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Kommentar

Was wurde eigentlich aus …?

Robert Bachmann

Die Corona-Krise überschattet derzeit alles. Grund genug, einmal nachzuschauen, wie es eigentlich um die Themen steht, die uns davor so sehr beschäftigt haben – beispielsweise bauliche Großprojekte.

Immer für eine Glosse gut war einst der Hauptstadtflughafen BER. Er gilt als einer der größten Treppenwitze der deutschen Baugeschichte. Seit dieser Woche hat er nun auch eine Pointe, die an Ironie nicht zu überbieten ist. Nachdem alle erforderlichen Dokumente der Bauaufsichtsbehörde übergeben wurden, hat diese das etliche Male verschobene Pleiten-Pech-und-Pannen-Projekt tatsächlich freigegeben. Selbst der Brandschutz soll mittlerweile funktionieren.

Der Eröffnung im Oktober, wie zuletzt geplant, steht damit nichts mehr im Wege. Einziger Dämpfer: Wirklich Verwendung gibt es für den neuen Hauptstadtflughafen in der Corona-Krise nicht. Diese könnte dem Projekt sogar zum Vorteil gereichen. Corona-bedingte Verzögerung habe es kaum gegeben, so der amtierende Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup gegenüber dem Nachrichtenportal Zeit Online. Die derzeit stark eingeschränkte Verkehrstätigkeit erleichtere jedoch den Probebetrieb.

Generell scheint die Ausbreitung des Coronavirus Großprojekte nur bedingt auszubremsen, in Einzelfällen gar zu fördern, wenn sich beispielsweise der öffentliche Fokus zeitweise auf ein anderes Thema richtet.

Erfreuliche Nachrichten, zumindest für Befürworter des Fehmarnbelt-Tunnels, gab es in dieser Woche auch aus Dänemark. Dort soll, unbeeindruckt von der Corona-Krise, Anfang des kommenden Jahres mit dem Bau des Tunnels begonnen werden. 2029 könnte das Mammutprojekt damit nach derzeitiger Planung abgeschlossen werden.

Ganz anders sieht es momentan in Stuttgart aus. Auf der S21-Baustelle sind kürzlich 19 Personen positiv auf Covid-19 getestet worden, teilte die Stadt mit. 43 Kontaktpersonen mussten in eine Schutzunterkunft gebracht werden. Der Ruf der Projektgegner nach einem Baustopp wird damit wieder lauter.

Nicht ganz so gut sieht es auch für den Bau der Tesla-Fabrik in Brandenburg aus. Nachdem es zuvor bereits Streit um das Trinkwasser unter dem Baugebiet gegeben hatte, könnte dieses dem Projekt erneut zum Verhängnis werden, wie die ABZ aus Kreisen des lokalen Wasserverbands erfuhr. Unter anderem, weil die Gründungspfähle zur Stabilisierung des Fundaments zu tief ins Erdreich und damit ins Grundwasser reichen würden. Bestätigt wurde das bislang nicht, es wäre aber auch nicht das einzige Problem für das Vorhaben. Wegen der Corona-Pandemie können zudem keine neuerlichen Bürgeranhörungen stattfinden, was den geplanten Baubeginn zusätzlich verzögert.

Von einzelnen Lichtblicken also abgesehen bleibt es wohl dabei: Die Corona-Krise überschattet derzeit alles.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 18/2020.

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