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Kommentar

Zukunft meistern

Robert Bachmann

Im Jahr 2004 hob die Bundesregierung den Meisterzwang in insgesamt 50 Gewerken des deutschen Handwerks auf. Ziel war es, der Branche während der damaligen Flaute wieder Aufschwung zu geben. Nach Jahren zäher Diskussionen haben sich die Interessenvertretungen des Handwerks und des deutschen Baugewerbes in ihrer Kritik an den Folgen der Handwerksreform nun durchgesetzt.

In dieser Woche hat die Große Koalition beschlossen, den Meisterzwang in einigen Handwerksberufen wiedereinzuführen. Das Vorhaben ist stark umstritten. Es komme zur Unzeit, heißt es von Seiten der Kritiker. Inmitten des größten Baubooms will die Bundesregierung Zugangsbeschränkungen für einen Markt einführen, der ohnehin völlig überlastet ist. Auf den ersten Blick klingt das tatsächlich paradox.

Als Argument für den Meisterzwang führen Befürworter wie Handwerkspräsident Hans-Peter Wollseifer u. a. einen Qualitätsverlust und Sicherheitsbedenken in den Ring, die mit der Öffnung des Handwerks für Solo-Selbstständige mit geringerer Ausbildung einhergegangen sei. Dieses Argument ist sehr prominent in der Diskussion, allerdings auch das Schwächste. Der große Qualitätsabfall in den betroffenen Gewerken hat sich gemessen an der gesunkenen Zahl der Verbraucherklagen größtenteils wieder ausgeglichen bzw. hat sich durch Marktbereinigung abgeschwächt.

Schon deutlich schwerer wiegt das Argument des Lohndumpings, für das Solo-Selbstständige verantwortlich gemacht werden. Branchenkenner sprechen von Preisunterschieden von bis zu 50 %. In einer Branche mit ohnehin geringer Umsatzrendite ist das schon beachtlich. Damit einher gehen auch massive Unterschiede in puncto Arbeitsschutz, der gerade bei Solo-Selbstständigen häufig nur wenig Priorität besitze, wie Verbände- und Gewerkschaftsvertreter immer wieder beklagen.

Wirklich wichtig ist der Meisterzwang, zumindest in einigen Gewerken, jedoch wegen der eingangs erwähnten Kapazitätsengpässe. Um die Ausbildungszahlen im Handwerk wieder nach oben zu bringen, braucht es schlichtweg wieder mehr Meisterbetriebe. Diese bilden nicht nur aus, sondern verleihen der Branche eine gewisse Wertigkeit. Sie erledigen nicht nur ihre Aufträge – ob nun gut oder schlecht -, sondern sind Hort von Innovationen, Weiterentwicklungen und stehen für eine zukunftsgerichtete Entwicklung ihrer Zunft.

Die Wiedereinführung des Meisterzwangs in, wohlgemerkt, einigen Gewerken, wird uns keine überteuerten Sofaaufbaumeister bescheren, wie z. T. geunkt wird. Sie ist aber eine Chance, die Attraktivität des Handwerks und damit ihre Zukunftsfähigkeit wieder entscheidend nach vorne zu bringen.

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