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Kommentar

Corona ist nicht an allem Schuld

Kai-Werner Fajga

Ich gebe zu, es hat wirklich lange gedauert, bis ich der Argumentation des Handelsblatt-Kommentars am Dienstag – "Die grüne Wende in Europas Energiebranche ist endlich da" – folgen konnte. Die frohlockende Autorin schreibt dort wörtlich, dass es "eine globale Pandemie und 20 Jahre" gebraucht habe, damit die Energiewende nun für viele Unternehmen "zu einer Frage des wirtschaftlichen Überlebens" geworden sei. Wer jetzt wie ich nicht sofort versteht, warum der Coronavirus nun auch dafür verantwortlich sein soll, dass sich Unternehmen mit einem "grüne Wende"-Virus infiziert haben, dem werden zweieinhalb Dinge erklärt.

Erstens, die Preise für erneuerbare Energien purzelten überall, weshalb Energieerzeuger fossiler Brennstoffe weniger Profite erwarten – weshalb sie massiv in erneuerbare Energien investierten. Zweitens, in Corona-Zeiten seien es "nachhaltige Unternehmen", die sich als besonders krisenfest herausgestellt hätten. Als Beispiele werden Wind- und Solarparkbetreiber, Wechselrichter- und Modulhersteller genannt. Und zweieinhalb (weil nicht weiter ausgeführt): der Kohleausstieg 2038 sei beschlossene Sache, der nationale CO2-Preis komme und der Druck von Gesellschaft, Aktivisten, Investoren und Politik wachse "in einer nie da gewesenen Geschwindigkeit".

Haben Sie jetzt verstanden, warum Corona eine "grüne Wende" auslöst? Nein? Ich auch nicht. Macht auch nix, denn das ist einfach nur Unsinn. Ganz und gar kein Unsinn ist, dass die beschlossene Energiewende und der gesellschaftliche Druck eine grüne Wende in der Bauwirtschaft auslösen werden – soweit nicht schon geschehen.

Bauen ist einer der größten CO2-Emittenten und mit der jetzt umgesetzten CO2-Abgabe und mehr oder weniger klar formulierten Klimazielen hat die Politik Duftmarken gesetzt, die zeigen, wohin die Reise gehen wird. Entsprechende Förderprogramme für klimagerechtes Bauen und Sanieren sollen dafür sorgen, dass es dabei nicht nur bei Lippenbekenntnissen bleibt. Unternehmen der Baubranche müssen ihren Kunden erklären können, dass Eigenschaften wie Nachhaltigkeit, Klimaneutralität oder Energieeffizienz bereits "gelebt" werden. Können Sie das?

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