Kommentar

Ohne Rechnung? Nein danke!

Robert Bachmann

In Deutschland wird aktuell so viel gebaut und saniert wie seit langem nicht mehr. Mit der anhaltenden Hochkonjunktur steigt die Nachfrage nach Handwerksleistungen immens. Wer Arbeiten an Dach, Fassade oder Innenräumen plant, muss sich momentan auf lange Wartezeiten einrichten.

Goldene Zeiten sowohl für die Industrie selbst als auch für die Gesamtwirtschaft, für die der Bau endlich wieder berechtigter Weise als treibende Antriebskraft gelten kann. Es könnte alles noch viel schöner sein, gäbe es da nicht nach wie vor das trübende Element der Schattenwirtschaft. Wenngleich nach Auswertung von Wissenschaftlern der Anteil der Schwarzarbeit seit Jahren abnimmt, werden wohl auch in diesem Jahr Leistungen im Wert von rd. 330 Mrd. Euro am Fiskus vorbei erbracht.

Und noch immer sind Baugewerbe und Handwerk am stärksten von illegaler Schwarzarbeit betroffen – dicht gefolgt von Gastronomie und haushaltsnahen Dienstleistungen wie der Betreuung älterer Menschen, die uns auf lange Sicht noch nachhaltig beschäftigen wird. Mag die Tendenz zu steuerfrei erbrachten Leistungen auch rückläufig sein, die schiere Summe sowiedie drastischen Folgeschäden für die Branche sind noch immer immens.

Schwarzarbeit drückt auf die Preise, zerstört damit ehrliche Wettbewerber, hemmt die Lohnentwicklung und steigert damit am Ende wieder ihre eigene Attraktivität – ein Teufelskreis. Vieles wurde in der Vergangenheit bereits unternommen, um dieses "Krebsgeschwür der Bauwirtschaft", wie ZDB-Geschäftsführer Felix Pakleppa das Problem nennt, einzudämmen. Mit teilweisem Erfolg.

Erst in dieser Woche wurde die Schaffung einer zentralen Stelle zur Bekämpfung von Schwarzarbeit in Berlin bekannt gegeben, in der verschiedene Bezirke der Hauptstadt ihre Maßnahmen bündeln wollen. Die Maßnahmen zeigen Wirkung. Um der Illegalität am Bau einen wirklichen Riegel vorzuschieben, muss die Schwarzarbeit jedoch in den Köpfen der Menschen als jene Straftat verankert werden, die sie ist. Dazu bedarf es nicht nur rigoroserer Repressalien gegen die Anbieter von Schwarzarbeit, sondern auch Rahmenbedingungen – regulativ wie vor allem auch steuerlich –, unter denen Schwarzarbeit nicht mehr als rechtfertigbares Kavaliersdelikt gelten kann.

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