Kommentar

Vorbei sondiert

Noch haben die eigentlichen Verhandlungen zu einer möglichen Jamaika-Koalition in Berlin gar nicht offiziell begonnen. In den vergangenen vier Wochen wurde zunächst ausgiebig sondiert,welchen Themen sich die zu bildende Regierung vorrangig widmen muss und welche Positionen der äußerst bunte Cocktail aus CSU, CDU, FDP und Grünen dabei an den Verhandlungstisch bringt.

Schon vorab des für diesen Freitag angekündigten Votums für oder gegen die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen regte sich seitens des Baugewerbes Kritik: So mahnte Felix Pakleppa, Geschäftsführer des Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe (ZDB) kürzlich an, dass während der langwierigen Vorverhandlungen an einem Thema nahezu komplett vorbei sondiert worden sei: dem Bauen.

Zwar ließe sich nun sicherlich Geduld einfordern. Auch könnte man auf die nicht minder hohe Dringlichkeit zahlreicher anderer Themenkomplexe verweisen. Dennoch ist die Kritik nicht unberechtigt. Neben all den Herausforderungen im Bereich Infrastruktur hat sich speziell der soziale Wohnungsbau zu einem Nummer-1-Problem auf der Zu-Lösen-Agenda der Bundesrepublik entwickelt.

Jüngstes Mahnmal hierfür sind die neuen Zahlen der Bundearbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW), denen zufolge sich die Zahl der Menschen ohne Wohnung im Vergleich zu 2014 um rd. 150 % erhöht habe – Tendenz steigend, wie Geschäftsführer Thomas Specht warnt. Die Ursachen sind bekannt: stark gestiegene Mieten, ein drastischer Schwund an Sozialwohnungen, Zuwanderung sowie immer mehr Bestand der an private Investoren verkauft wird.

Wirklich neu ist das alles nicht. Der Wohnungsbau ist seit langem schon ein sozialpolitisches Problem, dass es nachhaltig zu lösen gilt. Lange Zeit wurde es trotz dringlicher Warnungen von Expertenseite ignoriert. Es bleibt zu hoffen, dass sich dieser Fehler im Zuge einer schwierigen Regierungsbildung nicht wiederholt.

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