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Kommentar

Attraktivität erhöhen

Kai-Werner Fajga

Am 17. März 2021 hat das Bundeskabinett beschlossen, das Bundesprogramm "Ausbildungsplätze sichern" zu verlängern und auf das Ausbildungsjahr 2021/2022 auszuweiten. Im Programm enthalten sind beispielsweise die Erhöhung der Prämien für Neueinstellungen, für die Übernahme von Auszubildenden oder die Ausweitung der Förderung zur Vermeidung von Kurzarbeit. In ihren eigenen Worten hat die Bundesregierung "den mit dem Bundesprogramm gespannten Schutzschirm für Auszubildende länger aufspannt und verbreitert".

Die Entscheidung kommt zur richtigen Zeit, denn wie Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks kommentiert: "Viele Betriebe blicken mit Sorge auf ihre wirtschaftliche Situation. Damit eng verbunden ist die Frage, ob sie weiterhin Ausbildungsplätze anbieten können."

Ernsthafte wirtschaftliche Nöte hat die Baubranche zwar bisher nicht auszustehen, aber auch Nicole Simons, Mitglied des Bundesvorstandes der IG BAU bestätigt: "Die Covid-19-Pandemie hat schon heute so viele negative Auswirkungen auf unsere Wirtschaft wie auf unser ganzes Leben. Da kann ich es nur begrüßen, wenn das Bundesarbeitsministerium an die Zukunft der jungen Menschen denkt". Besonders die verdoppelten Prämien für Ausbildungsbetriebe seien "gut angelegtes Geld mit hoher Rendite", da man so dem "in unseren Branchen herrschenden Facharbeitermangel" begegnen könne, so Simons.

Mit einem für dieses Jahr geplanten "Sommer der Berufsausbildung" wollen Partner der "Allianz für Aus- und Weiterbildung", die aus Vertreterinnen und Vertretern von Bund, Wirtschaft, Gewerkschaften, Ländern und der Bundesagentur für Arbeit besteht, Jugendliche und Betriebe für die betriebliche Ausbildung gewinnen. Trotzdem muss die Frage erlaubt sein, ob Anzahl und Umfang solcher Aktionen ausreichen, um den seit Jahren anhaltenden Trend des Fachkräftemangels und der schwindenden Attraktivität von Ausbildungberufen zu begegnen?

Es stimmt positiv, dass die Anzahl der Beschäftigten im Baugewerbe seit 2005 kontinuierlich zunimmt, von 2,18 Millionen (2005) auf 2,56 Millionen im Jahr 2020 (Statistisches Bundesamt). Allerdings belegen andere Untersuchungen auch den anhaltenden Strukturwandel in Deutschland: Im Dienstleistungssektor sind heute drei Viertel aller Erwerbstätigen beschäftigt, das sind 2,1 Prozent mehr als 2005. In der Land- und Forstwirtschaft sank der Job-Anteil seither um 0,4 Prozent (1,3 Prozent Gesamt), im produzierenden Gewerbe um 1,7 Prozent (18,2 Prozent Gesamtanteil).

Das Baugewerbe tritt seit 15 Jahren quasi auf der Stelle: Waren 2005 5,8 Prozent der Erwerbstätigen im Bau beschäftigt, sind es heute 5,7 Prozent. Es sind also deutlich mehr Anstrengungen notwendig, um mehr Aufmerksamkeit auf eine Ausbildung in der Baubranche zu lenken und die Attraktivität und Karrierechancen der Branche ins Bewusstsein der heranwachsenden Generation zu rücken.

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