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Kommentar

Große Ziele

Kai-Werner Fajga

Zur aktuellen Klimakonferenz in Glasgow hat sich die Mehrzahl der Beteiligten vorgenommen, Maßnahmen zur Verringerung des C02-Ausstoßes und zur Begrenzung der Erderwärmung zu forcieren. Und nachdem das Ergebnis der letzten Klimakonferenz in 2019 eher Stagnation und Rückschritt hinsichtlich der im Jahr 2015 zum Pariser Abkommen beschlossenen Ziele bedeutete, scheinen einige Ländervertreter wild entschlossen, das Versäumte nachzuholen – oder zumindest Ziele zu postulieren, die in der Öffentlichkeit gut ankommen und für Schlagzeilen sorgen.

Das ist dem US-Präsidenten Joe Biden nun mit einer Anspielung auf die Bauwirtschaft par excellence gelungen. Biden hatte dazu aufgerufen, beim Bau neuer Infrastruktur die Folgen des Klimawandels mit zu berücksichtigen. So müsse etwa bei Verkehrswegen schon der Anstieg des Meeresspiegels mitbedacht werden und es müssten nachhaltige, hohe Standards beim Bauen gelten, um etwa Korruption auszuschließen, die Umwelt nicht zu schädigen und Steuerzahler vor Ort nicht zu überfordern. Und es gehe – wie sollte es auch anders sein –um "Billionen US-Dollar an Investitionen" und Millionen Arbeitsplätze in "Industrien der Zukunft".

Erneut Aufbruchsstimmung zu signalisieren, und dass die USA Klimaschutz wieder Ernst nehmen, dieses Signal ist in Glasgow gut angekommen. Allerdings sollte dabei nicht vergessen werden, dass das aktuelle Urteil von Umweltexperten über die größte Industrienation der Welt schlicht "desaströs" lautet. Die Vereinigten Staaten belegen im Klimaschutz-Index 2021 von Germanwatch nach wie vor den letzten Platz weltweit, noch vor Saudi-Arabien, dem Iran, China und Russland. Es erscheint daher fraglich, wie die derart hoch gesteckten Ziele in den USA erreicht werden sollen.

Noch-Kanzlerin Merkel zog in Glasgow aus den Anstrengungen der Bundesrepublik die ernüchternde Bilanz, dass sechs Jahre nach Paris die Reduktionsziele zusammen nicht das ergeben würden, was seinerzeit erhofft worden war. Und sie rief eine "Dekade des Handelns" aus. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie, da Merkel als Regierungsoberhaupt 16 Jahre lang über diesen Handlungsspielraum verfügte. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

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