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Kommentar

Störfaktor Mensch?

Robert Bachmann

Welche Rolle wird der Mensch auf der Baustelle der Zukunft eigentlich noch spielen? Was zunächst nach Utopie oder, je nach Blickwinkel, Dystopie klingt, wird zunehmend zum Gegenstand ernsthafter Diskussionen. Während die Gewinnungsindustrie bereits intensiv an der Umsetzbarkeit autonomer Logistikprozesse forscht, werden nun auch im Bereich der Erdbewegung erste Pilotversuche im Bereich autonomer bzw. automatisierter Baustellen unternommen. Auch hier in Deutschland: So soll demnächst in Dresden eine Testbaustelle auf Basis des 5G-Mobilfunkstandards eingerichtet werden, auf der Ingenieure der Technischen Universität Dresden mit Partnern aus der Industrie die Zukunft des Bauens erforschen wollen.

Auch auf der diesjährigen bauma gab es zahlreiche Konzeptmaschinen zu bewundern, in denen bereits kein Fahrerhaus mehr vorgesehen ist. Die eingangs gestellte Frage gewinnt also zunehmend an Legitimität. Freilich findet sich auch unter den Treibern entsprechender Technologien kaum jemand, der sich offen dafür ausspricht, den Menschen aus der Baupraxis wegzudenken. Der Mensch ist und bleibt natürlich unverzichtbar, heißt es meist. Er müsse in Zukunft nur eben andere Aufgaben wahrnehmen, bspw. das Überwachen automatisiert arbeitender Baumaschinen.

Schon heute ist die Teilautomatisierung bereits sehr real. Auf Wunsch unterstützen zahlreiche Assistenzsysteme den Maschinenführer bei seiner Arbeit. Der Fahrer zieht am Hebel, die Maschine zieht das perfekte Planum, gräbt in die genau richtige Tiefe oder riegelt ab, wenn Gefahr für Mensch oder Material droht. Getrieben wird diese Entwicklung v. a. vom Fachkräftemangel: Zum einen gibt es schlichtweg immer weniger Fahrer.

Zum anderen verspricht die intelligente Maschine ein vom Menschen nicht erreichbares Produktivitätsniveau. Gerät der Mensch auf der Baustelle also zum Störfaktor? Nein! Auch die intelligenteste Maschine muss programmiert, gesteuert und überwacht werden. Damit einher geht ein umfassender Wandel der Anforderungsprofile am Bau, der einen immensen Bedarf an Aus- und Weiterbildung erfordert. Die soziale Frage im Zusammenhang mit der Baustelle der Zukunft wird nicht der Verlust von Arbeitsplätzen sein, sondern, wie gut es gelingt, Arbeitnehmer bei diesem Wandel mitzunehmen.

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