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Kommentar

Aus der Portokasse

Kai-Werner Fajga

Jüngst gab es einen großen Geldregen für die Automobilindustrie: Kurz vor der Bundestagswahl brachte die Bundesregierung noch den "Zukunftsfonds" mit einem Volumen von einer Milliarde Euro an den Start. Der Fördertopf soll die Zukunftsorientierung der Autobranche voranbringen, vor allem von Zulieferbetrieben. Finanzminister Olaf Scholz sagte anlässlich des jüngsten Autogipfels: "Unser Ziel ist, dass die deutsche Automobilindustrie die klimafreundlichen Autos der Zukunft baut, neue Arbeitsplätze entstehen und Wertschöpfung erhalten bleibt."

Wer das hört, könnte fast glauben, dass da ein lahmer Gaul auf Trab gebracht werden muss. Tatsächlich fährt die Autoindustrie Rekordgewinne ein: Mercedes verbuchte im zweiten Quartal 2021 einen Gewinn von 3,7 Milliarden Euro, BMW von 4,7 Milliarden und VW sogar 11 Milliarden Euro. Freilich bergen der von oben verordnete schnelle Klimawandel und die Elektromobilität große Herausforderungen, aber könnten die Autokonzerne das angesichts solcher überaus üppiger Finanzpolster mit ihren Zuliefer-Partnern nicht allein stemmen – aus ihren Portokassen?

Vielleicht lohnt sich auch einmal der Blick aus einer anderen Perspektive: Der Automobilindustrie wird ein Anteil von rund 5 Prozent an der Bruttowertschöpfung in Deutschland zugeschrieben. Die Baubranche steht für 6 Prozent der Bruttowertschöpfung. Wie wäre es also, wenn unsere Politiker mal ihre rosarote Autobrille absetzten und Unternehmen der Bauindustrie bei der Digitalisierung und Zukunftsorientierung unterstützten? So ein kleiner Milliarden-Fördertopf für die Baubranche wäre doch eine feine Sache vor der Wahl.

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