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Kommentar

Der schwierige Teil kommt jetzt

Robert Bachmann

Neues Jahr, neues Glück, sagt der Volksmund. Es steckt viel Aberglaube in der Annahme, dass der Jahreswechsel stets mit einem klaren Schnitt verbunden ist, der einen frischen Neustart – unbelastet von den Entwicklungen und Widrigkeiten des Vorjahres – ermöglicht. Was der Jahresbeginn hingegen offeriert, ist eine kurze Zeit der Besinnung, in der man das Zurückliegende reflektieren, bewerten und daraus lernen kann. Herausforderungen, die zuvor nicht bewältigt werden konnten, lösen sich jedoch in der Silvesternacht nicht einfach in Luft auf.

Für das anstehende Jahr gilt das wohl mehr denn je. Die aktuelle Entwicklung ist ernüchternd, wenn auch nicht überraschend: Das Virus ist noch lange nicht besiegt, die Einschränkungen bleiben, werden teilweise verschärft, und für viele ohnehin schon stark von der Pandemie betroffene Menschen und Betriebe geht der schwierige Teil jetzt erst los.

Auch in der Bauwirtschaft, die das vergangene Jahr vergleichsweise sehr gut überstanden hat, trübt sich der Ausblick zunehmend ein, wie Sie auch unseren Bauaussichten ab Seite 4 in dieser Ausgabe der ABZ entnehmen können. Nach wie vor mangelt es weder an Geldern noch an Aufgaben. Die großen Baustellen des Landes, insbesondere im Wohnungs- und Verkehrswegebau sind noch auf lange Sicht nicht abgearbeitet.

Jedoch kann das Auftragspolster, das die Bauwirtschaft so unbeschadet durch das Jahr 2020 getragen hat, in diesem Jahr nicht mehr die mutmaßlich sinkende Investitionsbereitschaft bei den Kommunen, den nach wie vor eklatanten Mangel an Planungskapazitäten sowie die pandemiebedingten Einbrüche im Gewerbe- und Wirtschaftshochbau kompensieren.

Hinzu kommt das Mammutprojekt, die Zuständigkeiten der Länder im Bundesfernstraßenbau auf die neue Autobahn GmbH des Bundes zu übertragen. Dass ein solches Vorhaben nicht reibungslos verlaufen kann, war abzusehen. Die sich jetzt schon abzeichnenden Auftragsrückgänge im Infrastrukturbau kommen jedoch zur Unzeit.

Die Bauwirtschaft hat im vergangenen Jahr große Anstrengungen unternommen, arbeits- und leistungsfähig zu bleiben. Damit ist sie nicht nur ihrer Grundfunktion nachgekommen, Wohnraum und Infrastruktur zu schaffen und zu erhalten, sondern hat wesentlich zum Erhalt der Gesamtwirtschaft in der Krise beigetragen.

Mit Blick auf die schwierigen Startbedingungen des neuen Jahres, sind Politik und öffentliche Hand nun mehr denn je in ihrer Bauherrenfunktion gefordert, den Konjunkturmotor Bau nicht absaufen zu lassen.

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