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Kommentar

Verhärtete Fronten

Robert Bachmann

Wie gut ist es um die Bauwirtschaft in der Corona-Krise wirklich bestellt? Diese Frage ist jüngst zum zentralen Streitpunkt zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite am Bau geworden. Uneins darüber, ob die Branche nahtlos an den Boom der vergangenen Jahre anschließen können wird oder ob der große Einbruch erst noch bevorsteht, haben sich die Tarifparteien des Bauhauptgewerbes auch in der dritten Verhandlungsrunde ergebnislos getrennt. Wie schon im vergangenen Jahr muss nun ein Schlichtungsverfahren für Klärung sorgen.

Keine einfache Aufgabe: Klar ist, dass der Bau im Vergleich zu anderen Branchen durchaus zu den Gewinnern – wenn man das so nennen kann – der aktuellen Situation gehört. Anders als in anderen europäischen Ländern konnte der Baustellenbetrieb hierzulande auch in der Akutphase der Corona-bedingten Einschränkungen größtenteils aufrechterhalten werden. Dass dieser nicht unbeachtliche Vorgang ohne Tönnies'eske Zwischenfälle verlief, ist vor allem den Beschäftigten auf den Baustellen zu verdanken. Diese für das Ausbleiben einer großen Baurezession entsprechend zu entlohnen, scheint nur gerecht.

Die Arbeitgeberseite zeigt sich jedoch vorsichtig. Zu groß sind die Befürchtungen, der Einbruch stehe erst noch bevor. Nicht zu Unrecht: Wie etwa aktuelle Zahlen zur Auftragslage am Bau aus dem April zeigen, hat sich die Lage gegenüber dem März dieses Jahres zwar leicht verbessert (+2,7 Prozent), gegenüber dem Vorjahresmonat jedoch auch deutlich verschlechtert (–5,3 Prozent). Sorgen bereiten vor allem der Hoch- und Wohnungsbau, wo es zu Einbrüchen im zweistelligen Prozentpunktebereich kam. Nicht ohne Grund argumentiert etwa der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes, dass der aktuelle Burgfriede trügerisch sei. Beispiele wie Gütersloh würden zeigen, wie schnell die aktuelle Situation kippen könne.

Auf der anderen Seite wiederum gehört die Bauwirtschaft gleichermaßen zu den klaren Profiteuren des Konjunkturpakets, mit dem die Bundesregierung das wirtschaftliche Nach-Corona-Feld bestellen möchte. Dieses sieht nicht nur Investitionsanreize für die Kommunen vor, sondern unter anderem auch die Übernahme Corona-bedingter Mehrkosten am Bau, die Förderung der energetischen Gebäudesanierung sowie die Deckelung von Sozialversicherungsbeiträgen.

Die Bauwirtschaft hat allen Grund, optimistisch in die Zukunft zu schauen und sich auch nach der Krise als konjunkturelle Schlüsselindustrie bei Fach- und Nachwuchskräften attraktiv zu machen. Eine schnelle und friedliche Einigung im aktuellen Tarifstreit wird für den Schlichter nicht einfach herzustellen sein, wäre aber ein äußerst positives Signal in diese Richtung.

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