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Kommentar

Reizen statt Regulieren

Von Robert Bachmann

Regeln sind des Deutschen liebstes Kind, besagt ein gängiges Klischee über den vermeintlich so ordnungsvernarrten Teutonen. Ohne ein möglichst festgezurrtes Vorschriften-Korsett kann es keine Ordnung geben, so die nicht nur im Ausland weit verbreitete Vorstellung von der deutschen Denke. Besonders groß scheint die Lust zur Regulierung besonders dann, wenn angesichts gesellschaftlicher Notlagen der Kontrollverlust droht. Ein besonders prägnantes Beispiel ist die hierzulande herrschende Wohnungsnot inkl. Mietpreisexplosion, der man sich, zumindest in Berlin, nicht mehr anders zu erwehren weiß, als den Immobilienmarkt in Fesseln zu legen. Ein anderes Beispiel ist die derzeit wieder lautstark geführte Debatte um den Klimawandel und entsprechende Gegenmaßnahmen. So manifestiert sich bspw. in der Diskussion um den Entwurf zu dem seit Jahren in der Verabschiedung befindlichen Gebäudeenergiegesetz (GEG) einmal mehr die Vorstellung, dass ein ökologisch verantwortungsvolles Handeln ohne kontinuierlich strenger werdende Energieeinspar-Vorschriften nicht möglich sei. So legt es zumindest die teils harsche Kritik am Gesetzesentwurf seitens des Umweltministeriums sowie diverser Interessenvertreter aus der deutschen Verbändelandschaft nahe. Die Bauwirtschaft freut sich hingegen über eine Vereinfachung der Gesetzeslage und das Ausbleiben neuer Hürden für die Schaffung des dringend benötigten Wohnraums. Die Debatte hat etwas Gefährliches, denn sie erweckt den Eindruck, als stünden sich Wohnraumschaffung und Klimazielerreichung in einer Entweder-oder-Konstellation gegenüber – als wäre das Eine nur auf Kosten des Anderen möglich. Zudem verwischt sie den Blick auf die bereits jetzt schon sehr hohen energetischen Standards und erweckt das Bild einer maßgeblich für den Klimawandel verantwortlichen Bauindustrie. Zielführender als der Frage nachzugehen, welche Notlage nun schlimmer wiegt und wer zu Lasten von Wem zurückstecken muss, wäre es, nach Lösungen zu suchen, die Fortschritte in beide Richtungen erlauben. Etwa, indem Anreize für die energetische Sanierung des Bestandes geschaffen werden, statt den Neubau in Grund und Boden zu regulieren. So oder so gilt es, Wege zu ebnen, statt sie in Beton zu gießen.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 27/2019.

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