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Kommentar

Qualität statt Masse

Rainer Oschütz

Handwerk hat goldenen Boden. Diese alte Erkenntnis gilt ganz gewiss immer noch – zumindest für Meister, die nicht nur fleißig sind, sondern pfiffige Ideen haben, Berufsnachwuchs fachgerecht ausbilden und sich so von der Masse abheben. Leider hat die Änderung der Handwerksordnung von 2004 die Lage der betroffenen Gewerke deutlich verschlechtert. Masse statt Qualität unter anderem im Fliesen-, Estrichleger- sowie Betonstein- und Terrazzoherstellerhandwerk rückt diese Bauberufe in ein schlechtes Licht.

Bei den Fliesenlegern bspw. stieg die Zahl der Betriebe von12 000 im Jahr 2004 auf nun rd. 72 000 Betriebe an – größtenteils Ein-Mann-Betriebe oder Solo-Selbstständige, darunter viele aus Süd- und Osteuropa. Obwohl die Zahl der Betriebe so deutlich angestiegen ist, werden 50 % weniger Lehrlinge ausgebildet und die Zahl der Meisterschüler ging seit 2004 sogar um rd. 80 % zurück. Ohne Meister aber können auch keine jungen Leute mehr ausgebildet werden. So gehen Kenntnisse und Fertigkeiten verloren – ein Schaden, der am Ende auch die Verbraucher trifft.

Deshalb ist die erneute Forderung des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes und der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU nach einer Wiedereinführung der Meisterpflicht in diesen Bauberufen ein Weckruf an die Politik, dieses Thema wieder auf die Tagesordnung zu bringen. Die Praxis zeigt, dass die Meisterfreiheit auch ein Einfallstor für Scheinselbstständigkeit, Illegalität und Schwarzarbeit auf deutschen Baustellen geworden ist.

Berlin ist gut beraten, das Handwerk zu fördern und zu pflegen, und das gilt nicht nur für Bauberufe. Fest steht, Qualität und Ausbildung im deutschen Handwerk nehmen nach wie vor im weltweiten Vergleich eine Spitzenposition ein. Der Mittelstand ist und bleibt das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Und das sollte man in guten und schlechten Zeiten stärken. Daran sollte eine deutsche Bundesregierung oder ein europäisches Parlament – gleich in welcher Besetzung – niemals rütteln.

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