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Kommentar

Digitalisierung will gelernt werden

Robert Bachmann

Mit Digitalisierung wird alles besser. So oder so ähnlich lautet das Diktat, dass seit einigen Jahren mit zunehmender Vehemenz in nahezu allen Industriezweigen, insbesondere auch der Bauindustrie gepredigt wird. Die digitale Transformation althergebrachter Verfahrensweisen und Arbeitsprozesse führe zu mehr Effizienz, erhöhe die Produktivität, schaffe mehr Sicherheit usw. Als Branchenvertreter kennen Sie diese Ausführungen zur Genüge. Ausgerechnet aus dem Maschinenbau kommen nun gegensätzliche Meldungen. So geht aus einer Branchenstudie des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und des Karlsruher Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) hervor, dass die Arbeitsproduktivität im Maschinenbau heute unter dem Niveau von vor der Wirtschaftskrise 2009 liege. Zwischenzeitlich sei sie sogar zurückgegangen. Und das nicht nur trotz, sondern auch wegen der zunehmenden Digitalisierung in der Produktion, wie die Urheber der Studie mutmaßen.

Natürlich darf man der Digitalisierung an dieser Stelle nicht ebenso plakativ ihr Produktivitätspotenzial absprechen, wie sie an anderer Stelle als Allheilmittel für Produktivitätsrückstände angeführt wird. Und dennoch scheint sich allmählich eine gewisse Nüchternheit bzw. Differenzierung in der Diskussion um die schöne, neue digitale Industrie einzustellen. Deren Notwendigkeit in vielen Bereichen bleibt unumstritten, jedoch wächst das Bewusstsein dafür, dass es Voraussetzungen und auch Grenzen für eine erfolgreiche Digitalisierung gibt: sei es die erforderliche Infrastruktur zur Bewältigung der Datenströme oder das Vorhandensein der notwendigen Kompetenzen und Kapazitäten bei der Sammlung, Auswertung und Nutzung der immensen Datenmengen und nicht zuletzt der Mensch. Seine Befähigung und seine Bereitschaft für derartige strukturelle Veränderungen sind nach wie vor entscheidend für die digitale Transformation. Sind all diese Voraussetzungen gegeben, braucht es nur noch eines: Zeit.

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