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Kommentar

Treffen in der Krise

Robert Bachmann

Mit dem 50. VDBUM-Großseminar ist eine weitere Großveranstaltung innerhalb der Baubranche der Pandemie zum Opfer gefallen. Ursprünglich sollte die Jubiläumsveranstaltung des beliebten Branchentreffs wie gewohnt im Frühjahr 2021 im Sauerlandstern-Hotel in Willingen stattfinden.

Angesichts der aktuellen Situation hatten sich die Veranstalter ein ausgeklügeltes und nahezu hieb- und virenfestes Hygiene- und Sicherheitskonzept, basierend auf einer leistungsfähigen Abluftanlage und kostenfreien Corona-Schnelltests, überlegt. Der letzte Zweifel an einem infektionsfreien Ablauf der viertägigen Veranstaltung mit rund 12 000 Besuchern über den gesamten Veranstaltungszeitraum ließ sich am Ende aber doch nicht ausräumen. Folgerichtig haben die Verantwortlichen gemeinsam mit ihren Kunden und Partnern entschieden, das Großseminar auf das Folgejahr 2022 zu verschieben.

Ein schwieriger Schritt, nicht nur aufgrund der finanziellen Einbußen für den Verband, die eine solche Entscheidung mit sich bringt. Dennoch ist es der richtige Schritt, da der VDBUM damit in hohem Maße Verantwortungsbewusstsein zeigt, sowohl für die Gesundheit der Teilnehmer als auch für das Image der Branche, welches im Ernstfall großen Schaden nehmen würde. Ein Superspreader-Event in der bislang erfreulich wenig von der Pandemie gebeutelten Baubranche will nun wirklich niemand. Dennoch wirft diese Verschiebung, wie auch viele ähnliche Entscheidungen der vergangenen Monate und Wochen, ein unbehagliches Licht auf das kommende Jahr. Denn das Großseminar ist damit in guter Gesellschaft. Mit dem Ausfall der Fachmesse Bau, der

Fachtagung Abbruch und weiteren Veranstaltungen leert sich der Terminkalender für das kommende Jahr zusehends. Auch 2021 wird der für die Branche in Zeiten des Klimawandels und der Digitalisierung so wichtige Austausch, zumindest in größeren Gruppen, vorerst nur stark eingeschränkt stattfinden können, vermittelt via Video-Konferenzen und Online-Präsentationen. Dass es hierfür mittlerweile viele und gute Werkzeuge gibt, ist ein Segen. Langfristig müssen jedoch dringend wieder Möglichkeiten gefunden werden, die Menschen von Angesicht zu Angesicht zusammen zu bringen. Unter anderem, weil enorm viel Innovation,Fortschritt und Kollaboration oft aus ungeplanten Begegnungen heraus entstehen. Aber auch, weil an der Organisation und Betreuung jeder Veranstaltung Existenzen hängen, und zwar sprichwörtlich am seidenen Faden.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 43/2020.

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