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Kommentar

Digitalisierung ist ein Hammer

Robert Bachmann

Wie geht eigentlich Digitalisierung? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Baubranche seit einigen Jahren mit Hochdruck. Wer möchte, kann hierzu zahlreiche Veranstaltungen im Jahr besuchen, auf denen meist ein ähnliches Lied gesungen wird: Mutig sein oder abgehängt werden – wahlweise vom Skandinavier, dem Chinesen oder einem der Technologie-Riesen aus dem SiliconValley. Altmaier lässt grüßen. Bei all den Schlagwörtern, Software-Lösungen und Leuchtturmprojekten, die einem dort begegnen, kann einem schon mal schwindelig werden.

Gefühlt hat die Unsicherheit bezüglich der Frage, wie man das eigene Unternehmen nun erfolgreich ins digitale Zeitalter bringt, kaum abgenommen. Wie zum Beleg dafür erscheinen mit großer Regelmäßigkeit neue Studien und Umfragen, die der Branche ein ums andere Mal bescheinigen, wie digital unterentwickelt sie doch ist. Da kann eine positive Aufbruchstimmung schnell auch mal in Frust umschlagen.

Das scheint auch die Industrie erkannt zu haben. Zumindest macht sich ein Wechsel der Tonart in der Digitalisierungsdiskussion bemerkbar, zuletzt auf dem Mittelstandsforum des Bau-Software-Herstellers BRZ in Nürnberg zu beobachten. Zwei Tage lang wurde dort referiert und diskutiert, was das Zeug hielt. Seltsam nur: Um Software oder Technologien ging es dabei nur am Rande. Stattdessen wurde ausgiebig über Menschen gesprochen. Menschen am Arbeitsplatz; Menschen in der Verantwortung, ein Unternehmen am Leben zu erhalten; Menschen aus unterschiedlichen Generationen; menschliche Unsicherheiten . . . selbst ein Hirnforscher kam zu Wort.

Die zentrale Botschaft: Wer digitalisieren will, muss die Menschen mitnehmen. Und zwar alle, über sämtliche Hierarchieebenen und Altersgrenzen hinaus. Das ist durchaus nicht trivial. Was uns privat ganz leicht fallen mag, kann am Arbeitsplatz eine große Herausforderung darstellen. Da gilt es, teils langjährige Mitarbeiter zu motivieren, eingefahrene Wege zu verlassen und sich neuen Denkmustern gegenüber zu öffnen – ganz zu schweigen von neuen Kollegen, die eventuell deutlich jünger sind und ein gänzlich anderes Mindset mit sich bringen.

Das gilt im Besonderen auch für Führungskräfte. Die Digitalisierung erfordert von ihnen mehr als den Mut, in entsprechende Arbeitsmittel zu investieren. Sie erfordert, teils tiefgreifende Veränderungen vorzunehmen und eine Kultur im Unternehmen zu etablieren, welche die Akzeptanz dafür fördert, die auch Unsicherheiten zulässt, sie gegebenenfalls zum Bestandteil der Strategie macht.

Digitalisierung ist nur ein Werkzeug, bildlich gesprochen ist sie ein Hammer, wie es einer der Referenten in Nürnberg auf den Punkt brachte. Sein Nutzen liegt auf der Hand. Die Frage ist, ob und wie der Mensch ihn zur Hand nimmt. Sicher ist hingegen: Ohne den Menschen kommt der Nagel nicht in die Wand, egal wie gut der Hammer auch sein mag.

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