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Kommentar

Aufträge kommen nicht von allein

Robert Bachmann

Im Umgang mit der Corona-Pandemie wollen die Länder das Heft künftig wieder selbst in die Hand nehmen. Dennoch sind sie gerade jetzt auf den Bund angewiesen. Vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht. Das zeigt sich unter anderem in den aktuellen Zahlen zur Auftragslage in der Bauwirtschaft. Sie hatte sich über weite Strecken als eine der wenigen konjunkturellen Wohlfühloasen in der Corona-Krise erwiesen.

Doch auch am Bau haben die Sorgenfalten zuletzt zugenommen. So zeigen etwa jüngst veröffentlichte Zahlen des Statistischen Bundesamtes teils massive Einbrüche beim Auftragseingang bereits zu Beginn der landesweiten Einschränkungen im März. Demnach ist der Auftragseingang im öffentlichen Bau in diesem Zeitraum um 9,6 Prozent zurückgegangen, im Wirtschaftsbau um 3 Prozent und im Straßenbau sogar um 12,4 Prozent.

Nicht nur für die Branchenverbände sind diese Zahlen alarmierend. Erste Auswirkungen zeigen sich beispielsweise in den derzeit laufenden Tarifverhandlungen am Bau. Nach einer Corona-bedingten Aussetzung wurden diese erst kürzlich wieder aufgenommen, dann jedoch ergebnislos vertagt, da unter anderem die Standpunkte zur wirtschaftlichen Situation der Branche und damit die Bereitschaft auf eine Annäherung, insbesondere im strittigen Punkt der Wegekosten, grundverschieden sind. Lässt sich dieser Konflikt nicht auflösen, droht eine erneute Schlichtungsrunde wie im vergangenen Jahr – ein denkbar schlechtes Signal an die so dringend benötigten Fachkräfte und den beruflichen Nachwuchs.

Ein Grund für die so unterschiedlichen Positionen ist, dass die bisherige Umsatzentwicklung am Bau bislang besser aussieht, als die derzeitige Situation es vermuten lassen würde. Im ersten Quartal 2020 zeigt diese eine Steigerung von 12 Prozent. Wie die Zahlen aus Wiesbaden zur Auftragsentwicklung jedoch nahelegen, ist die damit verbundene Sicherheit trügerisch. Die Branchenverbände gehen aktuell im besten Fall von einem Nullwachstum im Gesamtjahr aus. Ein Rückgang bisher unbekannten Ausmaßes kann jedoch auch nicht ausgeschlossen werden.

Viele Gründe also für Bund und Länder, sich zügig auf ein Hilfspaket für die zunehmend klammen Kommunen zu einigen. Diese brauchen nun dringend Unterstützung bei der Umsetzung kommunaler Projekte. Die Investitionsstaus der jüngsten Vergangenheit haben schließlich gezeigt, dass Aufträge kein Automatismus sind.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 22/2020.

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