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Kommentar

Wo bleibt der Mantel?

Robert Bachmann

Wie steht es eigentlich um die Mantelverordnung? Anlässlich der in dieser Woche stattfindenden Fachtagung Abbruch haben wir diese Frage an Johann Ettengruber, den Vorsitzenden des Deutschen Abbruchverbandes gerichtet. Seine Antwort leitet er mit einem leicht genervten Stöhnen ein. Kein Wunder, schließlich doktert die Bundesregierung seit mittlerweile mehrals 14 Jahren an einer Gesetzgebung, mit der die Entsorgung von Bauabfällen sowie der Umgang mit Ersatzbaustoffen bundesweit einheitlich geregelt werden soll.

Der Entwurf wurde bereits viele Male revidiert. Doch auch nach aktuellem Stand sehen Abbruchunternehmer wie Ettengruber in der Mantelverordnung einen einzigen Wiederspruch. Zu sehr sind die Lager zwischen den verschiedenen Interessengruppen gespalten, zu gering scheint der Wille bei den Bundesländern, eine einheitliche Lösung zu finden. Dabei wäre es gerade jetzt wichtig, dass die Politik sich für einen nachhaltigen Umgang mit Bauabfällen positioniert. Sie bilden einen der größten Stoffströme im innerdeutschen Güterverkehr.

Wegen des Deponiemangels und zunehmend strengerer Vorschriften müssen Abbruchmaterialien über immer weitere Strecken transportiert werden. Schon wegen des dabei erzeugten CO2-Ausstoßes wäre dringend geboten, auch dieses Thema in den Diskurs zur Verkehrswende aufzunehmen. Geschehen ist dies bislang jedoch nicht. Das Gleiche gilt für den Einsatz von Ersatzbaustoffen. Er könnte das Bauen nicht nur nachhaltiger, sondern auch günstiger machen. Dennoch: Recycling mag derzeit überall in Mode sein, am Bau jedoch nehmen die Verantwortlichen in den Kommunen, Gemeinden und Städten noch immer reichlich Abstand zu diesem Thema. Hier bedarf es nicht nur Überzeugungsarbeit, sondern offenbar auch einer verstärkten Aufklärung.

Eine Mantelverordnung mit den richtigen Inhalten könnte einen wichtigen Beitrag zu einem nachhaltigeren Bauen in Deutschland leisten. Nach dem jüngsten Arbeitstreffen im September des vergangenen Jahres schwinden die Aussichten auf eine konstruktive Lösung in der Sache jedoch zusehends gen Null. Im März soll nun ein weiterer Entwurf vorgelegt werden. Sollte es auch hier keine Einigung geben, könnte das Vorhaben gänzlich scheitern.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 09/2020.

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