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Kommentar

Akku leer

Robert Bachmann

Walter Stuber und Dirk Eckart betreiben in Roßwein bei Dresden ein mittelständisches Handwerksunternehmen, das sich unter anderem auf Sonderlösungen im Gerüstbau spezialisiert hat. Die beiden umtriebigen Geschäftsführer sind ihrer Zeit gern voraus. Für 2021 hatten sie deshalb geplant, den gesamten regionalen Fuhrpark ihres Unternehmens auf Elektrofahrzeuge umzustellen. Kaufprämien und steuerliche Begünstigungen machen die Anschaffung der Fahrzeuge neben dem ökologischen Nutzen für den Betrieb auch finanziell attraktiv. Eine klassische Win-win-Situation, möchte man meinen. Die Planung der entsprechenden Ladeinfrastruktur machte den Unternehmern jedoch schnell einen Strich durch die Rechnung.

Die Errichtung einer ausreichend leistungsstarken Stromtankstelle, inklusive aufwändigem Anschluss an das lokale Stromnetz, würde einen sechsstelligen Betrag kosten. Während private Nutzer in diesem Bereich noch auf Förderungen zurückgreifen können, schauen gewerbliche Anwender in die Röhre. Stubers und Eckarts Stromtankstellenplanung offenbart zudem ein weiteres grundlegendes Problem: die mangelnde Verfügbarkeit von (Fahr)Strom, insbesondere von grünem (Fahr)Strom in Deutschland. Würde auch nur ein Zehntel der Menschen in Deutschland tatsächlich abrupt aufs Elektromobil umsteigen, müssten wir uns bei der aktuellen Versorgungslage wieder mit regelmäßigen und flächendeckenden Stromausfällen anfreunden.

Stuber und Eckart sind mit ihrem Problem nicht allein. Viele Handwerksbetriebe würden in puncto Elektromobilität gerne mit gutem Beispiel vorangehen. Einerseits, um ihrer Verantwortung für den Klimaschutz nachzukommen. Andererseits, weil Mobilität im urbanen Raum für sie Arbeitsgrundlage ist und ihre herkömmlichen Dieselfahrzeuge zunehmend von Regulierung und Fahrverboten bedroht sind. Die Elektromobilisierung scheitert im gewerblichen Mittelstand jedoch am komplizierten und kostspieligen Aufbau der erforderlichen Ladeinfrastruktur.

Der Aufbau einer leistungsfähigen Ladeinfrastruktur im gewerblichen Bereich wäre ein wichtiger Hebel für das Vorantreiben der vielbeschworenen Mobilitätswende, von dem auch Privatanwender profitieren könnten. Der Wille zur Umsetzung solcher Projekte ist bei vielen Betrieben zweifelsfrei vorhanden. Umso enttäuschender ist es, dass Anreize durch die Politik für gewerbliche Nutzer Mangelware sind und eher das Etikett "unsichtbar" verdienen. Da bleibt der Akku eben leer . . .

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