Kommentar

Offensiver aufklären

von:

Burkhard Büscher

Wer geglaubt hatte, dass der Planfeststellungsbeschluss für den Fehmarnbelt-Tunnel nur eine reine Formsache ist, wird in diesen Tagen eines Besseren belehrt. Während es in den vergangen Monaten auf Seiten der deutschen Gegner relativ ruhig war, hat man nun das Gefühl, dass sich jetzt dort ein massiver Widerstand zusammenbraut. Allein über 9000 Einwendungen gegen das Mega-Projekt wurden trotz Urlaubszeit in der zweiten Runde des Planverfahrens eingereicht. Eine Zahl, mit der die schleswig-holsteinische Landesregierung aber anscheinend gerechnet hat. Es sei klar, dass es bei einem solchen Projekt dieser Größenordnung "nicht nur Jubelstürme gibt", ließ denn auch eine Sprecherin verlauten. Dabei ging es bei den Beschwerden noch nicht einmal um die in Ostholstein sehr umstrittene Hinterlandanbindung des Tunnels. Die Beltretter, ein Bündnis von Initiativen und Organisationen gegen den Tunnel, hat alle Gegner zum Protest gegen das 18 km lange Bauwerk aufgerufen und war damit anscheinend sehr erfolgreich. Neben Schäden für die Umwelt wird von vielen Menschen befürchtet, dass sich das Projekt zu einem ähnlichen Milliardengrab mit Dimensionen wie Stuttgart 21 oder der Berliner Flughafen BER entwickelt. Und dass, obwohl Dänemark das gesamte Tunnelprojekt, allerdings ohne die Hinterlandanbindung in Deutschland, zahlen will. Viel Widerstand regt sich auch im Internet. So hat eine 18-jährige Schülerin von der Insel Fehmarn eine Online-Petition gestartet, die bislang von rd. 85000 Gegnern unterstützt wird. In der Region werden vielerorts blaue Holzkreuze als Zeichen des Widerstands gegen den Tunnel aufgestellt. Die dänische Projektgesellschaft Femern A/S will jetzt die eingereichten Beschwerden sorgfältig prüfen und zusammen mit den Behörden in Schleswig-Holstein die nächsten Schritte desVerfahrens planen. Die rege Beteiligung der Bürger belege das große öffentliche Interesse am Projekt. Vielleicht sollte Femern A/S seine Aufklärungsarbeit zum Tunnel – auch in den Medien – etwas offensiver gestalten. Eine "Tunnel-Hüpfburg" für Kinder auf der Landesgartenschau in Eutin zur Verfügung zu stellen, mag ja ganz witzig sein, aber hat bestimmt wenig dazu beigetragen, mehr Verständnis für das Tunnel-Projekt in der Bevölkerung zu erzeugen.

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