Kommentar

Verantwortung übernehmen

Robert Bachmann

Eines vorab: Während diese Zeilen entstehen, hat der sogenannte "Diesel-Gipfel" in Berlin noch nicht begonnen. Die Diskussion rund um den Automobilhersteller-Skandal und die Zukunft der Antriebstechnologie befindet sich jedoch bereits auf ihrem Höhepunkt. Scharfmacher und Polemiker haben jetzt Hochkonjunktur. Das Ziel zu treffen, ist denkbar einfach. Viele verschiedene Meinungen kann es nicht geben, wenn es um große und mächtige Konzerne, Betrug an Verbrauchern sowie Schäden an der Umwelt geht.

Auch die Politik hat kurz vor der Bundestagswahl erkannt, dass man mit harschen Ermahnungen zu ethischem Handeln in Richtung ihrer einstigen Vorzeigeindustrie jetzt viel Applaus ernten kann. Allen voran Verkehrsminister Alexander Dobrindt, der die Automobilindustrie im Vorfeld des Gipfeltreffens dazu aufrief, ihrer "verdammten Verantwortung" nachzukommen, das Vertrauen wieder herzustellen und ihre Fehler zu beheben.

Ohne Frage: Die Fahrzeughersteller haben sich selbst verschuldet in diese Sackgasse manövriert. Klar ist auch, dass es dringend Alternativen zu schmutzigen Verbrennungsmotoren bedarf – das allerdings auch nicht erst seit Bekanntwerden der jüngsten Enthüllungen. Ebenso klar sollte aber auch sein, dass ein Großteil unserer wirtschaftlichen Stärke zum Einen auf der Herstellung von Dieselfahrzeugen beruht, zum Anderen auf Gewerbetreibenden, die in solchen Fahrzeugen unterwegs sind. Diese Abhängigkeit kann man nun verdammen, aber nicht leugnen. Das spricht nun nicht dafür, die Verursacher des Problems aus der "verdammten Verantwortung" zu nehmen, diese zu relativieren sowie künftig an der Auflösung dieser Abhängigkeit zu arbeiten. Es spricht aber dafür, dass es keine einfachen Haltungen in dieser Sache geben kann – bspw. die viel zu kurz greifenden Forderungen nach Fahrverboten bzw. der gänzlichen Abschaffung des Diesels.

Dass die Automobilhersteller jetzt Verantwortung übernehmen müssen, sollte nicht Ziel der Diskussion sein, sondern vorausgesetzt werden können. Im Ergebnis braucht es jedoch langfristig gedachte Lösungen, die weder zu Lasten des Steuerzahlers noch des Wirtschaftsstandorts Deutschland und auch nicht der Umwelt gehen.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 31/2017.

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