukunftssicheren Klimaschutz leisten.

Zugleich sehen wir aber die Notwendigkeit, die ökologisch erforderlichen Veränderungen mit vertretbaren ökonomischen Rahmenbedingungen für alle Beteiligten in Einklang zu bringen. Damit Bauen und Wohnen bezahlbar bleiben beziehungsweise in einigen Regionen auch erst wieder werden kann, sind energieeffiziente und ressourcenschonende, dabei aber auch schnelle und rationelle Bauweisen notwendig. Potenzial für den wirtschaftlichen Mauerwerksbau haben aus unserer Sicht besonders zeitsparende Mittel- und Großformate aus Kalksandstein sowie – speziell im modularen Bauen – fertig zugeschnittene und vorkonfektionierte Wandbausätze, die kostenschonende Standardisierung mit einem Höchstmaß an individueller Gestaltungsfreiheit kombinieren. Vom Klimaschutzprogramm 2030 sowie seiner nach Branchen aufgesplitteten Reduzierung und Bepreisung der CO2-Emissionen sind die Baustoffe in den Sektoren Gebäude, aber auch Industrie und Verkehr betroffen. Im Sektor Industrie geht es um energieeffiziente und emissionsarme Produktionsprozesse, bei denen Kalksandstein aufgrund seiner natürlichen Rezeptur und seiner rohstoffschonenden Herstellungsweise eine ausgesprochen gute Ökobilanz aufweist.

Die Umweltproduktdeklaration (EPD) bestätigt den geringen Primärenergiebedarf und den guten CO2-Footprint bei der Herstellung von Kalksandstein. Ähnlich günstig sieht die Situation im Klimaschutzsektor Verkehr aus, weil die ausschließlich heimischen Rohstoffe von Kalksandstein in der Regel nahe den Produktionsstätten gewonnen werden und auch die fertigen Produkte durch ein dichtes regionales Netz an Fertigungswerken keine weiten Transportwege verursachen. Im fertigen Gebäude überzeugt Kalksandstein durch die lange und darum ausgesprochen nachhaltige Nutzungsdauer von massivem Mauerwerk sowie das hohe Maß der späteren Wiederverwertbarkeit: im Straßen-, Garten- und Landschafts- oder auch Deponiebau.

Während der Nutzungsdauer leistet Kalksandstein mit seinem hohen Wärmespeichervermögen und seiner zielgenau optimierbaren funktionsgetrennten Außenwand einen wichtigen Beitrag zur Energieeffizienz und damit zur Einhaltung der Umweltziele im Klimaschutzsektor Gebäude.

Im Jahr 2020 werden der Bundesverband Kalksandsteinindustrie e. V. und die Forschungsvereinigung Kalk-Sand e. V. im Verbund mit unseren Mitgliedswerken weiter an der Verbesserung der Umweltbilanz arbeiten, zum Beispiel, indem wir weiter an der kontinuierlichen Optimierung unserer Produktionsprozesse forschen, aber auch durch Innovationsworkshops zum Thema Klimaschutz und CO2-Strategie.

Einen weiteren Entwicklungsschwerpunkt bildet das Thema Digitalisierung, zum Beispiel durch den Einsatz von Seilrobotern auf der Baustelle. Mit ihnen lassen sich in kürzerer Zeit größere Mauerwerksvolumina bei gleichem oder sogar reduziertem Personaleinsatz errichten. Die speziell für großformatige und vorkonfektionierte Wandbausätze ausgezeichnet geeigneten Roboter sind damit auch eine Antwort auf den Fachkräftemangel. Eine logische Konsequenz dieser Digitalisierung ist die künftige Vernetzung der gesamten Prozesskette vom Rohstoff über die Produktion im Werk und die Auslieferung bis hin zum fertigen Mauerwerk, an der ebenfalls aktiv geforscht wird.

Der Klimaschutz und seine wirtschaftlich nachhaltige, sozial ausgewogene Umsetzung benötigen neben der Klimagesetzgebung auch stabile wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen. Mit Sorge sehen wir den Genehmigungsstau in den öffentlichen Verwaltungen und die zögerliche Baulandausweisung in den Kommunen, die bereits 2019 zu einem Rückgang bei den genehmigten Wohnungen geführt hat. Auch die Zunahme an Regulierungen und speziell die Überlegungen zum Mietendeckel schaden den Investitionen in den Wohnungsbau, die in Ballungsgebieten in den Folgejahren dringend erforderlich sind. Erste negative Auswirkungen lassen sich in Berlin beobachten, wo bereits Bau- und Wohnungsunternehmen geplante Projekte und Aufträge storniert haben. Wenn selbst das Bundesministerium des Inneren für Bau und Heimat oder der frühere Präsident des Verfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, Mietendeckel als verfassungswidrig einschätzen, sollte die Diskussion um eine bundesweite Ausdehnung dieses extrem bürokratischen und investitionsfeindlichen Instruments eigentlich zu Ende sein.

Zu einem vollständigen Lagebild am Anfang des neuen Jahres gehört aber auch der Hinweis, dass die Baugenehmigungen zuletzt weiter gesunken sind und auch die Zahlen der fertiggestellten Wohnungen, trotz des erheblichen Bauüberhangs, weiterhin wenig Anlass zu Optimismus bieten. Grund hierfür ist nicht zuletzt der Ausführungsstau der Bauindustrie, wofür unter anderem der schon angesprochene Fachkräftemangel sowie die insgesamt hohe Auslastung der Bauwirtschaft verantwortlich sind.

Diese nicht einfachen Rahmenbedingungen führen dazu, dass wir in den nächsten Jahren eine eher stagnierende Entwicklung der Baufertigstellungen erleben werden. Dennoch erwarten wir nach einer enttäuschenden Nullrunde im Jahr 2019 für das Jahr 2020 einen stabilen Kalksandsteinabsatz.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 01/02/2020.

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