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Kommentar

Gefährlicher Platz an der Sonne

Robert Bachmann

Vergleichsweise geringe Existenzsorgen, kein geplanter Stellenabbau und die Aussicht darauf, bei sommerlicher Witterung unter freiem Himmel weiterhin von Corona-bedingten Einschränkungen nahezu unbehelligt weiterarbeiten zu können – gemessen an den aktuellen Umständen hat sich die Bauwirtschaft wahrlich einen Platz an der Sonne gesichert. Verglichen mit anderen Branchen gibt es für sie viele Gründe, um optimistisch in den Sommer zu starten.

Sorglosigkeit oder gar Leichtsinn sind auf der Baustelle gerade jetzt dennoch nicht angesagt. Weder die privilegierte Stellung in der momentanen Corona-Krise noch der arbeitsschutztechnische Fokus auf die Infektionsvermeidung dürfen dazu führen, dass die herkömmlichen Risiken für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf den Baustellen aus dem Blick geraten. Dazu gehören insbesondere die noch immer viel zu häufigen Absturzunfälle sowie, gerade jetzt in den Sommermonaten, das Hautkrebsrisiko. Allein im vergangenen Jahr hat sonnenbedingter Hautkrebs etwa ein Viertel aller gemeldeten Berufskrankheiten ausgemacht. Die Tendenz zeigt, dass die Zahlen und damit auch die Folgekosten für Heilbehandlungen, Rehabilitation und Renten steigen.

Die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft zeigt sich zunehmend besorgt. Auch, weil das so weit verbreitete Risiko gerade von jungen Menschen offenbar nicht hinreichend erkannt wird. Eine kürzlich durchgeführte Befragung von Auszubildenden hatte ergeben, dass die deutliche Mehrheit dieser sich zwar über die gefährliche Wirkung von UV-Strahlung und entsprechende Schutzmaßnahmen informiert sieht, jedoch nur wenige die Gefahr für sich selbst ernst nehmen und entsprechende Schutzmaßnahmen umsetzen.

Zwar haben die entsprechenden Institutionen wie die Berufsgenossenschaft ihre Bemühungen um mehr Beratung, Information und Vorsorge in der Vergangenheit zunehmend verstärkt. Die gewünschte Wirkung scheint jedoch gerade bei der jüngeren Zielgruppe ausgeblieben zu sein. Auch schärfere Vorschriften können daran nur wenig ändern, da eine wirksame Prävention stets im Bewusstsein der Betroffenen ansetzen muss. Bleibt zu hoffen, dass künftig effizientere Wege zur Sensibilisierung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer am Bau für derartige Gesundheitsrisiken gefunden werden, damit die Einsicht nicht immer erst auf den Schaden folgt.

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