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Kommentar

Kreislaufwirtschaft

Robert Bachmann

Der Begriff Kreislaufwirtschaft gewinnt in der Baubranche zunehmend an Popularität. In der Praxis ist man davon aber noch weit entfernt. Mineralische Abfälle, wie sie beim Abbruch von Gebäuden anfallen, machen in Deutschland etwa 220,3 Millionen Tonnen und damit mehr als die Hälfte des jährlichen Gesamtabfallaufkommens aus. Nach Angaben des bvse-Bundesverbandes Sekundärrohstoffe und Entsorgung geht derzeit jedoch nur ein Drittel der gesamten Abfälle aus Bau- und Abbruchtätigkeiten ins Recycling. Eine eher ernüchternde Bilanz, die im krassen Gegensatz zur immer intensiveren Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsdebatte in Deutschland steht. Zwar erfreuen sich Ansätze wie das aktuell sehr prominente Cradle-to-Cradle-Konzept zunehmender Beliebtheit.

Von einigen Leuchtturmprojekten einmal abgesehen fehlt es jedoch noch immer an der erforderlichen Konsequenz, sowohl auf wirtschaftlicher als auch auf politischer Ebene. Als Recycling-Hürde werden immer wieder eine überbordende Bürokratie und zu hohe Grenzwerte angeführt, unter denen die Attraktivität von Recycling-Baustoffen leidet. Das ist in der Tat ein Problem, aber auch nur die halbe Wahrheit. Ein grundlegendes Hindernis ist, dass das Thema Nachhaltigkeit häufig nicht von Anfang bis Ende gedacht wird.

Wird ein Baustoff nicht so gestaltet, dass er von der Produktion über seine Funktionsweise bis hin zur Wiederverwertung mindestens klimaneutral, besser aber klimapositiv ist, macht ihn auch der höchste Wärmedämmwert nicht zu einem nachhaltigen Produkt. Gleiches gilt für ein Gebäude, dass nicht bereits in der Planung so konzipiert wird, dass die verwendeten Materialien am Ende des Lebenszyklus wieder sauber getrennt und zu 100 Prozent recycelt werden können. Kreislaufwirtschaft, nicht mehr und nicht weniger sagt der Begriff aus, muss von Anfang bis Ende schlüssig gedacht werden.

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