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Kommentar

Der Tisch bleibt voll

Robert Bachmann

Das Jahr ist fast rum, der Tisch bleibt voll. Als Vertreter der Bauindustrie erzähle ich Ihnen da nichts Neues. Viele Aufgaben sind auch 2019 unerledigt geblieben. Das liegt in der Natur der Sache und ist nicht zwangsläufig etwas Schlechtes. So sind gerade die noch immer prall gefüllten Auftragsbücher die Grundlage dafür, dass die Bauwirtschaft trotz der gesamtkonjunkturellen Eintrübung mit großer Zuversicht in das kommende Jahr gehen kann.

Auch darüber hinaus wird Deutschland auf lange Sicht nicht fertig gebaut sein. Die Politik hat in den vergangenen Jahren gut daran getan, diesen historischen Irrtum zu korrigieren. Und doch hat sie sich gerade zuletzt zu sehr mit sich selbst aufgehalten, statt wichtige Weichenstellungen vorzunehmen, um die Konjunkturlokomotive Bau nicht in eine Sackgasse fahren zu lassen. Essentielle Fragen, etwa zur steuerlichen Förderung der energetischen Sanierung, stehen kurz vor dem Jahreswechsel noch auf wackligen Beinen, obwohl gerade letzteres nicht nur für die Bauwirtschaft an sich, sondern gesamtgesellschaftlich von großer Bedeutung ist.

Auch der Fachkräftemangel, erst kürzlich in einer Umfrage unter Handwerksunternehmen wieder als größtes Geschäftsrisiko identifiziert, scheint sich eher zu verschärfen als zu bessern. Vollständig lösen wird ihn auch das Fachkräfteeinwanderungsgesetz nicht, welches kürzlich noch im Kanzleramt begipfelt wurde und im kommenden Jahr in Kraft treten soll. Damit verknüpft sind viele gute Absichten, dennoch greift es zu kurz, um dem Ausmaß des Problems sowie der Vielfalt der betroffenen Branchen und Berufsfelder gerecht zu werden.

Die Liste der Aufgaben und Herausforderungen für das kommende Jahr ließe sich beliebig weiterführen: Bürokratieentlastungsgesetz auf den Weg bringen, Bauland mobilisieren, Digitalisierung vorantreiben etc. Wenn sich das gesamtwirtschaftliche Umfeld im kommenden Jahr weiter eintrübt, wird sich zeigen, wie stabil die Bauwirtschaft wirklich ist. Dafür braucht es mehr denn je entsprechende Rahmenbedingungen, die nur im konstruktiven Miteinander zwischen einer handlungsfähigen Politik und Wirtschaft erarbeitet werden können. Vielleicht nicht bei Kerzenschein im Kreis der Familie vor dem Weihnachtsbaum, aber mit voll geladenem Akku im neuen Jahr. Hierfür wünscht das Team der ABZ allen Leserinnen und Lesern ein erholsames Fest und einen guten Rutsch.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 51/2020.

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