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Kommentar

Wer hat Schuld an der Bauflation?

Robert Bachmann

Irgendwas ist ja immer. Eigentlich gibt es mit Blick auf die Bauwirtschaft aktuell wenig zu beklagen. Die Auftragslage ist so gut wie seit den 90ern nicht mehr und die Umsätze entsprechend hoch. Außerhalb der Branche hält sich die Freude über die nachhaltig positive Entwicklung am Bau dennoch in Grenzen. Zum einen wird vermeintlich zu wenig gebaut, v. a. Wohnraum. Zum anderen wird vermeintlich zu teuer gebaut, wie in der Medienberichterstattung derzeit kolportiert wird. Hintergrund ist u. a. eine Auswertung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, die einen kontinuierlichen Preisanstieg beim Bauen seit 2014 nachzeichnet, zuletzt um jährlich etwa 4,5 %. Das ist offensichtlich so beachtlich, dass es dafür ein eigenes Wort gibt: die sog. Bauflation. Diese ist der Rechnung zufolge doppelt so hoch wie die normale Inflation. So viel Flation – klar, dass der Eine oder Andere da ins Stöhnen kommt. Gerade vor dem Hintergrund des akuten Wohnraummangels birgt der drastische Anstieg der Baupreise natürlich eine Menge sozialen Sprengstoff. Führt man diesen lediglich auf das Verhältnis von Angebot und Nachfrage zurück, läge der schwarze Peter allein bei den Bauunternehmen. Wahrscheinlich war es genau dieser Gedanke, der den bayerischen Bauindustriepräsidenten Thomas Schmid noch kurz vor dem Osterwochenende zu einem kritischen Statement drängte. Mangelnde Kapazitäten seien nicht das Problem, so Schmid. Gründe für die gestiegenen Preise seien höhere Tariflöhne, gestiegene Materialpreise und die stetig steigenden staatlichen Regulierungen – Stichwort Energieeinsparverordnung. Auch Schmid weiß natürlich, dass die derzeit hohe Nachfrage das Angebot mitbestimmt. V. a. dann, wenn letzteres u. a. durch den Fachkräftemangel eben doch zunehmend begrenzt ist. Dass Unternehmen unter den für sie interessanten Angeboten auswählten, sei jedoch "geradezu eine unternehmerische Pflicht", sagt Schmid. Ohnehin sind die Renditen am Bau im Vergleich zu anderen Industrien eher gering. Der Branche nun ihre Umsätze zu vergällen, wäre in der Tat zu kurz gedacht. Den Unternehmen muss es schlichtweg erlaubt sein, lukrativ zu arbeiten. Nicht zuletzt, um sich als attraktive Branche für den Nachwuchs aufzustellen. Günstiges Bauen ist aktuell kein einfaches Unterfangen. Abhilfe schaffen könnten gezielte Anreize für einen bezahlbaren Mietwohnungsbau. Subventionen werden von staatlicher Seite derzeit jedochlieber werbewirksam mit der Gießkanne verteilt.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 17/2019.

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