Kommentar

Leider gescheitert

Robert Bachmann

Große Ernüchterung in Halle an der Saale. Im Rahmen eines Vorreiterprojektes hatte das Bauunternehmen Papenburg im vergangenen Jahr 70 Flüchtlinge als Praktikanten aufgenommen, 30 weitere sollten folgen. Geplant war, die Asylanten nach einer entsprechenden Einarbeitungsphase in eine dreijährige Ausbildung zu überführen. Später sollten sie als Berufskraftfahrer, Betonwerker oder Bauhelfer arbeiten können. Nach nunmehr einem Jahr ist das Projekt jedoch gescheitert. Lediglich ein einziger Flüchtling ist im Unternehmen verblieben, der Rest innerhalb der letzten zwölf Monate abgesprungen.

Die Enttäuschung ist groß, insbesondere bei Geschäftsführerin Angela Papenburg, welche die Bemühungen ihrer Mitarbeiter im Rahmen der Eingliederungsmaßnahme lobt, gleichzeitig aber auch Kritik an den Behörden übt. Diese hätten die Flüchtlinge kontinuierlich zu immer neuen Sprachkursen verpflichtet und dabei keine Rücksicht auf den Beginn der Berufsausbildung genommen. Die Behörden wehren sich ihrerseits mit dem Argument, dass Sprachkenntnisse die wesentliche Grundlage für alles Weitere seien, entsprechende Kurse daher unverzichtbar. Fast scheint es so, als wolle uns in Deutschland rund um das Thema Flüchtlinge und Integration nichts so richtig gelingen. Dabei hätte das Vorreiterprojekt bei Papenburg ein so positives Signal sein können – für die Sachsen im Allgemeinen wie für die Region im Besonderen. Für die Baubranche in jedem Fall.

Hapert es doch nach wie vor an praktikablen Lösungsansätzen für den Fachkräftemangel. Gänzlich von der Hand zu weisen sind die Argumente der Behörden jedoch ebenfalls nicht. Schon im Dezember des vergangenen Jahres hatte der Arbeitgeberverband BDA auf eine unerwartet schlechte Vorbildung der nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge verwiesen und vor zu großer Euphorie bei der Integration von Asylanten in den Arbeitsmarkt gewarnt. Die Wortmeldung von Susi Möbbeck (SPD), Staatssekretärin für Integration im Landesarbeitsministerium, wirkt jedoch schon beinahe zynisch. Sie sprach bezüglich des Projektes von "Schnellschüssen", die der Sache nicht helfen würden. Es bleibt zu hoffen, dass sich die gescheiterte Initiative nicht als nächstes Opferlamm auf der Schlachtbank der Rechtspopulisten wiederfindet und das Projekte dieser Art – übereilt oder nicht – mehr Anerkennung zuteil wird.

Politik und Industrie müssen in dieser Sache dringend näher zusammenrücken und bestehende Hürden wie auch die Wohnsitzauflage beheben. Denn auch, wenn Flüchtlinge den Fachkräftemangel nicht beheben können, steckt in dieser Kombination doch nach wie vor eine Win-Win-Situation, die sich zu nutzen lohnt.

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