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Kommentar

Die Rente ist (un)sicher

Robert Bachmann

Ganze 22 Jahre ist es jetzt her, dass sich der damalige Arbeits- und Sozialminister Norbert Blüm mit seinen Worten zur umstrittenen Rentenreform fest ins kollektive Gedächtnis der Gesellschaft einbrannte. Sicher ist seitdem Weniges. Insbesondere für jüngere Menschen ist die finanzielle Absicherung im Alter ein einziges Reizthema. Vor allem weil sich die Aussichten eher verschlechtern als verbessern.

Auch der jüngste Einwurf der Bundesbank sorgt für wenig Optimismus. Angesichts der demographischen Entwicklung und der steigenden Lebenserwartung sollte das Rentenalter bis 2070 auf 69 angehoben werden, so der Vorschlag der Ökonomen. Die gute Nachricht vorweg: Für eine Entscheidung in dieser Sache ist die Position der Bundesbank zunächst unerheblich. Allerdings: Völlig haltlos ist ihre Rechnung auch nicht. Auf die Praxis bezogen greift eine reine Versicherungsmathematik, wie sie hier angewendet wird, jedoch deutlich zu kurz. Schon deshalb, weil die Berufslandschaft sehr unterschiedliche Anforderungsprofile aufweist. Zwischen dem Büro und der Baustelle beispielsweise liegen Welten.

Während sich manch ein Arbeitnehmer auch im hohen Alter kaum vom Arbeitsleben trennen kann, müssen anderswo gezielt Präventions- und Unterstützungsmaßnahmen ergriffen werden, um zu verhindern, dass Arbeitnehmer aufgrund körperlicher Dauerbelastung nicht bereits vor dem Eintritt ins Rentenalter in die Arbeitsunfähigkeit geraten.

Schon wegen des zunehmenden Fachkräftemangels spricht im Grunde nichts dagegen, Menschen länger im Arbeitsleben zu halten, wenn sie das wollen. Hier gibt es durchaus Potenzial, das Teil der Lösung sein kann und das es voll auszuschöpfen gilt. Sich dabei jedoch allein auf die Festlegung eines höheren Rentenalters zu konzentrieren, ist zu wenig. Ein komplexes Problem erfordert komplexe Lösungsansätze.

Positive Beispiele finden sich beispielsweise in Schweden, wo Arbeitnehmer den Übergang in die Rente heute sehr flexibel gestalten können. Gerade in körperlich anstrengenden Berufsfeldern müssen Möglichkeiten der Entlastung – technischer Natur, aber auch in Form von Umschulungen – gefunden werden, damit Arbeitnehmer auch im gehobenen Alter noch konstruktiv zum Arbeitsleben beitragen können. Jene, die das vor dem 69. Lebensjahr nicht mehr können und wollen, schlichtweg abzustrafen, wäre hingegen der falsche Weg.

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