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Kommentar

Sicherheiten schaffen

Robert Bachmann

Deutschlands Ökonomen atmen auf: Dank Bauboom und konsumfreudiger Bürger sind wir noch einmal knapp an einer "technischen Rezession" vorbeigeschrammt, sprich zwei aufeinander folgenden Quartalen mit negativem Wachstum. Insbesondere die anhaltend hohe Nachfrage nach Bauleistungen hat der deutschen Wirtschaft im dritten Quartal 2019 ein "Immerhin-Wachstum"von 0,1 Prozent beschert. Vor allem der Wohnungsbau treibt das Geschäft weiter an. Nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes konnte die Bauwirtschaft im September dieses Jahres ihr bestes Neugeschäft seit 1995 verzeichnen.

Alles in Butter, also? Nur vorerst: Nicht ohne Grund warnen die führenden Ökonomen des Landes, aufgrund der guten Nachrichten in dieser Woche vorschnell in Euphorie zu verfallen. Verkehrt wäre es vor allem, sich einfach darauf zu verlassen, dass die Konjunktur-Lokomotive Bau die deutsche Wirtschaft weiterhin durch dasderzeitige Tal zieht, ohne dass hierfür ausreichend Gleise gelegt und die richtigen Weichen gestellt werden. Denn auch am Bau herrscht bekanntermaßen nicht nur eitel Sonnenschein. So verzeichnet etwa der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie jüngst eine erste Eintrübung der Geschäftserwartungen und verweist auf zunehmende Stornierungen und eine schleppende Auftragsvergabe insbesondere im Straßenbau.

Dass überbordende Bürokratie, mangelnde Kapazitäten im Planungswesen sowie sinkende Genehmigungszahlen zusätzlich aufs Bremspedal treten, ist hinlänglich bekannt. Dass die Politik die Bauindustrie nun mit Nachdruck zum Kapazitätsaufbau auffordert, hat etwasZynisches, wie HDB-Hauptgeschäftsführer Dieter Babiel zuletzt bemerkte.

Man kann der Bundesregierung nicht vorwerfen, dass sie die Bedeutung der Bauwirtschaft für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes und, nicht zuletzt, für die drängenden sozialen Fragen der Zeit, nach wie vor verkennen würde. Dennoch ist sie gerade jetzt aufgefordert, mehr denn je dafür zu tun, dass die Bauwirtschaft auch auf lange Sicht ein tragkräftiges Standbein der Konjunktur bleiben kann. Allem voran, indem sie Rahmenbedingungen schafft, unter denen Unternehmen der Branche, künftig schneller und unbürokratischer bauen können, ohne dass ihnen Aufträge oder Personal zur Neige gehen.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 48/2019.

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