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Kommentar

Zurück zur Wurzel

Robert Bachmann

Erneut wird in Berlin um das geplante Baukindergeld gestritten. Bevor es mit dem Herzensprojekt der Union so richtig losgeht, mehrt sich von verschiedenen Seiten Kritik an der Fördermaßnahme, die jungen Familien mit Kindern den Weg in die eigenen vier Wände erleichtern soll. Ohnehin ist die Wirksamkeit des Baukindergeldes seit Bekanntwerden der Pläne stark umstritten. Nicht zu unrecht wird kritisiert, dass die Förderung lediglich für jene in Frage kommt, die ohnehin vorhatten, von der Miete ins Eigenheim zu wechseln. Zu einer Entspannung des Mietmarktes trägt sie dabei nicht bei. Ganz im Gegenteil birgt das Baukindergeld letztlich sogar die Gefahr, die Preise noch weiter in die Höhe zu treiben. Jeder zweite Deutsche zweifelt unlängst an der Wirksamkeit des Baukindergeldes, wie aus einer aktuelle Studie im Auftrag des Zentralen Immobilien-Ausschusses (ZIA) hervor geht.

Wie jetzt bekannt wurde, scheint sich die Bundesregierung bei der Festlegung des Etats für das ambitionierte Projekt zudem kräftig verkalkuliert zu haben. Trotz der zuletzt gesunkenen Zahl der Erstbewerber könnten sich nach Berechnungen des Kölner Instituts für Wirtschaft Kosten von 3,25 Mrd. Euro bis zur nächsten Legislaturperiode ergeben, also deutlich mehr als die im Koalitionsvertrag veranschlagten 2 Mrd. Euro. Bau- und Heimatminister Seehofer will deshalb "nachsteuern" und stieß damit beim Koali-tionspartner auf wenig Gegenliebe.

Am Ende könnte sich aber auch dieses Geplänkel als Sturm im Wasserglas erweisen. Wie eine weitere ZIA-Umfrage ergab, wollen vier von fünf Bundesbürgern in den kommenden Jahren eher nicht oder auf keinen Fall Wohneigentum kaufen. Der Grund dafür dürfte in den exorbitant hohen Preisen liegen, die derzeit auf dem Immobilienmarkt aufgerufen werden. Hier liegt nach wie vor eine der dicksten Wurzeln der gesamten Wohnraumproblematik. Statt also weiterhin auf unwirksame Placebos wie die Mietpreisbremse oder das Baukindergeld zu setzen, täte die Bundesregierung gut daran, sich wieder der Ursachenbekämpfung zuzuwenden.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 24/2018.

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