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Kommentar

Falscher Ansatz

Robert Bachmann

Gerade noch hatte sich das Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat mit der hohen Zahl der eingegangenen Anträge für das im vergangenen Jahr auf den Weg gebrachte Baukindergeld gerühmt. Mehr als 56 000 Familien wollen sich bislang den Zuschuss für die eigenen vier Wände sichern. Nun stellt sich jedoch heraus, dass die staatliche Wohnraumsubvention angesichts des Problems, das sie lösen soll, relativ wirkungslos verpufft. Wie eine Anfrage der Linken in der vergangenen Woche zutage brachte, wollen neun von zehn Antragstellern das Baukindergeld nicht im eigentlichen Sinne verbauen, sondern für den Kauf einer Bestandsimmobilie verwenden. Gänzlich verkehrt ist natürlich auch das nicht, da jeder Wechsel ins Eigentümerverhältnis den Mietwohnungsmarkt entlastet – zumindest in der Theorie. Dennoch schießt das Baukindergeld dabei – nicht nur begrifflich – meilenweit an der eigentlichen Zielsetzung vorbei. Diese sah schließlich vor, v. a. einkommensschwächeren Familien den Weg ins eigene Heim zu erleichtern und damit den enorm angespannten Wohnungsmarkt in Deutschland zu entlasten. Besonders hoch sind diese Spannungen bekanntlich in den Ballungsgebieten. In den größeren Städten ist der Kauf einer Wohnimmobilie, geschweige denn der Neubau einer solchen, mittlerweile jedoch derart teuer, dass auch das Zuschusspaket der Regierung nicht mehr viel nützt – zumindest nicht für jene, die davon profitieren sollten. Während nun also fleißig Häuser in ländlichen Gebieten gekauft werden, staatlich subventioniert und überwiegend von jenen, die es ohnehin bereits vorhatten, bleibt die Lage in den Metropolen unverändert. Ein Irrwitz, der im Grunde aber seit Bekanntwerden des Konzepts kein großes Geheimnis darstellte. Über derart gelegte Eier lässt sich vortrefflich schimpfen, helfen tut das leider wenig. Bleibt zu hoffen, dass sich die Regierung nun den eigentlichen Problemen der Wohnraumsituation in Deutschland mit demselben Elan widmet, mit dem sie zuvor teure Geschenke an die Wähler schnürte. Kein Stuhltanz im Bestand, sondern schlichtweg mehr Wohnraum schaffen, lautet die Devise. Hierfür gilt es in erster Linie, bürokratische Hürden und die (v. a. personellen) Engpässe zu beseitigen, die den Wohnungsbau aktuell ausbremsen.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 04/2019.

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