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Kommentar

Generation Miete

Robert Bachmann

Neulich im Bekanntenkreis: Ein befreundetes Pärchen trägt sich mit dem Gedanken, Wohneigentum zu kaufen. Beide sind Mitte 30, haben feste Jobs und ein gutes Einkommen. Nach ausgiebiger Recherche und diversen Terminen bei der Bank steht fest: Das neugebaute Ferienhaus inkl. großzügigem Grundstück an der spanischen Küste wäre zwar locker drin, allein eine familiengerecht große Wohnung mit einigermaßen guten Standard imweiteren Umfeld von Frankfurt wird jedoch bereits zur Herausforderung. Zugegeben, klingt nach Luxusproblem. Was sich hier aber zeigt, kann ohne Weiteres in alle Richtungen durchdekliniert werden. Während die Mietpreise immer weiter durch die Decke gehen, steigt der Bedarf nach Wohneigentum zunehmend. Drei Viertel aller Deutschen träumen einer aktuellen Studie zufolge von der eigenen Immobilie. Viele davon werden wohl weiterträumen müssen, da Immobilien mit den steigenden Hauspreisen und Bauzinsen immer unerschwinglicher werden. Selbst eifrige Sparer kommen mit den rasant steigenden Preisen kaum noch hinterher. Und auch die heute noch günstigen Baufinanzierungen drohen vielen Käufern schon bald davonzulaufen. Die Folge: immer mehr Mieter, immer höhere Mieten – Die Katze beißt sich in den eigenen Schwanz. Die Probleme liegen im Grunde klar auf der Hand, werden jedoch weiterhin lieber analysiert als behoben. Von der luxuriösen Eigentumswohnung bis zum Sozialwohnungsbau besteht die einzig gangbare Lösung darin, mehr und schneller zu bauen, um den Markt zu entspannen. Dazu müssten v. a. Bauanträge schneller bearbeitet, mehr Bauland ausgewiesen und der bürokratische Aufwand für die Bauunternehmen reduziert werden. Stattdessen werden Fördernäpfe aufgestellt, die sich entweder direkt auf die Preise durchschlagen oder erst gar nicht voll ausgeschöpft werden – u. a. weil öffentliche Aufträge für viele Bauunternehmen wegen der geringeren Marge und dem hohen Bürokratieaufwand derzeit nur wenig attraktiv sind. Angesichts so vieler Baustellen im Bereich des Wohnungsbaus und der derzeitigen politischen Situation im Lande, wünscht man sich einmal mehr, die Regierung hätte sich für ein eigenständiges Bauministerium statt dem vorliegenden Superhybrid entschieden. Bleibt nur zu hoffen, dass die entsprechenden Volksvertreter in Berlin ihre Existenzkrise alsbald überwunden haben und sich dann auch diesem Thema mit Nachdruck widmen.

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